Fekter - Oft belacht, gefürchtet, aber auch bewundert

15. April 2011, 17:50
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Von der unterschätzten Blondine aus der Schottergrube zum schwarzen Rundumtalent für alle Ämter

Am Anfang, da wurde sie "als jung, blond und aus der Provinz abgestempelt", hat Maria Fekter einmal zu ihren schwierigen Einstiegsjahren festgehalten. Als "Mädchen aus der Provinz, das die Politik behübschen sollte", um genau zu sein.

Als sie der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Schüssel weg von ihrem elterlichen Kieswerke-Betrieb aus dem oberösterreichischen Attnang-Puchheim als Staatssekretärin zu sich nach Wien geholt hat, war Fekter zwar schon 38 und bestimmt kein Mädchen mehr, aber: Angesichts diverser Etikettierungen in der von Männern dominierten Spitzenpolitik hat sich die ehemalige Schülerin eines Mädchenpensionats der Kreuzschwestern wahrlich eine dicke Haut zulegen müssen. Von den eigenen Parteikollegen oft als "Schotter-Mizzi" belächelt und einst selbst vom Standard höhnisch als "aus dem modischen Ei gepellter Blondschopf" tituliert, wurde die Juristin erst viele Jahre später - als wortgewaltige und kompromisslose Justizsprecherin - ernstgenommen. Halbwegs zumindest.

Denn als sich Fekter einmal im Parlament unter der Bank der drückenden Schuhe entledigte, versteckte ihr ein besonders lustiger Fraktionskollege einen ihrer Stöckel - worauf die Krone prompt titelte: "Barfuß im Parlament!"

Doch all das ist längst Vergangenheit. Denn von der unterschätzten Ulknudel aus der Kiesgrube scheint Fekter in diesen Tagen für die Partei nun zu einer Art schwarzer Allzweckwaffe mutiert zu sein, die quasi alles kann und daher auch überall einsetzbar ist: Bis Michael Spindelegger die Partei übernommen hat, galt die restriktive Innenministerin als eine von drei Anwärtern für den Vorsitz. Nun gilt die 55-jährige Wirtschaftsbündlerin als Finanzministerin als fix - und das, obwohl nicht gesichert ist, ob die gelernte Betriebswirtin jemals eine Bilanz außerhalb des Familienbetriebes gelesen hat. "Ich würde das Amt übernehmen", versichert Fekter jedenfalls im Standard-Gespräch, auch wenn sie bis vor 48 Stunden auch noch als neue Justizministerin gehandelt wurde.

Dabei hat die Partei Fekter schon zweimal beinahe ins politische Ausgedinge geschickt. 2007 wurde sie als ÖVP-Fraktionschefin in den Eurofighter-Ausschuss entsandt, in dem die grünen Aufdecker-Zwillinge Peter Pilz und Werner Kogler sowie der damals halbwilde Abgeordnete Ewald Stadler nur darauf warteten, die Schwarze wegen der milliardenteuren Flieger auseinanderzunehmen. Doch weit gefehlt.

Geschickt legte Fekter in dem Gremium den eigenen Parteileuten - Schüssel, Platter, Grasser - die simpelsten Fragen auf, während sie der Opposition ständig resolut dazwischenging und damit konzentrierte Befragungen oft zu verhindern wusste: "Hat er doch alles schon gesagt!", platzte Fekter da dazwischen. Oder: "Haben S' net auf'passt?!" Stadler revanchierte sich, indem er Fekter, damals oft in pinker Bluse anzutreffen, tagelang nur noch als "die Dame in Rosa" bezeichnete - was an ihr allerdings völlig abzuprallen schien.

Der Ausgang ist bekannt, mittlerweile versehen fünfzehn Abfangjäger ihren Dienst. Die Partei dankte Fekter die Entschärfung dieses politischen Mienenfelds mit einem Posten in der Volksanwaltschaft - ehe Parteichef Wilhelm Molterer die Oberösterreicherin im Juli 2008 an die Spitze des Innenressorts holte.

Dort hat Fekter für die ÖVP auch fast drei Jahre lang Kinderabschiebungen in herbem Ton verteidigt. Als Behübschung der Politik galt das schon lang nicht mehr, auch ließen sich damit keine Wählerschichten jenseits des rechten Randes ansprechen. Wahrscheinlich tatsächlich an der Zeit für einen radikalen Wechsel. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.4.2011)

  • Maria Fekter ist auf dem Weg Finanzministerin zu werden.
    foto: standard/cremer

    Maria Fekter ist auf dem Weg Finanzministerin zu werden.

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