Affäre um EU-Mandatar

Hans-Peter Martin soll eine Million Euro Steuergeld missbraucht haben

16. April 2011, 18:19

Ehrenhauser erstattete Anzeige - Martin: "Rufschädigung, rechtliche Schritte eingeleitet"

Wien - Schwere Vorwürfe gegen den EU-Parlamentarier Hans-Peter Martin erhebt wieder einmal ein ehemaliger Mitstreiter: Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe und die "Salzburger Nachrichten" (SN) berichteten, erstattete der EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser Anzeige bei der Wiener Staatsanwaltschaft gegen seinen ehemaligen Delegationsleiter und Chef der "Liste Martin".

Er soll demnach private Ausgaben als Parteiaufwendungen abgerechnet, unerklärlich hohe Honorare an befreundete Unternehmer gezahlt und die Wirtschaftsprüfer möglicherweise mit mehrdeutigen Belegen getäuscht haben. Martin nennt die Vorwürfe "haltlos und rufschädigend", beantragt eine Finanzprüfung und kündigt rechtliche Schritte an.

Eine Million

In Summe geht es laut "profil" um eine Million Euro Steuergeld. Ehrenhauser ist laut "profil" im Besitz von Unterlagen über Martins Buchhaltung, die den Verdacht zuließen, er habe gut die Hälfte der staatlichen Kostenrückerstattung für den EU-Wahlkampf 2009 zu seinen Gunsten verwendet. So habe sich Martin etwa sein Wohnhaus in Tübingen großzügig von einem Architekten umplanen lassen, die Rechnung sei unter "Sachaufwand für Öffentlichkeitsarbeit" verbucht worden. Anwaltskosten für private Mietrechtsstreitigkeiten fänden sich in der Kontenaufstellung unter "Gerichtskosten".

Im Gespräch mit den "SN" erklärt Ehrenhauser, dass er bereits im September 2010 Verdacht geschöpft habe, dass Martin Parteigelder nicht korrekt verwendet habe. Aus dem Rechenschaftsbericht für 2009 und 2010 der "Liste Martin", im Auftrag des Finanzministeriums von zwei unabhängigen Wirtschaftsprüfern erstellt und im Amtsblatt der Wiener Zeitung veröffentlicht, gehe hervor: Hans-Peter Martin habe die Wahlkampfkostenrückerstattung aus öffentlichen Steuergeldern für den EU-Wahlkampf 2009 in der Höhe von 2,33 Mio. Euro bis auf den Cent genau ausgegeben. Ehrenhauser: "Ich dachte sofort: Da kann etwas nicht stimmen. Ich weiß, was uns der Wahlkampf tatsächlich gekostet hat."

Martin dazu in einer Aussendung: "Die angeführten Vorwürfe sind haltlos und rufschädigend. Alle Aufwendungen der 'Liste Martin' wurden bereits von amtlich bestellten Wirtschaftsprüfern in Österreich genau geprüft." Er fordere nun eine zweite amtliche Prüfung, "um Klarheit zu schaffen und weiteren Verleumdungen entgegen treten zu können."

"Privat bezahlt"

Auch die konkret genannten Fälle im "profil" treffen laut Martin nicht zu. So seien die Umbaupläne "völlig getrennt von der 'Liste Martin' mir persönlich gemäß Architekten-Leistungsverzeichnis in Rechnung gestellt und privat bezahlt" und die genannten Anwaltskosten für private Mietrechtsstreitigkeiten nicht in der "Liste Martin" verbucht worden."

Martin Ehrenhauser stellt die Dinge auf den Kopf", kontert Martin, "er war es, der für seine Projekte Geld wollte." Eine Anzeige wegen Verleumdung und sonstige rechtliche Ansprüche gegen Martin Ehrenhauser würden bereits geprüft, ebenso wie eine Anzeige wegen des Einbruchs in seine private EDV, kündigte Martin in seiner Aussendung an.

"Dies alles erinnert auffallend an die haltlosen Betrugsvorwürfe, denen ich bereits 2006 und 2007 durch politische Gegner ausgesetzt war", meinte Martin. "Schon damals brachen dann die Vorwürfe selbstverständlich in sich zusammen."

Tatsächlich geriet Martin, während er im EU-Parlament Missstände rund um die Abrechnung von Vergütungen für Abgeordnete geißelte, immer wieder selbst mit seinen jeweiligen Mitstreitern in Konflikte, auch über finanzielle Fragen. Bereits seine erste Listenkollegin Karin Resetarits verließ in bald zu den Liberalen, erst im Vorjahr trat Angelika Werthmann aus der "Liste Martin" aus und klagte, Martin habe seine Forderungen nach Transparenz und Demokratie selbst nicht erfüllt. Damals hatte Ehrenhauser Werthmann noch "Verrat an der Wählerliste HPM" vorgeworfen.

