Das war der VCM 2011

"Bin mir vorgekommen wie in einem Stadion"

Benno Zelsacher, 19. April 2011, 10:24
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    foto: christian fischer

    Haile Gebrselassie auf dem Weg durch Wien. Der Weltrekordler kann sich vorstellen, hier den ganzen Marathon zwecks Olympia-Qualifikation zu laufen.

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    foto: christian fischer

    John Kiprotich sichert sich seinen Eintrag in der Siegerliste des Vienna City Marathons.

Kenias John Kiprotich gewann binnen 2:08:29 Stunden vor sieben Landsleuten. Für die große Show in der Stadt sorgte jedoch Haile Gebrselassie

Wien - Auf dem Heldenplatz mimte Haile Gebrselassie den Enthusiasmierten, und er mimte ihn durchaus glaubwürdig. "Eine wunderbare Stadt, ein wunderbares Publikum, eine wunderbare Atmosphäre, eine wunderbare Strecke, ein wunderbarer Asphalt, eine wunderbare Luft. Ich habe das Laufen genossen. Gott segne euch", sagte der berühmteste Dauerläufer der Gegenwart zu den Tausenden, die im Ziel auf die Sportler warteten. Zu diesem Zeitpunkt war die Marathon-Elite noch im Prater unterwegs.

Eine Stunde und 18 Sekunden lang hatte der von Begleitmotorrädern umzingelte Gebrselassie zwecks Halbmarathon gearbeitet, und in dieser Zeit lag ihm die Stadt quasi zu Füßen. Sie war nicht ungerecht, aber den fülligsten Applaus erntete der zweifache Olympiasieger, neunfache Weltmeister und 27-fache Weltrekordler, der in Wien ein Comeback gab.

Vor fünf Monaten war er beim New-York-Marathon wegen Knieschmerzen ausgestiegen und hatte im ersten Frust seinen Rücktritt bekanntgegeben. Daheim in Äthiopien kam das gar nicht gut an. Der Nationalheld, der seine Heimat nicht nur mit Siegen beglückt, sondern auch als Arbeitgeber, seine Preisgelder in Äthiopien investiert, diverse Firmen aufgebaut und Schulen gestiftet hat, ein hohes politisches Amt in der Zukunft nicht ausschließt, trat rasch vom Rücktritt zurück. Schließlich läuft er nicht nur, um zu nehmen, sondern auch um zu geben. Doch aus seinem Plan, im Februar den Tokio-Marathon zu bestreiten, wurde nichts, wieder zwickten die Knie. "Aber jetzt bin ich in Form", hatte er vor dem Lauf durch Wien gesagt.

Das Tempo des Haile Gebrselassie

Um neun Uhr brachen die Marathonläufer auf der Wagramer Straße auf zu ihrer 42,195 Kilometer langen Reise, zwei Minuten später machte sich Gebrselassie an die Verfolgung. "Der Plan war", erzählte er nachher, "dass ich sie zwischen Kilometer 15 und 17 einhole." Aber der Meister hielt sich nicht an seinen Plan, er überholte sich zunächst einmal selbst, lief in einem Tempo, welches - hochgerechnet - auf eine Zeit unter einer Stunde schließen ließ. Ungefähr nach zwölf Kilometern, auf der Linken Wienzeile beim Naschmarkt, überholte er die Kenianer. Aber die hatten an diesem Tag doppelt so viel zu arbeiten.

"Ich hatte gehofft, ein Stück mit ihm mitlaufen zu können, aber er war zu stark", erzählte nach dem Rennen der spätere Sieger, der Kenianer John Kiprotich, der nach 2:08:29 Sekunden durchs Ziel lief. Mit 22 Jahren ist er der jüngste Wien-Sieger aller bisherigen Zeiten. Seine persönliche Bestzeit unterbot er um rund sieben Minuten. Der Streckenrekord seines Landsmanns Abel Kirui aus 2008 (2:07:38) ist wieder um ein Jahr älter geworden.

Kenia unwiderstehlich

Abgesehen davon trumpften die Kenianer in Österreich fast auf wie die österreichischen Skifahrer in ihrer besten Zeit, als sie beim Super-G auf dem Patscherkofel die ersten neun Ränge belegten. Beim 28. Vienna City Marathon brachte Kenia immerhin acht Läufer unter die ersten acht. Österreichs Bester war der Kärntner Roman Weger. Er wurde 21., und binnen 2:18:24 Stunden blieb er wie angestrebt unter 2:20. Den Marathon der Damen gewann Gebrselassies Landsfrau Fate Tola (2:26:21). Tanja Eberhart, Österreichs Beste, wurde beim Debüt 14. (2:44:11).

