Gewinnschätzungen drehen wieder ins Negative

15. April 2011, 15:42
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der Stoxx 600 hat diese Woche um 1,3% korrigiert. Defensive Sektoren wie Lebensmittelproduzenten (+1%), Pharma und Versorger (je +0,2%) konnten leicht zulegen. Zykliker wie Öl & Gasfirmen, Automobilhersteller, Rohstoffproduzenten und Banken sanken um teilweise mehr als 3%.

Betrachtet man die Veränderung der Gewinnschätzungen des Stoxx 600 in den letzten drei Monaten (mittlerer Graph) so erkennt man, dass diese zum ersten Mal seit Ende 2007 leicht negativ sind. Das KGV liegt jedoch bei nur noch 10-11x. Dies unterstützt den Markt derzeit. Nächste Woche beginnt in Europa mit den Zahlen von Philips die Berichtssaison. Sollten die Ausblicke der Unternehmen dabei nicht bedeutend besser ausfallen als erwartet, ist mit einem weiteren Seitwärtstrend der Gewinnschätzungen und damit der Indizes zu rechnen. Die bisher veröffentlichten Q1 Ergebnisse aus Asien und den USA lassen darauf schließen, dass es viele Unternehmen nicht geschafft haben die steigenden Kosten (i.e. Inflation) an ihre Kunden weiterzugeben.

Firmen mit starker Preissetzungsmacht sollten daher outperformen. Regional empfehlen wir weiterhin westeuropäische Aktien unter- und osteuropäische Aktien überzugewichten. Aktien sollten in einem Portfolio neutral gewichtet werden (siehe Global Strategy Q2 2011).

Die Konjunkturerwartungen für die Schweiz haben sich im April 2011 klar verbessert. Der ZEW Indikator wuchs um 22,3 Punkte auf jetzt 8,8 Punkte. Die gute Konjunkturentwicklung in Deutschland sorgt im laufenden Jahr für eine Belebung im M&A Markt. Die Rekordgewinne deutscher Unternehmen werden laut dem ZEW Institut noch in diesem Jahr zu steigenden Aktivitäten führen und sich im nächsten Jahr fortsetzen. Die schwache Wirtschaftssituation in Südeuropa setzt sich derweil fort. Die griechische Arbeitslosigkeit ist im Jänner erneut gestiegen. Der Rekordstand beträgt nun 15,1%, nachdem sie im Dezember 14,8% und Januar 2010 bei 11,3% gelegen hatte. Hierbei handelt es sich um den siebten Anstieg in Folge.

Danone legte die Umsatzzahlen für das erste Quartal vor. So lag der konsolidierte Konzernumsatz in den ersten drei Monaten des laufenden Fiskaljahres mit knapp EUR 4,76 Mrd. um 19,6% über dem Vorjahreswert. Roche musste in Q1 einen Umsatzrückgang verbuchen. So wurden CHF 11,12 Mrd. nach CHF 12,42 Mrd. im  Vorjahresquartal. Bereinigt um die Einbußen beim Grippemittel Tamiflu schrumpfte der Umsatz in CHF um 7%, kletterte hingegen in Lokalwährungen um 2%. Zudem hat der Konzern seinen Ausblick für das Gesamtjahr bekräftigt.

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