Verschwunden im Krieg

17. April 2011, 14:49
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"Eigentlich wollte Manu gar nicht mehr an die Front"

Es war ein Eintrag im Facebook von Luis, eines befreundeten Journalisten, der mich aufschrecken ließ: "Manu, sie warten auf mit dem Abendessen dich!" stand da zu lesen. Darunter ein Foto von Manu Brabo, einem 30-jährigen Pressefotografen aus dem nordspanischen Asturien, den ich im März an der libysch-tunesischen Grenze kennengelernt hatte und ein Link zu einem Artikel.

Seit dem 5. April ist Manu verschwunden, erfuhr ich darin. Manu sei mit zwei weiteren Bildreportern - den US-Amerikanern James Foley und Clare Gillis - an die Front nahe der Hafenstadt Brega gefahren, wo die Truppen von Oberst Al Gaddafi gegen die Rebellen aus dem Norden kämpfen. Seither fehlt jede Spur von ihnen.

"Eigentlich wollte Manu gar nicht mehr an die Front", erzählt mir per email ein Kollege aus Berlin, der sich ebenfalls in Ostlibyen aufhält. Am Tag zuvor war neben Manu ein Rebell von einer Kugel tödlich getroffen worden. Der spanische Fotoreporter war geschockt. Doch am Morgen griff er wieder zu seiner Ausrüstung und stieg erneut in ein Pickup der jungen Kämpfer.

Manu ist freier Fotograf. Nach Reportagen in regionalen, spanischen Zeitungen arbeitete in Benghazi für die Presseagentur EPA. Endlich erschienen seine Bilder in den großen Blättern dieser Welt. Die Gefahr war vergessen. Er wollte einfach nur weiter von dem berichten, was ohne den mutigen Einsatz der Fotografen, Kameraleute und Journalisten nur Nachrichten ohne Gesichter wären.

Während ihn seine Kollegen in Benghazi weiterhin beim Abendessen auf Manu warten, berichtete die Washington Post am Samstag den 16. April, dass die drei Fotografen "von westlichen Quellen" in einer Haftanstalt in der Hauptstadt Tripolis gesehen worden seien. Von zwei weiteren verschwundenen Journalisten, dem Südafrikaner Anton Harmmel und dem US-Amerikaner Matthew Van Dyke fehle jedoch weiterhin jede Spur.

Das US-Aussenministerium verhandelt laut Washington Post mit Hilfe der Vermittlung der türkischen Regierung über die Freilassung der US-Amerikaner. Was Spanien unternimmt, darüber schweigt sich die Regierung in Madrid aus. Es werde keine Erklärungen zum Falle geben, um die "Nachforschungen nicht zu gefährden", erklärte der Regierungssprecher am Freitag. Manus Kollegen in Spanien ist dies nicht genug. Sie hielten eine Kundgebung vor dem spanischen Aussenministerium ab.

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    foto: facebook
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