Gebrselassie hatte es auf eine gute Leistung, aber nicht auf einen Rekord angelegt. Das hätte nämlich nicht einmal bei ihm funktioniert, schließlich war er ohne Hase, wie man einen Tempomacher nennt, unterwegs. Jedenfalls hat es ihm getaugt. Und er kündigte an, wiederzukommen. "Es geht ja nicht nur um das Laufen, sondern auch um die Atmosphäre. Und die war fantastisch. Ich bin mir vorgekommen wie in einem Stadion." Und der Marathon hier sei gar nicht so hart, wie ihm das einige Kollegen erzählt hätten. "Ich kenne ja nur die Hälfte. Aber 2:05 sind sicher möglich."

Das nächste große Ziel des Äthiopiers, der heute, Montag, 38 wird, ist der olympische Marathon 2012 in London. Um dieses zu erreichen, muss er die interne Qualifikation schaffen, und das ist selbst für den Weltrekordler keine gemähte Wiese. "Vielleicht laufe ich die Qualifikation nächstes Jahr in Wien", sagt er, der seinen Weltrekord (2: 03:59) allerdings 2008 in Berlin aufstellte. (DER STANDARD Printausgabe, 18.4.2011)

Ergebnisse vom 28. "Vienna City Marathon" am Sonntag:

Herren: 1. John Kiprotich (KEN) 2:08:29 Stunden - 2. Patrick Ivuti (KEN) 2:08:41 - 3. Evans Kiplagan (KEN) 2:09:22 - 4. Isaac Macharia (KEN) 2:09:43 - 5. Joseph Maregu (KEN) 2:10:29 - 6. Nicholas Chemilo (KEN) 2:10:48 - 7. Augustine Ronoh (KEN) 2:10:53 - 8. Paul Kirui (KEN) 2:11:54 - 9. Henry Szost (POL) 2:12:45 - 10. Tsegaye Bekele (ETH) 2:12:57. Weiter: 21. Roman Weger (AUT) 2:18:24

Frauen: 1. Fate Tola (ETH) 2:26:21 Stunden - 2. Ana-Dulce Felix (POR) 2:26:30 - 3. Peninah Arusei (KEN) 2:27:17 - 4. Genet Getaneh (ETH) 2:28:08 - 5. Elsa Kirejewa (RUS) 2:29:41. Weiter: 14. Tanja Eberhart (AUT) 2:44:11

"Catch me if you can"- Halbmarathon: 1. Haile Gebrselassie (ETH) 1:00:18 Stunden - 2. Karl Aumayr (AUT) 1:12:18 - 3. Franz Pauker (AUT) 1:23:22

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 181
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ich bin rapid-fan
00
20.4.2011, 12:04

Mir is alles egal. Es muss nur endlich der Streckenrekord gebrochen werden, damit Wien wieder eine Marathonstadt wird und noch mehr Top-Läufer den VCM laufen. :)))

phletz phletzinger
42
18.4.2011, 19:08
Rekord

Wg des verpassten Halbmarathon Rekordes soll sich HG nix antun. Immerhin ist er als erster Schwarzer eine ganze Stunde durch Wien gelaufen ohne von der Polizei verpruegelt zu werden. Rekordverdaechtig, oder?

Giacomo Leopardi
00
18.4.2011, 14:11
mehr VCM Fotos habt ihr nicht hier zu zeigen?

schwach schwach

Linus Van Pelt
00
18.4.2011, 15:35
roundabout
00
18.4.2011, 13:38
Toller Läufer

und sympathischer Bursche.

Werner Masslos
04
18.4.2011, 13:06
Na,

schönere Komplimente kann er der Stadt Wien gar nicht machen. Und wer seine Worte liest, weiß dann auch, was wir hier in Wien eigentlich haben. Neben all dem normalen Geraunze und Gesudere.

- gute Luft (ich meine, welche Großstadt kann so etwas von sich behaupten)
- wunderbares Publikum (wie ist das denn passiert? - ist doch sonst nicht so in Wien?)
- toller Asphalt (DAS würde wohl niemand von uns erwähnen - aber das scheint nicht alltäglich zu sein)
- die Stadt ist so sauber (gehört in einem späteren ORF-Interview. Und damit hat er recht. Nur Zürich ist noch sauberer)

Mich freuts, daß sich mal jemand positiv über Wien äußert.

Alles andere is primär oder irreregulär
00
19.4.2011, 03:39
Naja Großstadt würde ich Wien nicht nennen....

....zumindest nicht wenn man sie Mega Metropolen wie NY,London ,Los Angeles;Istanbul,Mexico City etv vergleicht .

god of emptiness
00
18.4.2011, 16:30

wow...

Bk79
51
18.4.2011, 11:43
aha

China rad umgefallen

Wiener Konfitüre
019
18.4.2011, 11:49
aha

via 3Handy

Bk79
00
18.4.2011, 20:37
ja via 3

den nur der standart ist im free 3 net

Zitterer
01
18.4.2011, 22:46
standard

zum glück ist da ein app, weil sonst würdens ja gar nicht auf die website zugreifen können...

