Wie viel Mainstream verträgt die Schule?

  • Zentralmatura per Multiple Choice: Bitte das Richtige ankreuzen! a) 
Schafft die Zentralmatura faire Bedingungen für alle? Oder bedeutet sie 
b) eine Nivellierung nach unten?
    foto: apa/dpa/harald schreiber

    Zentralmatura per Multiple Choice: Bitte das Richtige ankreuzen! a) Schafft die Zentralmatura faire Bedingungen für alle? Oder bedeutet sie b) eine Nivellierung nach unten?

Die schriftliche Zentralmatura wird auf das Lehrverhalten durchschlagen, aber wie? Von Ludwig Laher

Auch Denken und eine eigene Meinung sind Kompetenzen. Ein Plädoyer gegen Standardisierung um jeden Preis. 

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Vor einiger Zeit fiel es mir zu, mich mit Renate Welsh, Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, und anderen Kollegen um die angekündigte Reform der schriftlichen Deutschmatura zu kümmern. Es ging das Gerücht, der Bereich Literatur würde an den Rand gedrängt werden, wenn nicht gar verschwinden. In Englisch war die Umsetzung der neuen Reifeprüfung schon weiter gediehen, und die Aufgaben, in vielen Schulen zu Textzwecken bereits zentral vorgegeben, kamen damals ganz ohne Berührung mit der angelsächsischen Literatur aus.

Damit nicht genug: Der englischsprachige Kulturraum ist riesig. Als promoviertem Spezialisten für anglokaribische Literatur stieß es mir immer schon auf, dass dieser bunte Weltteil in gängigen Lehrwerken ziemlich ausgeblendet blieb. Nach der Reform wird Englisch, schließt man von der Schlussprüfung auf den vorbereitenden Unterricht, offenbar bloß noch als "lingua franca" verstanden, als schlichtes Vehikel zur Kommunikation. Man muss standardisiert über alles per Ankreuzen, Einsetzen oder in Einzelsätzen befinden können, was einem so vorgesetzt wird, eigene Gedanken der Prüflinge werden bei der Matura, wenn überhaupt, nur noch in einem einzigen kurzen Segment (Schreibkompetenz) geduldet, ein Kulturraum hinter der erlernten Sprache darf bestenfalls vermutet werden.

Folgerichtig beschäftigt sich z. B. die Abteilung "Language in Use" mit einem französischen Dorf, wo man neuerdings wieder mit Franc zahlen kann. Nach acht Jahren Englisch gilt es u. a. zu wissen oder zu erraten, ob der Euro nach Ansicht der Bäckerin Nathalie Lepeltier das Leben "more picturesque", "more careful" oder "more expensive" gemacht hat. Ein Abschnitt im "Listening Test" ist, wohl kaum aus interkulturellem Interesse, dem Thema Alkoholismus in Russland gewidmet. Man soll gleich einmal ankreuzen, ob alkoholabhängige Russen a) viel Medizin brauchen, b) alle Flüssigkeiten trinken, in denen sich Alkohol findet, c) einen starken Eau-de-Cologne-Verbrauch haben, d) nur Wodka und Bier trinken. Antwort b) ist richtig.

Dass die angelsächsische Welt in der Englischmatura vorkommt, ist aber nicht ausgeschlossen. Im "Reading Test" etwa erfährt man Nützliches über "The Most Powerful Women in Fashion". Neben Miuccia Prada in ihrem Mailänder Apartment, wo sie auch aufwuchs, kommen Modeschöpferinnen wie Delphine Arnault oder Donna Karan vor, die als "Long Island native" vorgestellt wird. Immerhin. Frage eins, die sich die Zentralmatura-AktivistInnen dazu ausgedacht haben, untersucht, welche der Damen ein Naheverhältnis zum Boss einer der berühmtesten Marken der Welt hat.

Alles supereinfach. Aber sonst?

