Rasantes Remis bringt Vorentscheidung

17. April 2011, 00:00
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Attraktives 1:1 bei Real gegen Barça - Sowohl Messi als auch Ronaldo durften per Elfer anschrei­ben - Albiol sah die Rote

Im Estadio Santiago Bernabéu trafen sich am Samstagabend Real Madrid und der FC Barcelona zum ersten „El Clasico" binnen vier Wochen. In der 32. Runde der spanischen Primera Division war die Ausgangssituation klar: Real brauchte auf jeden Fall einen Sieg, um den Titel noch herbei utopisierieren zu dürfen.

Barça versuchte von Beginn weg das Spiel unter Kontrolle zu bekommen, machte aber in den ersten Minuten ungewöhnlich viele Fehlpässe. Nach etwa zehn Minuten offenbarte sich dann aber das für Barcelona-Spiele typische Bild mit den passenden Katalanen und einem auf Konter lauernden, dem Ball nachlaufenden Gegner. Die erste Chance gab es für die Gäste aber erst in der 18. Minute, als ein Ball über die Abwehr bei Messi landete. Dessen Heber über Casillas gelang aber nicht.

Heim-Wecker auf die 20. Minute gestellt

Real wirkte bis dato chancenlos, wachte jedoch wenige Minuten später auf und deutete mit einem Schuss von Benzema Siegesbereitschaft an - Keeper Valdes zeigte dabei unbestrafte Unsicherheit. Ein darauffolgender Eckball brachte einen Ronaldo-Köpfler der über dem Tor landete. Das Spiel nahm schlagartig Tempo auf und die Gastgeber begannen mitzuspielen Vorher aber verschonte der Schiedsrichter das Heimteam, als Casillas gegen David Villa im Real-Strafraum zu spät kam. Der Mann in Schwarz verzichtete auf den durchaus vertretbaren Elfmeterpfiff.

Angel Di Maria verschoss auf der anderen Seite bei einem Vorstoß kläglich (30.), der ihn allein vor Valdes auftauchen ließ. 180 Sekunden später sprang Ronaldo im Strafraum der Ball einige Zentimeter zu weit vom Fuß, sodass die Gäste-Verteidigung ihn in letzter Sekunde wegschlagen konnte. Nun brachte Barcelona den Ball nicht mehr überzeugend nach vorne, aber auch Real kam nicht mehr zu zwingenden Chancen. Das Spiel selbst blieb enorm Temporeich und wogte im Mittelfeld hin und her.

Erst kurz vor der Pause setzte Barça noch ein Zeichen. Messi überlief in der Mitte die Hintermannschaft des Weißen Balletts, scheiterte mit seinem Schuss aber an Casillas. Das wollten die Madrilenen nicht auf sich sitzen lassen. Bei einem Eckball köpfelte Ramos vom langen Eck zurück zum kurzen auf Ronaldo. Dessen Kopfball war am Weg ins Tor, Valdes war geschlagen, das Stadion setzte zum Torschrei an, doch Adriano kam ohne Rücksicht auf Verluste angesegelt und klärte auf der Linie mit der Birne.

Weißer Schock nach Wiederbeginn

In der zweiten Hälfte machten die Teams weiter, wie sie vor der Pause aufgehört hatten. Ronaldo hatte Pech, traf bei einem Freistoß in der 48. Minute nur die Außenstange. Drei Minuten später griff Albiol gegen Villa zur Notbremse und rang den Katalanen im Strafraum nieder. Der Verteidiger sah die Rote, Messi verwertete den Elfmeter, obwohl Casillas am recht zentral platzierten Schuss fast dran war.

Der von einer Verletzung gerade zurückgekehrte Puyol musste dann verletzt vom Platz getragen werden. Für ihn kam Keita. (59.).Kurz davor hatte Mourinho den deutschen Junuzovic Özil für Benzema gebracht und später Adebayor für Alonso bzw Arbeloa für Di Maria aufs Feld geschickt (66.), Guardiola nahm Pedro runter und brachte Afelay (66.)

Das Spiel erlebte nach der Führung eine weniger Torszenen-reiche Phase. Erst in der 62. Minute streifte ein Xavi-Weitschuss die Latte des Casillas-Kasterls an der Oberseite. Der Schuss von Di Maria in der 65. Minute versäumte sein Ziel aus schwierigerer Position deutlicher. Real versuchte trotz Unterzahl offensiv zu spielen und lief naturgemäß in Konter der Katalanen. Villa vergab einen solchen alleinstehend und eher kläglich (71.).

Lohn der Verzweiflung

Immer wieder kam das verzweifelt anstürmende Real nun zu Standardsituationen, doch Ronaldo zimmerte in der 78. Minute einen Freistoß drüber, Özil verpasst mit seiner Flanke kurz darauf Freund und Feind. (Maxwell kam bei Barça für Adriano) In der 81. Minute kam Real dann aus dem Spiel durch. Nach Vorstoß über die rechte Seite kam der Ball nach links zum aufgerückten Marcelho. Der wurde von Alves im Fünfer von hinten gelegt. Der Pfiff erfolgte den Gäste-Protesten zum Trotz. Ronaldo erzielte mit einem eiskalten Elfmeter sein erstes Tor überhaupt gegen Barcelona.

Umgehend verstärkten die Gäste ihre Bemühungen. Eine Schlussphase im Höllentempo begann. Casillas rettete gegen Messi unter Einsatz seiner Gesundheit erfolgreich, Villa hob den Abpraller über das Tor (86.). Im Gegenzug fing die Barcelona-Hintermannschaft einen vielversprechenden Özil-Pass auf Khedira im Strafraum ab. In der 90.Minute brach Adebayor nach Özil-Zuspiel durch, drang in den Strafraum ein und legte auf Khedira ab, der nicht platziert genug für Valdes abschloss. Villa brachte allein im Gegnerstrafraum den Ball in der letzten Minute der Nachspielzeit nicht unter Kontrolle.

Real kann das 1:1 als ehrenhafte Ende der Meisterschaftsambitionen hernehmen. Man liegt nun acht Punkte hinter Barcelona und kommt nach menschlichem Ermessen in den verbleibenden sechs Runden nicht mehr ran. Nachdem Real selbst 14 Punkte Vorsprung auf den Meisterschaftsdritten Valencia hat, kann es sich darauf konzentrieren, das heutige Duell bei seiner Wiederholung im spanischen Pokal und im Champions League-Halbfinale erfolgreicher zu gestalten. (tsc, derStandard.at, 16.4.2011)

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    Beide Superstars durften aus Elfmetern scoren. Erst traf Messi, ...

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    ... dann Ronaldo.

  • Real konnte den Rückstand auf Barca aber nicht verringern
    foto: epa/zipi

    Real konnte den Rückstand auf Barca aber nicht verringern

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