Werthmann erklärte in einer ersten Reaktion zum endgültigen Zerfall der 'Liste Martin', dass es jetzt endlich unumgänglich sei, die Abrechnungen der Wahlkampfkostenrückerstattung der 'Liste Martin' von unabhängigen Stellen eingehend prüfen zu lassen.

"Einer der Hauptgründe für mein Verlassen der 'Liste Martin' waren der ungeklärte Verbleib und Abrechnung der Gelder - zum Zeitpunkt meines Austritts 2010 immerhin rund 3,5 Millionen Euro - aus der Wahlkampfkostenrückerstattung, welche doch Steuergelder sind und Hans-Peter Martin den SteuerzahlerInnen verpflichtet wäre. Ich hätte mir damals erwartet, dass die zuständigen österreichischen Stellen den aufgeworfenen Fragen nachgehen würden. Nun, ein Jahr später", stellte Werthmann fest, "sind diese Frage in der 'Liste Martin' immer noch ungeklärt".

Im Dezember des Vorjahres entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass Martin 163.381 Euro an das EU-Parlament zurückerstatten muss. Das Europaparlament hatte die Gelder wegen regelwidriger Verwendung der Sekretariatszulage im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Mitarbeitern zurückgefordert. Ein Strafverfahren gegen Martin wurde aber eingestellt, da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, dass formell mangelhaft verrechnete Zulagen ihm tatsächlich nicht zugestanden wären, auch war ihm kein Betrugsvorsatz nachzuweisen.

SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried plädierte, "rasch alle erhobenen Vorwürfe zu klären, damit dann wieder zur Sacharbeit zurückgekehrt werden kann". ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas meinte: "Bevor etwas beurteilt werden kann, müssen jetzt die offenen Fragen geklärt werden." Die Grüne Europasprecherin und EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek forderte, Martin solle "endlich seine Parteifinanzen offenlegen und damit genau dieselbe Transparenz an den Tag legen, die er von anderen verlangt". (APA)

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Schwester Basilika
00
17.4.2011, 21:58
Welch Überraschung!

Wo sind die 17% die HPM damals gewählt haben?
Öffentliche Kritik müssen auch jene einstecken die damals einer fast schon demonstrativ dubiosen Figur ihre Stimme gegeben haben.

Mathias
 
01
18.4.2011, 15:18
lieber einen HPM als Strache & Co!

Da schwimmt man wenigstens nicht in der braunen Brühe.

R. Lexer
00
18.4.2011, 17:17

Seien wir lieber froh, dass die FPÖ bei der Europawahl wohl auch dank HPM ziemlich magere 12,71 Prozent kassiert hat.

Zwar machen beide als Fraktionsfreie nicht gerade produktive Arbeit, aber HPM hat wenigstens halbwegs tragbare Positionen.

Mathias
 
00
18.4.2011, 15:22
...

... und während auf EU-Ebene die ÖVP gegen das Volk war (Pro-Vorratsdatenspeicherung), sowie einige SPÖler, die "Volkstreue" FPÖ sich der Stimmen enthalten hat, hat HPM gegen diese Speicherung gestimmt - wie auch die Grünen geschlossen dagegen waren!

Das war aber in sehr vielen Abstimmungen so, die gegen die eigene Bevölkerung gerichtet waren!

skip it
01
17.4.2011, 17:55
na, herr ehrenhauser?...

...mir haben s' ja nicht geglaubt!

dabei sind solche leut' SO leicht zu erkennen...

die lichtgestalt als kellerfunzerl.

Roman Santos
02
17.4.2011, 22:02
@skip it - SORRY

ICH habe Ihnen auch sehr lange nicht geglaubt und war sehr lange einer seiner aktivsten Verteidiger.
Für mich ist jetzt eine kleine Welt zusammen gebrochen. Und ich gebe zu, dass ich sehr enttäuscht und entsetzt bin. DAS hätte ich mir von HPM nie erwartet. Ich war gestern die ganze Nacht auf, um tiefer zu recherieren. Dabei musste ich feststellen, dass es ja schon vor Jahren Probleme mit Mietern und Vermietern, Kollegen beim Spiegel, etc.. gegeben hat. Da zieht sich ein hässsliches Muster durch das Leben von HPM.
Hr. Ehrenhauser möchte ich dafür danken, dass er mir letztendlich mit seiner Anzeige die Augen geöffnet hat. Und bei Ihnen Skip möchte ich mich für vielleicht manchmal untegriffige Postings entschuldigen.

