McLaren-Pilot gewinnt den GP von China nach einem packenden Rennen vor Sebastian Vettel - Sensationeller Mark Webber von Platz 18 auf das Podium
Shanghai - McLaren-Pilot Lewis Hamilton hat die Siegesserie von
Weltmeister Sebastian Vettel in der Formel 1 beendet. Der 26-jährige Engländer
gewann am Sonntag den Grand Prix von China auf dem Shanghai International
Circuit vor dem deutschen Red-Bull-Star. In der WM führt Vettel aber weiter
klar, hat nach dem dritten WM-Lauf 21 Zähler Vorsprung auf Hamilton. Dritter
wurde Vettels australischer Teamkollege Mark Webber, der vom 18. Startplatz aus
nach 56 Runden noch den Sprung aufs Podest schaffte.
Hamilton war nach dem 15. GP-Triumph seiner Karriere "einfach überwältigt".
"Wir haben uns schon im Qualifying für die richtige Strategie entschieden, indem
wir uns einen Satz weiche Reifen für das Rennen aufgehoben haben. Das war eines
der besten Rennen, bei dem ich je dabei war. Ich musste viele Autos überholen
und dabei auch ständig auf die Reifen aufpassen. Das ist mir gut gelungen. Dazu
hat mir mein Team das bestmögliche Auto bereitgestellt", betonte der
Ex-Weltmeister.
Vettel verschläft den Start
Dabei hatte es für ihn zu Beginn ganz schlecht ausgesehen, hatte sein Team
doch bis zuletzt an seinem Wagen gearbeitet und es gerade noch geschafft,
Hamiltons Boliden auf die Startaufstellung zu bekommen. "Ich bin im Auto
gesessen, und es ist plötzlich nicht angesprungen", beschrieb der Brite die
bangen Momente kurz vor dem Start. "Deshalb musste die ganze Abdeckung
runtergenommen werden, aber zum Glück ist mein Team noch rechtzeitig fertig
geworden."
"Pole"-Mann Vettel, der zuletzt vier Rennen en suite für sich entschieden
hatte, verlor gleich am Start zwei Positionen, denn die beiden McLaren von
Jenson Button, der am Ende Vierter wurde, und Hamilton zogen am Red Bull des
23-Jährigen vorbei. Unmittelbar vor seinem ersten Reifenstopp überholte Vettel
aber Hamilton und in der Box dann auch noch Button, der für eine kuriose Szene
sorgte. Der Engländer hatte nämlich unmittelbar vor dem Deutschen zunächst
dessen Red-Bull-Box aufgesucht.
Zu diesem Zeitpunkt führte der schließlich fünftplatzierte Deutsche Nico
Rosberg, der bewies, dass Mercedes einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht
hat. Vettels Hauptgegner um den Sieg war jedoch Hamilton, der im Gegensatz zum
Titelverteidiger ein fehlerfreies Rennen fuhr. Der Red-Bull-Star hatte nämlich
nach dem verpatzten Start wieder einmal mit KERS-Problemen zu kämpfen, und neben
dem Energierückgewinnungssystem funktionierte auch der Boxen-Funk nicht
einwandfrei.
Red Bull verpokert sich
Dazu setzte sein Team auch noch auf die letztlich falsche
Zwei-Stopp-Strategie, während Hamilton ebenso wie Webber, Button und Rosberg
dreimal die Reifen wechselte. Deshalb war es für den Engländer ein Leichtes, in
Runde 52 die Spitze zu übernehmen. "Durch meine kaputten Reifen war ich am Ende
im Nachteil, deshalb ist er so einfach an mir vorbeigekommen", erklärte Vettel
zur rennentscheidenden Szene.
Der Champion verpasste damit nach seinen Siegen in Australien und Malaysia
den angepeilten Sieg-Hattrick zu Saisonbeginn. "Wir haben heute einige Fehler
gemacht, sind aber trotzdem noch immer Zweiter geworden. Wir müssen aus diesen
Fehlern lernen. Alles in allem waren die ersten drei Rennen in Übersee aber sehr
gut", zog Vettel ein positives Resümee.
Die Mark-Webber-Show
Die Enttäuschung über den verpassten Sieg hielt sich bei Red Bull also in Grenzen. Dafür sorgte auch die Leistung von Mark Webber. Mit seiner famosen Aufholjagd hat der Australier seinem, Teamkollegen Sebastian
Vettel fast die Show gestohlen. "Ich hatte auch ein bisschen
Glück", meinte Webber.
"Nur sieben Sekunden hinter dem Sieger, das ist fantastisch", gratulierte der
Kommandostand des Rennstalls dem 34-jährigen Routinier
unmittelbar nach der Zielflagge. Webber, der im Rennen u.a. Rekordweltmeister
Michael Schumacher, Ferrari-Star Fernando Alonso und Ex-Champion Jenson Button
überholte, meinte dagegen trocken und bodenständig: "Es ist leicht zu sagen, ja
das ist phänomenal. Aber letztlich ist es mein Job."
Nach 15 Runden war Webber noch aussichtslos auf Position 17 gelegen. Das lag
auch daran, dass er sich entschieden hatte, das Rennen mit den härteren,
langsameren Reifen zu beginnen. "Doch ganz plötzlich ist mein Auto dann sehr gut
in Fahrt gekommen. Natürlich hat es auch geholfen, dass ich noch ein paar
Reifensätze aus dem Qualifying übrig hatte", gab der WM-Dritte des Vorjahres zu
Protokoll.
Red-Bull-Teamchef Christian Horner war trotz des verpassten Sieges mit seinen
Burschen hochzufrieden. "Zweiter ist noch immer ein fantastisches Ergebnis und
bringt viele Punkte", meinte der Engländer in Richtung Vettel. Und Webber
gratulierte er zu einem "phänomenalen Comeback".(APA/red)