Europäern geht Munition gegen Gaddafi aus

17. April 2011, 22:57
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"Washington Post": US-Präzisionsbomben passen nicht zu europäischen Jets - Müssen USA wieder an vorderste Front?

Washington/Hamburg - Briten und Franzosen gehen laut "Washington Post" die lasergesteuerten Präzisionsbomben für den vor etwas mehr als einem Monat begonnenen NATO-Einsatz über Libyen aus. Die USA verfügten noch massenhaft über moderne Munition, doch sie passe nicht zu den europäischen Jets, schreibt "Spiegel Online" am Sonntag unter Berufung auf die US-Zeitung.

"Libyen ist kein großer Krieg. Wenn den Europäern schon zu so einem frühen Zeitpunkt in so einer kleinen Mission die Munition ausgeht, fragt man sich, auf welche Art von Krieg sie sich vorbereitet haben", sagte der Direktor des Forschungsinstituts Globalsecurity.org, John Pikeer, der "Washington Post". "Vielleicht wollten sie ihre Luftwaffen nur bei Flugshows einsetzen."

In den USA sind die Munitionsdepots gut gefüllt. Doch britische und französische Kampfjets, die den Großteil der Angriffe auf die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi fliegen, können die Bomben aus den USA nicht nutzen, sie passen nicht zu den Fliegern.

Nachdem die USA die Offensive zur Durchsetzung der Flugverbotszone und zum Schutz der Zivilbevölkerung zunächst geleitet hatten, übergaben sie kürzlich das Kommando an die NATO und beschränken sich seitdem auf eine unterstützende Rolle.

Insgesamt 64 Kampfflugzeuge im Einsatz

Die Luftangriffe werden nun von anderen NATO-Partnern geflogen: Großbritannien und Frankreich haben jeweils rund 20 Kampfflugzeuge im Einsatz, Belgien, Dänemark, Norwegen und Kanada stellen jeweils sechs Maschinen zur Verfügung - insgesamt 64 Jets.

Ob das jedoch ausreicht, um die Ziele des Einsatzes zu erreichen, scheint fraglich. Zwar wurden seit Ende März 800 Luftangriffe auf Ziele in Libyen geflogen - davon lediglich drei von der US-Luftwaffe - doch diese Schlagzahl wird sich wohl nicht halten lassen. "Wir brauchen mehr Kapazitäten", sagt ein mit der NATO-Operation vertrauter Gewährsmann. "Nicht, weil wir keine Angriffe auf Ziele fliegen könnten, die wir sehen, sondern um diese Fähigkeit aufrechtzuerhalten. Ein Problem ist die Flugzeit, ein anderes die Munition."

Bereits jetzt werden nach Angaben der "Washington Post" Stimmen laut, die eine Rückkehr der USA an die vorderste Front im Kampf gegen das Gaddafi-Regime fordern. Noch führt die US-Luftwaffe rund ein Viertel aller Flüge über Libyen durch, größtenteils jedoch Aufklärungs-, Störungs- und Betankungsflüge. Doch offenbar trauen die USA ihren europäischen Partnern die Angriffsmission nicht recht zu und behalten die Situation genau im Auge. Die US-Piloten seien in Bereitschaft und würden ständig über die Lage informiert, hieß es aus NATO-Kreisen.

Panzer zerstört

NATO-Flugzeuge haben am Samstag in Libyen 144 Einsätze geflogen, darunter 42 Bombardements. Das teilte die Militärallianz am Sonntag in Brüssel mit. Die Zahlen lagen etwas unter dem Niveau des Vortags. Bei Tripolis hätten die Kampfbomber zwei Munitionsdepots zerstört. Auch in der Nähe der Städte Al-Sintan, Misurata und Sirte hätten die Jets Panzer und Depots vernichtet.

Seit Beginn der NATO-Mission am 31. März seien 1146 Kampfeinsätze geflogen worden. Die NATO hat als Ziel, auf der Basis der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates in Libyen die Flugverbotszone sowie die Einhaltung des Waffenembargos zu überwachen und die Zivilbevölkerung zu schützen. (APA)

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