Inszenierung ist (nicht) alles

15. April 2011, 17:17
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Festspiele für Kunst und Antiquitäten: bis 25. April bietet das Messetheater 36 Auftritte, und (fast) jedem gebührt Applaus

Nicht nur symbolisch hatte Atlas (am Himmelsgewölbe) schwer zu tragen: In der Architektur nutzte man den Titanen aus der griechischen Mythologie zwar auch als dekoratives und mehr noch als stützendes Element. Eine 2,3 m hohe Paarformation empfängt dieser Tage die Besucher der Messe für Kunst & Antiquitäten in Salzburgs ehemaliger erzbischöflicher Residenz (bis 25. 4.). Am Stiegenaufgang harren sie stoisch der lokalen Vernissage-Society (die nur schaut), der internationalen Festspielklientel (die nicht immer kauft, aber reserviert) und einer kleinen eingeschworenen Stammgemeinde (jene, die kauft).

Aus Zogelsdorfer Sandstein wurden die beiden um 1620 gehauen, einem legendären und wegen seiner Qualität von Bildhauern geschätzten Kalksandstein, der seit der Bronzezeit rund ums niederösterreichische Eggenburg "gebrochen" wurde, bis man die letzten Steine zur Behebung der Kriegsschäden am Kunsthistorischen Museum verwendete.

Viel Lährm um nichts

Museal sind diese mystischen Sixpack-Wesen allemal, und Franz Schauer (Krems) trennt sich davon für einen wahrhaft moderaten Preis von 290.000 Euro. In Maastricht kämen sie mit Sicherheit auf das Doppelte und kosten, an hiesigen Maßstäben kalkuliert, gerade mal einen halben (Alfons) Walde. 36 Teilnehmer haben in den historischen Räumlichkeiten ihre Köder verteilt, mit mehr oder weniger ästhetischem Geschick, gilt es der Vollständigkeit halber zu monieren.

Die Mehrheit ist darin offensichtlich versiert, umso drastischer fallen aber die Entgleisungen ins Gewicht. Etwa der "Rote-Samt-an-goldenen-Säulen-an-Palmwedel-Parcour" eines lokal ansässigen Juweliers (Lährm Design, Salzburg): Die darin harrenden Geschmeide beweisen mehr designerisches Feingefühl, oder auch nur viel Lährm um nichts.

Sonst inszenieren hier Salis & Vertes (Salzburg, Zürich) ihr Sortiment an internationaler Klassischer Moderne, bloß gaben sie heuer der zeitgleich stattfindenden Art Cologne (bis 17. 4.) den Vorzug. Die Galerie Thoman (Innsbruck) fährt glücklicherweise zweigleisig, mit wunderschönen Schattenwesen von Max Weiler, um nur eine der an der Salzach feilgebotenen Pretiosen zu nennen. Neben Zeitgenössischer und Klassischer Moderne gibt sich in der Sektion Bildende Kunst heuer das 19. Jahrhundert erfreulich vielfältig die Ehre: Bei Kovacek Spiegelgasse (Wien) "spaziert" man an den Ufern des Traun- und Wolfgangsees (Steinfeld, Mahlknecht, 18.000) und beschließt den Tag bei Giese & Schweiger (Wien) mit wenigstens einem in den illustren Genreszenen (ab 15.000) von Hugo Kauffmann kredenzten Krügel Bier. (kron, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 16./17. April 2011)

  • Auch das ist Tiffany: Silberschale, New York 1947-56, 2400 Euro.
    foto: pintar

    Auch das ist Tiffany: Silberschale, New York 1947-56, 2400 Euro.

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