Es gibt zu tun ...

15. April 2011, 18:18
12 Postings

Herr Spindelegger hat es bisher geschafft, durch raffinierte Unauffälligkeit Seherübersättigung zu vermeiden

Ein Politneuling bekommt gemeinhin Monate, bis ihn das Urteil über seine Medienpotenz ereilt. Und zweifellos ist der neue ÖVP-Lenker, wenngleich schon länger auf dem Regierungstanker, irgendwie neu. Jedenfalls hat es Herr Spindelegger bisher grenzgenial geschafft, durch raffinierte Unauffälligkeit Seherübersättigung zu vermeiden. Eher loderte bisweilen die Frage auf, ob das Land überhaupt einen eigenen Außenminister habe.

Allein, hier drängt die Zeit, der Neue muss sofort Umfragewerten Begeisterungsinfusionen verpassen. Folglich darf er auch schnell analysiert werden. Zum Positiven: Immerhin stellte er sich flink einem ersten ZiB-2-Interview - sogar in Echtzeit. Und sein Äußeres (plus freundliche Art) macht ihn sicher wählbar für Petrocelli-Fans. Vom alten Serienanwalt, an den er uns erinnert, sollte er jedoch auch Gestik übernehmen - zu dominant die ratlos-entschuldigende Sprache der Hände.

Auch, was die Rhetorik anbelangt, gilt es natürlich ehebaldigst Floskeln wie "habe den Parteivorstand um sein Pouvoir gebeten" oder "man hat mir im Parteivorstand die Möglichkeit eingeräumt" abzustellen. Ein pflegeleichter Bittsteller verliert; vor allem, wenn ihm auch inhaltlich Eindeutigkeit fehlt.

Und sie fehlte diesmal - die Krawattenbotschaft war da noch am klarsten: Der Schlips war rotweißrot, dem Weiß war aber Blau beigemischt. Wir schließen auf einen europabegeisterten Patrioten, einen jedoch, der Brüsselhasser nicht verschrecken will. Der Analysebefund im Allgemeinen: Es gibt für den Neuen viel zu tun. Auch bei sich selbst. (Ljubisa Tosiæ/DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.4.2011)

  • Michael Spindelegger in der "ZiB 2".
    foto: screenshot/orf-tvthek

    Michael Spindelegger in der "ZiB 2".

Share if you care.