Der Mendelssohn-Express

15. April 2011, 17:03
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Wiener Symphoniker und Fabio Luisi mit dem "Sommernachtstraum" im Musikverein

Wien - Draußen ritt General Winter eine letzte Konterattacke, drinnen hoben die Elfen zu ihrem frühlingszarten vierstimmigen Staccatoflug an, pianissimozart, aber auch ein wenig steif. Alle Beklommenheit verlor sich indes nur kurz darauf beim triumphierenden Thema Oberons, als sich Chefdirigent Luisi explosionsartig in einen Fabio furioso verwandelte und seine Symphoniker zu Elan und Klangmacht antrieb. Von berührend inniger Bedächtigkeit das Poco ritenuto am Ende der Ouvertüre zum Sommernachtstraum.

Mit an Bord im Shakespeare-Mendelssohn-Express Richtung Fantasia war Maximilian Schell als Sprecher, Schauspieler, Charmeur. Die Bühnenlegende brüllte, keifte, flötete, stromerte, intensiv mit Luisi interagierend. Letzterer koordinierte Schell, die soliden Solistinnen (Valentina Farcas, Ida Aldrian) und die Damen des Singvereins gekonnt. Eine leichte Übung für den Italiener, hatte er doch unlängst an der Met als deren Erster Gastdirigent außerplanmäßig Wagners Rheingold geleitet - und dafür ein Dirigat mit den Symphonikern zurückgelegt.

Vorboten für eine Abnabelung Luisis, ab 2012 auch GMD der Zürcher Oper? Als Nachfolgekandidaten werden Andris Nelsons und der Symphonische "Lieblingsdirigent" Philippe Jordan genannt.

Dass Orchesterpilot Luisi problemlos vom Jumbojet Wagner-Oper auf den filigranen Sportflitzer klassische Symphonie umsteigen kann, hatte er zuvor mit Haydns La Reine bewiesen, die er tempoideal und als Abfolge abwechslungsreicher Musikbilder präsentierte. Eigentlich zu wenig händischer Dank dafür. (end, DER STANDARD - Printausgabe, 16./17. April 2011)

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