Auf Wunsch der Familie des früheren Präsidenten
Santiago de Chile - Fast 38 Jahre nach dem Tod des
chilenischen Präsidenten Salvador Allende soll seine Leiche exhumiert
werden. Damit sollen die genauen Umstände des Todes im Zusammenhang
mit dem Putsch von General Augusto Pinochet am 11. September 1973
ermittelt werden, teilte die Justiz in der Hauptstadt Santiago am
Freitag mit. Die Exhumierung war von der Familie Allendes und von
Menschenrechtsorganisationen beantragt worden, obwohl wenig Zweifel
daran bestehen, dass der Staatschef Selbstmord beging.
Allende hatte sich nach herrschender Darstellung am 11.
September
1973 im belagerten und von der Luftwaffe bombardierten
Präsidentenpalast "La Moneda" in aussichtsloser Lage in den Kopf
geschossen. An dieser Version waren immer wieder einmal Zweifel
geäußert worden. Allerdings hatte Allende selbst zuvor mehrmals
versichert, er würde sich nie ergeben. Und auch Zeitzeugen berichten,
er habe am Tag des Putsches angekündigt, sich das Leben zu nehmen.
Allende hatte Chile von 1970 bis 1973 regiert. Nach dem Putsch
herrschte Pinochet als Diktator bis 1990. Während seiner Herrschaft
wurden etwa 3000 Regimegegner umgebracht und zehntausende gefoltert
oder ins Exil gedrängt. Pinochet starb 2006, ohne je verurteilt
worden zu sein. Von 200 früheren Mitgliedern der Streitkräfte oder
des Polizeiapparats, die während der vergangenen 15 Jahre wegen
Verbrechen während der Diktatur verurteilt wurden, sitzen derzeit
nach Angaben des Innenministeriums nur 65 tatsächlich hinter Gittern. (APA)