Fremdenlegionär, General und Kriegsverbrecher

15. April 2011, 18:18
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Kopf des Tages

Er wirkte siegessicher, eine Verurteilung schien ihm offenbar so irreal wie den meisten Kroaten. Der schlaue Kämpfer für den großen vaterländischen Krieg, ein Kriegsverbrecher? Ja.

Ante Gotovina wurde auf der Insel Pasman in der Nähe von Zadar geboren, heuerte mit 16 als Matrose an, mit 18 Jahren landete er in der Fremdenlegion, für die er auch im Tschad kämpfte und die er 1979 wieder verließ. Aus dieser Zeit hat Gotovina seinen französischen Pass. Später bildete er Paramilitärs aus, war in Kolumbien, Paraguay, Guatemala und Argentinien. 1983 wurde er wegen eines Juwelenraubs in Paris verurteilt. Aus dem Freischärler war ein Krimineller geworden. Gotovina pflegte zudem Kontakte zu Rechtsradikalen.

Als Kroatien sich 1991 für unabhängig erklärte, kam er zurück und machte unter Präsident Franjo Tudjman schnell Karriere. Er war unter anderem Mitglied im Kroatischen Verteidigungsrat (HVO) im Bosnien-Krieg - und bald tief in das Kriegsgeschäft, den Drogenschmuggel eingeschlossen, verstrickt. Im Sommer 1995 war er als Generalmajor für die Eroberung der Krajina zuständig, einer Region, die mehrheitlich von Serben besiedelt war. Dort wurde die selbsternannte "Serbische Republik Krajina" im Krieg von Belgrad unterstützt. Durch die Operation Sturm wurden zehntausende Serben von einem Tag auf den anderen vertrieben, hunderte Dörfer geplündert und in Brand gesetzt und dutzende Zivilisten ermordet.

Und der Mann, der den größten Teil seines Lebens im Ausland verbracht hatte, war plötzlich ein Nationalheld. Doch Gotovina wurde im Nachkriegskroatien auch zur Belastung. Im Jahr 2000 wurde er vom damaligen Präsidenten Stipe Mesiæ in Pension geschickt. Ab 2001 befand er sich auf der Flucht vor dem Kriegsverbrecher-tribunal. In seinem gefälschten Pass, der auf den Namen Kristian Horvat (also übersetzt "Kroate") lief, fanden sich russische und chinesische Stempel.

Die Regierung in Zagreb behauptete stets, man wisse nicht, wo sich der Ex-General befinde. Erst als die EU klarstellte, dass es ohne Gotovina keine Beitrittsverhandlungen geben würde, war der braungebrannte Frauenschwarm im Dezember 2005 plötzlich sehr schnell auf Teneriffa zu finden. Das Urteil gegen ihn ist ein Urteil gegen die ethnischen Säuberungen, die hunderttausende Menschen schwer traumatisiert zurückließen und die das Zusammenleben der Volksgruppen in Ex-Jugoslawien für viele Generationen zerstört haben. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 16./17.04.2011)

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    Ante Gotovina, verurteilt wegen der Vertreibung von Serben.

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