Wenn der Ball schon in der Wiege liegt

15. April 2011, 17:57
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Goalgetter Roman Kienast und Sturm Graz haben vor, den Durchbruch zu schaffen

Graz/Wien - Wenn ein Wiener in Salzburg geboren wird, hat das in erster Linie mit den Wehen der Mutter zu tun. Im Falle von Roman Kienast war der Beruf von Vater Wolfgang mit ausschlaggebend. Der war nämlich im März 1984 bei Austria Salzburg engagiert. Onkel Reinhard kickte praktisch immer für Rapid, der Neffe war den Grün-Weißen zugeneigt, hatte Fahne, Wimpel, Schal, Leiberl. Roman sagt, dass ihm der Ball in die Wiege gelegt wurde. "Mit dieser Verwandtschaft ist man diesbezüglich chancenlos. Ich war immer mit dem Fußball unterwegs, wollte Tore schießen." Also wurde er Stürmer.

Der Vater rackerte einst im Mittelfeld, der Onkel galt als schlampiges Genie, was für einen Verteidiger oft haarig war. "Wahrscheinlich habe ich die gute Technik und das Schlaksige vom Reinhard. Obwohl ich die beiden bewusst nie spielen gesehen habe, die Erinnerung kam später durch Videos."

Roman Kienast ist 27, arbeitet seit Jänner 2010 für Sturm Graz, führt mit 16 Treffern die Schützenliste an. "Es taugt mir hier." Und er fügt hinzu: "Endlich taugt es mir." Sturm hat als Zweiter nur einen Punkt Rückstand auf die Austria, am Samstag gastiert Red Bull Salzburg in Graz. "Eine richtungsweisende Partie. Gewinnen wir, sind die abgeschüttelt." Im Cup ist man als Titelverteidiger auch noch dabei. "Ich will gar nicht darüber nachdenken, was wir alles erreichen könnten. "

Seine Karriere war von "Fast-Durchbrüchen" geprägt. "Es hat oft nicht ganz gereicht." 1999 ist der Bub von Vösendorf zu Rapid gekommen, 2006 hat er den Klub, mit dem er 2005 unter Josef Hickersberger Meister wurde, verlassen. "Ich habe zu wenige Tore gemacht, viele Sitzer ausgelassen. Natürlich war die Konkurrenz enorm." Es waren drei Treffer in 55 Partien. Der damalige Trainer Georg Zellhofer hat auf die Dienste von Kienast keinen Wert gelegt. "Es hat nicht ganz gereicht. Diese Form von Liebesentzug hat wehgetan." In solch deprimierenden Momenten nimmt man sogar ein Angebot aus Norwegen an, im konkreten Fall war es der nicht unbedingt legendäre Klub Ham-Kam. "Die österreichische Liga ist in Norwegen uninteressant, die norwegische in Österreich. Welche stärker ist, ist egal."

Kienast schießt regelmäßig Tore, er steigt ab und wieder auf. Hickersberger ist mittlerweile Teamchef, nimmt Kontakt mit seiem Ex-Schützling auf - und beruft ihn ein. Im Mai 2008 erzielt Kienast beim 1:1 gegen Nigeria das Tor und schafft den Sprung ins Aufgebot der Europameisterschaft. Marc Janko und Stefan Maierhofer schauen durch die Finger. Kienast wird im Happel-Stadion dreimal eingewechselt, bewirkt dreimal wenig - und fällt in ein Loch. "Eine Leere in Körper und Geist. Man musste sich rechtfertigen, Hickersberger wurde wegen mir kritisiert. " Zurück nach Ham-Kam, Abstieg in die zweite Liga, der Vertrag läuft 2009 aus. Ein Probetraining beim englischen Zweitdivisionär Plymouth endet mit den Worten "no" und "sorry".

Also kommt er heim nach Österreich, Sturm erbarmt sich, gibt Kienast einen Vertrag für sechs Monate. Man will nichts riskieren. Die Option bis 2012 wird gezogen. "Vielleicht ist das jetzt der Durchbruch. Das hängt natürlich von den Ergebnissen ab. Die Meisterschaft ist nicht besser geworden, aber breiter aufgestellt."

Roman Kienast hat beschlossen, nicht mehr von ausländischen Superklubs zu träumen. "Hauptsache, du kannst Fußball spielen. Darum geht es." Vater und Onkel denken ähnlich. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 16.17.4.2011)

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    Roman Kienast ist überzeugt, dass Sturm Graz und er selbst reif für Erfolge sind.

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