"Schwarzer Mann" gesteht Ermordung von drei Buben

15. April 2011, 18:46
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In Deutschland hat ein Sozialarbeiter und Pädagoge gestanden, zwischen 1992 und 2001 drei Buben ermordet zu haben - Er soll außerdem rund 40 Kinder missbraucht haben

Berlin - Zurück blieb nur sein Pyjama. In der Nacht zum 5. September 2001 wurde der neunjährige Dennis aus einem Schullandheim bei Cuxhaven (Niedersachsen) verschleppt. Der Bub hatte in einem Mehrbettzimmer direkt im Bett neben der Türe geschlafen. Zwei Wochen später fanden Schwammerlsucher seine Leiche in einem 45 Kilometer entfernten Wald.

Jetzt, fast zehn Jahre später, konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter fassen. Er hat bei der Vernehmung nicht nur den Mord an Dennis gestanden, sondern auch die Ermordung von zwei weiteren Buben 1992 und 1995 in Niedersachsen und Schleswig-Hostein. Ein Achtjähriger wurde aus einem Zeltlager entführt, in Dänemark ermordet und dort am Strand im Dünensand vergraben. Ein 13-Jähriger verschwand aus einem Internat im Landkreis Rotenburg (Niedersachsen). Seine Leiche wurde erst fünf Monate später gefunden.

Offenbar hat der Mann im Raum Bremen in den vergangenen Jahren auch an die 40 Kinder sexuell missbraucht. Dafür stieg er nachts in Jugendherbergen oder Zeltlager ein. Der "schwarze Mann" oder "Maskenmann" wurde er genannt, weil er stets vermummt war und eine Maske trug. Die Polizei vermutet, dass er außerdem noch zwei weitere Buben (einen in den Niederlanden, einen in Frankreich) getötet hat. Das Vorgehen passe in die Serie. Der Mann aber bestreitet dies. Nun will die Polizei Bewegungsprofile erstellen, da sich der Inhaftierte auch häufig im Ausland aufgehalten hat.

8000 Hinweise überprüft

Die "Soko Dennis" hatte 8000 Hinweise überprüft. Den entscheidenden Tipp gab zuletzt ein Missbrauchsopfer. Der Mann sah im Fernsehen eine Sendung über ungeklärte Mordfälle, dabei wurde auch über den aus dem Schullandheim entführten Dennis berichtet. Nach der Sendung meldete er sich bei der Polizei und berichtete von einem Missbrauch aus dem Jahr 1995.

Er sei damals von einem Mann in einem Bremer Wohnhaus missbraucht worden, der sich zuvor in einem Jugendlager auffällig für seine Wohnsituation und seine häuslichen Verhältnisse interessiert hatte. Der Hinweis brachte dann den Durchbruch, denn der mutmaßliche Serienmörder war wegen eines Sexualkundedelikts amtsbekannt.

Unauffällig, höflich, hilfsbereit

Der nun Inhaftierte ist 40 Jahre alt, stammt aus Bremen, hat in den vergangenen zehn Jahren in Hamburg gelebt. Der Lehramtsstudent und Pädagoge ist in der Erwachsenenbildung tätig und lebt seit dem 21. Lebensjahr alleine. Zeugen haben den nun Inhaftierten als unauffällig, höflich und hilfsbereit beschrieben.

Der Profiler Alexander Horn sagt über ihn: "Der Täter war in der Lage, nach außen hin ein normales Leben zu führen. Im Prinzip hat er vermutlich auch eher eine Art doppelte Buchführung betrieben." Uwe Jordan, Leiter der Soko Dennis, erklärte: "Wir sind erleichtert, dass wir diesen Stand erreicht haben, dass viele Opfer und Angehörige den Weg der Verarbeitung antreten können." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Freitag gab die Polizei im niedersächsischen Verden eine Pressekonferenz. Die Bilder zeigen die getöteten Buben.

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