Streubomben gegen Rebellen

17. April 2011, 17:45
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Das Gaddafi-Regime setzt alle Mittel gegen die Aufständischen ein

Die USA suchen indes diskret einen Exilort für den libyschen Machthaber, und den Europäern geht nach vier Wochen Intervention bereits die Munition aus.

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Tripolis - Im Kampf gegen die Aufständischen in Libyen setzen die Soldaten von Machthaber Muammar al-Gaddafi heimtückische Waffen ein: In der Stadt Misrata wurden international geächtete Streubomben abgeworfen. Das berichten Aufständische und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch übereinstimmend. Eines dieser Geschoße setzt hunderte kleinerer Bomben frei. Die Opfer sind zu 98 Prozent Zivilisten. Auch von systematischen Vergewaltigungen wurde am Wochenende erneut berichtet.

Nachdem sie zwischenzeitlich von den libyschen Aufständischen zurückgedrängt worden waren, rückten Gaddafi-Truppen am Sonntag erneut auf Ajdabija im Osten des Landes vor. Beim Beschuss der Stadt Misrata sind Rebellen zufolge Sonntag mindestens sechs Menschen getötet worden. Im Feuer der Gaddafi-Getreuen seien mindestens weitere 47 Menschen verletzt worden.

Nach Einschätzung des französischen Verteidigungsministers Gerard Longuet gibt es "ein gewisses Risiko, dass dieser Krieg dauert, denn Gaddafi und Libyen sind nicht vollkommen vorhersehbar" , sagte er am Sonntag. Der Konflikt sei "lang und kompliziert" .

Die USA suchen indes nach einem Bericht der New York Times intensiv nach einem Asylland für den libyschen Machthaber Gaddafi - ungeachtet der Weigerung des Diktators, sein Land zu verlassen. Die Sondierungen würden mit großer Diskretion geführt und konzentrieren sich auf Afrika. Die Suche werde aber dadurch erschwert, dass Gaddafi wahrscheinlich Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag drohten.

"Wir haben einige Lektionen aus dem Irak gelernt, eine der größten ist, dass die Libyer selbst für einen Regimewechsel verantwortlich sein müssen, nicht wir" , zitierte die New York Times einen US-Beamten. "Was wir einfach versuchen, ist, irgendeinen friedlichen Ausweg zu organisieren, wenn sich die Gelegenheit bietet."

Briten und Franzosen gehen laut Washington Post die lasergesteuerten Präzisionsbomben für den vor etwas mehr als einem Monat begonnenen Nato-Einsatz über Libyen aus. Die USA verfügten noch massenhaft über moderne Munition, doch sie passe nicht zu den europäischen Jets. "Libyen ist kein großer Krieg. Wenn den Europäern schon zu so einem frühen Zeitpunkt in so einer kleinen Mission die Munition ausgeht, fragt man sich, auf welche Art von Krieg sie sich vorbereitet haben" , sagte der Direktor des Forschungsinstituts Globalsecurity.org, John Pikeer, der Post. "Vielleicht wollten sie ihre Luftwaffen nur bei Flugshows einsetzen." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2011)

Wissen: Streubomben
Streumunition zählt zu den heimtückischsten Waffen. Eine solche Bombe setzt hunderte kleiner Sprengkörper frei, die sich über ganze Landstriche ziehen. 98 Prozent der Opfer sind Zivilisten, ein Viertel davon Kinder. Am 1. August 2010 ist die internationale Konvention zum Verbot von Streubomben in Kraft getreten. Derzeit haben 56 Staaten die Konvention ratifiziert, darunter Österreich;108 haben den Vertrag unterzeichnet. Als die größten Produzenten gelten China, Russland und die USA. (red)

  • Teile einer Streubombe  MAT-120 in Misurata
    foto: epa/human rights watch

    Teile einer Streubombe MAT-120 in Misurata

  • Die Waffe setzt zahlreiche kleine Sprengkörper frei
    foto: epa/human rights watch

    Die Waffe setzt zahlreiche kleine Sprengkörper frei

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