Tough Lady

15. April 2011, 18:45
124 Postings

Fekter ist ein Programm für ÖVP-Kernwählerschichten, denen dieses humanitäre Getue auf die Nerven geht

Nun also die Staatsfinanzen in den Griff bekommen, statt Asylantenkinder abzuschieben. Nun also verschwendungssüchtige Landesfürsten zurechtstutzen, statt mit schneidender Stimme verkünden, dass einen die Rehäuglein der Arigona aber so was von kaltlassen.

Maria Fekter ist eine tough lady. Vor (schauderndem) liberal-katholischem Publikum in Linz schien sie das kürzlich richtig zu genießen: Ich bin wie ich bin, ich erledige meine Aufgabe, die man mir zugewiesen hat, auch wenn sich die Gutmenschen darüber aufregen. Ich habe eine katholische Prägung, und ich verstehe gar nicht, warum manche sagen, ich verstoße gegen christliche Nächstenliebe.

Fekter ist ein Programm für traditionelle Kernwählerschichten der ÖVP, denen dieses humanitäre Getue auch auf die Nerven geht. Als Finanzministerin ist mehr verlangt, zum Beispiel ein Mitredenkönnen bei Entscheidungen über Euro, Rettungsschirme und die Vermeidung von Bankenkrachs.

Vielleicht werden wir jetzt sehen, wie der Grieche oder Portugiese beim EU-Finanzministerrat eine mit der Handtasche drüberkriegt. Notwendiger wäre das allerdings im Umgang mit den heimischen Geldverbrennern. Was wieder bedeutet, das Klientelwesen dieses Landes in die Schranken zu weisen, inklusive mächtiger Herrschaften der eigenen Partei.

Dagegen ist Kinderabschieben eine leichte Übung.(Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.4.2011)

Share if you care.