Raiffeisen gegen Raiffeisen bei Biosprit

15. April 2011, 19:54
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Uneinigkeit über Folgen für Lebensmittelpreise

Wien - Während die Landwirtschaft und der Raiffeisen-Konzern Agrana auf die positiven Auswirkungen von Biosprit auf das Klima verweisen, sieht man die Dinge in einer anderen Ecke des grünen Riesens anders: Raiffeisen Research meint in einer Analyse, dass Investitionen in Biotreibstoffe- und Ethanol-Erzeugung ab einem Ölpreis von 75 Dollar je Fass forciert werden. Konsequenz: "Die für diese Produktion notwendigen Agrarrohstoffe stehen dann für die Nahrungsmittelkette nicht zur Verfügung."

Damit lasse sich auch die Korrelation zwischen Nahrungsmittel- und Ölpreis erklären. Raiffeisen Research verweist dabei auf eine Studie des International Food Policy Research Institute, wonach die Biokraft-Ausbaupläne der Staatengemeinschaft bis 2020 zu Preissteigerungen bei Mais von 30 Prozent, bei Zucker von 66, bei Getreide von 72 und bei Ölsaaten von 76 führen werden.

Die Arbeiterkammer intensiviert indes ihre Anstrengungen, den Biosprit-Ausbau abzuwenden. In einem Schreiben an Nikolaus Berlakovich wird der Landwirtschaftsminister "nachdrücklich ersucht, keine weitere Erhöhung der Substitutionsziele zu verordnen". Neben den preistreibenden Folgen wird in Anlehnung an die deutsche Debatte auf mögliche Autoschäden und die offene Frage der Beweislast in Schadenersatzfragen verwiesen.

Neuerlich werden zudem höhere Kosten und Verbrauch durch E-10 - die Beimischung soll ab Oktober 2012 auf 6,25 Prozent steigen - von 52 Mio. Euro oder 2,5 Cent je Liter thematisiert, wie AK-Präsident Herbert Tumpel schreibt. "Nahrungsmittel gehören auf den Teller und nicht in den Tank", assistiert AK-Direktor Muhm. Mehr Biosprit in den Zapfsäulen bedeute weniger Anbau-flächen für Nahrungsmittel. Die Mineralölwirtschaft fordert eine Verschiebung des E-10-Starts. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.4.2011)

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