Tepco zahlt 8.000 Euro pro Haushalt

15. April 2011, 13:53
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Eine Million Yen für Evakuierte – Grundwasser verseucht – Grenzwertkontrollen in Häfen Europas

Tokio – Rund 8.000 Euro Entschädigung sollen die Menschen aus der Evakuierungszone rund um die japanischen Atomruine Fukushima in einem ersten Schritt vom Beitreiberkonzern Tepco erhalten. Fünf Wochen nach Beginn der Atomkatastrophe stellte Tepco erste vorläufige Entschädigungen in Höhe von jeweils einer Million Yen für Haushalte innerhalb eines Umkreises von 30 Kilometern um das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima Eins in Aussicht.

Ein-Personen-Haushalte bekämen 750.000 Yen (rund 6.200 Euro), kündigte Konzernchef Masataka Shimizu am Donnerstag an. Das Geld werde schnell überwiesen, versprach er. Innerhalb der 30-Kilometer-Sicherheitszone gab es etwa 48.000 Haushalte. Die Menschen waren wegen des AKW-Unfalls aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen oder in den Häusern zu bleiben. Über die 20-Kilometer-Evakuierungszone hinaus waren einige Dörfer geräumt worden.

Regierung überlegt Sondersteuer

Tepco gehört das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima Eins, aus dem seit dem Erdbeben und Tsunami Radioaktivität austritt und die Umgebung verseucht. Unterdessen setzten die Arbeiter ihre Bemühungen fort, die Unglücksreaktoren unter Kontrolle zu bringen.

Unklar ist noch immer, ob das Land eine Sondersteuer zur Finanzierung der von Tsunami und Erdbeben zerstörten Gebiete einführen will. "Die Regierung würde sich die endgültige Entscheidung vorbehalten", sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Freitag in Tokio. Eine von der Regierung einberufene Expertenrunde hatte am Donnerstag die Einführung der Steuer empfohlen. Es sei allgemein anerkannt, dass der Wiederaufbau eine riesige Menge Geld kosten werde, sagte Edano. Lebensversicherer beziffern laut Nachrichtenagentur Kyodo ihrer Zahlungen infolge der Naturkatastrophe inzwischen auf 200 Milliarden Yen (rund 1,65 Mrd. Euro).

Grundwasserverseuchung nimmt weiter zu

Unterdessen versuchen Tepco-Arbeiter weiter, durch Stickstoffzugaben erneute Wasserstoffexplosionen in Reaktor 1 zu verhindern. Nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde soll in Kürze auch in die beiden anderen havarierten Reaktoren Stickstoff eingefüllt werden. Zudem installierten die Arbeiter am Freitag weitere Stahlplatten nahe der Meerwasserzufuhr des Reaktors 2, wie Kyodo meldete. Tepco wolle Sandsäcke mit dem Mineral Zeolith, das radioaktives Material absorbiert, nahe der Anlage ins Meer werfen, um die radioaktive Verseuchung des Meeres zu verringern, hieß es.

Trotz aller Maßnahmen nimmt die Verseuchung des Grundwassers im direkten Umfeld des havarierten Kraftwerks weiter zu. Die Konzentrationen von radioaktivem Jod und Cäsium im Grundwasser haben in einer Woche mehrere Dutzend Mal zugenommen, teilte Tepco mit. Nach neuesten Erkenntnissen seien die Konzentrationen von Jod-131 von 72 auf 400 Becquerel und von Cäsium-134 von 1,4 auf bis zu 53 Becquerel angestiegen. Aussagen über Gefahren für die Gesundheit sind mit diesen Angaben jedoch nicht möglich.

Nach Einschätzung von Experten, haben sich in den Atomruinen nur kleine Mengen geschmolzener Brennstoff am Boden der Druckkessel angesammelt. Demnach hat der geschmolzene Brennstoff in den havarierten Reaktoren 1 bis 3 die Form von Körnern angenommen und liegt bei relativ niedrigen Temperaturen am Boden. Die Experten der Atomic Energy Society of Japan gehen daher nicht davon aus, dass sich am Kesselboden bereits umfangreiche Mengen an Brennstoff an gesammelt hat. Große Mengen bergen die Gefahr, dass sie die Reaktorgehäuse beschädigen und zu großen radioaktiven Lecks führen könnten. Dies schließe die Möglichkeit so gut wie aus, dass zu einer Kernreaktion kommt, hieß es.

Grenzwertkontrollen in Europas Häfen

Schiffe aus Japan sollen in den europäischen Häfen nach einem einheitlichen Grenzwert auf ihre Strahlenbelastung hin kontrolliert werden. Die EU-Kommission habe den Mitgliedstaaten dazu einen Grenzwert von 0,2 Mikrosievert pro Stunde empfohlen, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag in Brüssel.

In einigen EU-Staaten gibt es höhere Limits, so hält etwa Spanien 0,5 Mikrosievert noch für unbedenklich. Sollte die Strahlenbelastung über dem Grenzwert liegen, müssten die anderen EU-Staaten über das Warnsystem für nukleare Notfälle Ecurie informiert und es müssten Maßnahmen ergriffen werden. Bei leichterer Kontamination reiche es aus, das Schiff zu waschen, erklärte die Sprecherin. (APA)

 

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