Nukom
00
18.4.2011, 12:31
touchè

~~~xOx~~~
11
18.4.2011, 11:15

war wieder eine tolle veranstaltung heuer! abgesehen von den gut 3 1/2 stunden beim lauf selbst, in denen ich mich wohl dutzende male gefragt hab warum ich mir das antue ;-)

aL6
01
18.4.2011, 10:35

dieser ganze quatsch mit überholen...die laufen 42km und der haile 21 - die werden ihr tempo ganz anders anlegen, da sie ja den doppelten weg zu laufen haben!
hat mich auch bei der ORF berichterstattung gestört...
da wird ja so getan, als ob die gegeneinander laufen sollten...

styliann
04
18.4.2011, 10:29

bin am samstag 10km gelaufen ... in 1h 10min und war danach sowas von fertig.
alle marathonläufer haben meinen größten respekt.

deppenapostroph
00
18.4.2011, 10:18

wie isn das mit diesem "hasen" - wieso bringt das was? wenn einer schnell vor mir läuft & ich eh weiß, dass der das nie durchhält, wieso lauf ich dann schneller?

vllt kanns mir wer erklären, der sich damit auskennt.

Pavo Nurmi
00
18.4.2011, 14:29
also...

für mich ein wesentlicher vorteil, wenn man nicht ganz alleine läuft, ist auch, dass man das tempo nicht kontrollieren muss.

ich persönlich lauf in hochform einen 4min/km-schnitt und hab es bei meinem besten marathon (nicht auf der wiener strecke) wirklich geschafft jeden einzelnen km +- 2sek/km zu laufen. das geht einfach besser wenn rund um einen 5 leute sind, die auch das tempo kontrollieren.
außerdem hilft man sich in der ambitionierte-hobby-läufer-klasse auch gegenseitig ein bisschen und gibt sich wasserflaschen weiter, etc.

Tom el chileno
00
18.4.2011, 10:29
Hasen

das ist bei Amateueren wie Profis gleich: wenn einer schnell vor dir läuft, kannst du dich dranhängen und es fällt leichter, ein paar Sekunden pro Kilometer schneller zu laufen. Das spielt sich nur im Kopf ab. Wenn der Läufer aber eine andere Taktik hat (zB Abwarten, wass die anderen Stars machen), ist der Hase für die Fisch...

deppenapostroph
00
18.4.2011, 10:54
danke

also wie ich erwartet habe, nur eine kopfsache.
noch was: wie entscheidet sich, wer "hase" ist?

Dr. 2Much
01
18.4.2011, 15:39
Von Hasen und ihren Eigenheiten:

*Sammy Korir war 2003 in Berlin als Hase für Paul Tergat vorgesehen, als er zur Hälfte spontan entschied, selbst um den Sieg zu laufen, und letztlich nur um 1 sec. den Zielsprint gegen Tergat verlor, der Weltrekord lief!
*Mit ein Grund, warum G. Weidlinger heuer in Düsseldorf startet, war, daß er sich die Hasen in Ö selbst organisieren sollte, wofür ihm die Kontakte fehlen.
* IdR werden Hasen vom Veranstalter gestellt und von "Laufställen" genauso angeboten wie Siegläufer; ein guter Hase kann Gold wert sein, weil er das Tempo lange konstant(!) so hoch hält, daß sich die angestrebten Zeiten ausgehen, der "Star" kann im Windschatten Energie sparen, um gegen Ende selber ernst zu machen mit einem Tempo, das der Hase nicht mehr schafft.

Mr.Blue
00
18.4.2011, 11:40

zumindest im radsport, und ich denk mal, es wird beim laufen auch so sein, sind das bezahlte profisportler, "team"-mitglieder, die dazu da sind, den "star" zu pushen und zu unterstützen

Tom el chileno
00
18.4.2011, 11:12

Hasen sind im Normalfall ebenfalls Kenianer (Äthiopier), die zwar sehr gute Läufer sind, aber den Durchbruch nicht geschafft haben. Die kassieren dann ein (aus unserer Sicht) niedriges Honorar dafür, dass sie vor das Tempo machen sollen. Mir ist übrigens kein Hase bekannt, der dann den Durchbruch geschafft hat...

deppenapostroph
00
18.4.2011, 11:18
danke nochmal

diese hasen werden also schon vorher bestimmt und treten an, ohne fertiglaufen zu wollen? gilt das auch für olympische spiele etc.?

Follmann
00
18.4.2011, 12:30

gute frage, ob das geregelt ist. unter dem begriff "tempomacher" findest du allgemein aufschlussreiche information

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