Mysterienspiel
18
17.4.2011, 15:49
An 'Elettra', 'astemp79' & Co. :

HPM hat, wie man liest, rd. EUR 1MM verfügbar, um eine engagierte Gruppe von Auftragspostern zu entlohnen.

Elettra
100
17.4.2011, 17:59

was liefern eigentlich etablierten Parteien für die im gleichen Äquivalent an sie ausbezahlte Parteiförderung,

man ist versucht anzunehmen dass die Höhe der Parteiförderung von den etablierten Politischen Gruppierungen zum eigenen Zweck so festgesetzt wurde.

g'stieß
03
17.4.2011, 19:48
nun, martin "liefert" ein verhaltensmuster -

streit mit seinen mandataren und vorwürfe kreativster buchführung.

es ist immer dasselbe, seit jahren.

so sehr, dass man sich gar nimmer drüber aufregen mag.

skip it
21
17.4.2011, 18:56
sie stinken aus der papp'n...

...als kusch. danke.

skip it
01
18.4.2011, 07:29
tangens: "la grande nation"...

...wird von den franzosen selbst NICHT verwendet.

ist ein begriff, den die dt. erfunden haben.

und den die grossnationalisten oest. praegung gern verwenden, um sich ueber das land lustig zu machen.

ansonsten: in nizza und umgebung gibt's JETZT SCHON genug tunesier.

die italiener duerfen sich ihre behalten ;-)

Poldi Fesch
00
18.4.2011, 10:07
aber mon dieu

dela france verwenden sie :)
Ernsthaft, es geht ja nicht darum, dasz es soviele tunesier in Nizza gibt sondern um das Osterwochende bzw. den dazugehoerigen Tourismus. Lt. la stampa von heute sagt Paris, die Zuege zu stoppen waere eine Entscheidung des lokalen Prefekten.

MarryF
00
17.4.2011, 18:37
jedenfalls...

...bauen sie sich keinen pool in ihre häuser im ausland

Elettra
50
17.4.2011, 18:46
@MarryF

du hast absolut recht,

unsere Politiker lassen sich einen Pool einbauen.

galiontariaho
01
18.4.2011, 13:49
´geh bitte..

im gegensatz zu ihrer unterstellung existieren bei hpm einerseits der pool, andererseits rechnungen und die verbuchung als wahlkampfkosten...

also nicht fantasieren, reden wir doch über die realität!

skip it
32
17.4.2011, 18:58
name? adresse? architekt?...

...danke im voraus fuer eine vollstaendige liste.

ansonsten kusch. danke.

hab' ich ihnen schon g'sagt, dass sie aus der papp'n stinken?

lola1234
03
17.4.2011, 18:04
Minderleister unter Minderleistern

klar, den äußerst liberalen Rahmen des Parteienfinanzierungsgesetzes darf jede Partei für sich nützen, ist ja nicht illegal. Von selbsternannten Saubermännern erwartet man dennoch weniger moralische Elastizität.

erkelteter tiger
12
17.4.2011, 16:12
ich befürchte fast das ist pathologisch,

wahnhaften verschwörung- und verfolgungsängste, jeder kritiker wird zum insekt,

ich glaub solchen irrsinn kann man sich nicht kaufen

Mysterienspiel
14
17.4.2011, 16:43
Doch, das kann man!

Kommt aber nicht billig. Der Preis für solche Verstellkunst ist hoch. (-:

Elettra
100
17.4.2011, 15:00
HPM hat im Misthaufen wohl verdammt fest umgerührt

hier sind alles Mistkäfer unterwegs die es ihm heimzahlen wollen.

ein Freund (der echte)
15
17.4.2011, 18:20
HMP...

...ist der Misthaufen...

skip it
03
17.4.2011, 18:00
tja, manche lieben eben die scheisse...

...und WO hat der da bitte WAS genau umgerührt?

der hat die ganzen jahre einen dreck g'hackelt.

von dem hoert und liest man nur etwas, wenn wieder einmal geld auf mysterioese art und weise verschwindet.

astemp79
71
17.4.2011, 14:58
"profil" und der Fellnerismus

Ein Magazin, das sich für Geld für Aktionen missbrauchen lässt: nein danke.
Aufdeckermache um jeden Preis, ist ja egal, ob es haltbar ist oder nicht. Hängen bleiben wird auf jeden Fall was, und das ist ja auch die Absicht der Geldgeber.

Nein, seit dort Fellnerismus herrscht, ist profil nicht mehr lesbar.

brundle fliege
01
17.4.2011, 23:21

prinzipiell hast du schon recht, im fall von HPM aber nicht.

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