Apropos Marken: Damit die KonsumentInnen im späteren Leben kompetent englischen Werbespots lauschen können, sind bei derselben schriftlichen Zentralmatura im Rahmen einer weiteren Hörverständnisübung die jeweiligen Slogans den Firmen Boots, Renault, Sky TV usw. zuzuordnen.

Alles supereinfach. Aber sonst? Und nun Deutsch. Mit dem Vorwissen zu Englisch begannen wir Ende 2009 Gespräche mit Josef Lucyshyn, Direktor des Bifie, des zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens, sowie ExpertInnen der Arbeitsgruppe Deutsch.

Viel war von Kompetenzen, Objektivierung, Standardisierung und Vergleichbarkeit die Rede. Dem musischen Gymnasium mit Literaturschwerpunkt und der Elektrotechnikabteilung einer HTL sollen in Zukunft, so der Gesetzgeber, dieselben Aufgabenstellungen blühen, auch wenn Letztere weniger Deutschunterricht hat und keine Kenntnisse in Philosophie, Psychologie, Biologie, Musik oder Bildnerischer Erziehung vorausgesetzt werden dürfen, weil diese Fächer dort nicht unterrichtet werden. Weiters werde ein verbindlicher Textumfang festgesetzt, für Abweichungen jenseits eines relativ engen Korridors drohen Abzüge. Literaturthemen, gar Arbeiten in literarischer Form ließen sich in den Textsortenkatalog der neuen Reifeprüfung nur schlecht einordnen, wurde uns beschieden, denn ihnen wäre objektiv nur mit größter Mühe beizukommen. Dass jeder Maturajahrgang ein literarisches Wahlthema vorgesetzt bekäme, darauf wollte man sich nicht festlegen lassen.

Die IG Autorinnen Autoren hielt dagegen, dann müsse man wie in Englisch den Schwerpunkt auf Multiple-Choice-Aufgaben, Einsetzübungen und simple Kurzantworten legen, schließlich ließe sich kein längerer Text, der selbstständiges Denken beinhalten solle, objektiv beurteilen. Komme die Deutschmatura ohne Literatur aus, müsse man davon ausgehen, dass literarische Texte, Lehrplan hin, Lehrplan her, eine immer geringere Rolle im Unterricht spielen, und das vor dem Hintergrund der Pisa-Studien, wonach es mit dem sinnerfassenden Lesenkönnen in diesem Land nicht sonderlich weit her ist. Leseerziehung ist natürlich nicht nur Sache des Deutschunterrichts, und selbst an Gebrauchstexten lässt sich üben. Aber kann es wirklich Zweck der Deutschmatura sein, lediglich Leserbriefe, Erörterungen, Empfehlungen und ähnliche Textsorten anzubieten?

Seither ist viel geschehen oder auch nicht, es kommt auf die Perspektive an. In Ermangelung vernünftiger Koordination durch das Ministerium werken verschiedene Auftragnehmer an der neuen Reifeprüfung, ohne voneinander zu wissen, geschweige denn an einem Strick zu ziehen. Das gilt etwa für die schriftliche Matura in den Fremdsprachen und in Deutsch, aber auch innerhalb des Faches Deutsch selbst. Das Bifie hat mit dem mündlichen Teil nichts zu tun, also hat das mit dem schriftlichen betraute Klagenfurter Kompetenzzentrum für Deutschdidaktik wenig Ahnung, was anderswo ausgeheckt wird. Dazu kommt noch der Komplex der verpflichtenden vorwissenschaftlichen Arbeit, mit dem der Universitätsprofessor Werner Wintersteiner und sein Klagenfurter Team ebenfalls nichts zu schaffen haben.

2013/14 müssen die ersten Prüflinge die zentrale Deutschmatura ablegen, aber wie sie aussieht, wird noch länger unklar bleiben. Von Anfang an, so Wintersteiner, habe man dem Ministerium nahegelegt, keine voreilige Einführung festzusetzen. Schließlich bedürfe es intensiver Recherche, aussagekräftiger Testphasen und eines ausführlichen Feedbacks der Lehrerschaft, ehe die Textsorten, die Form der Aufgabenstellungen, die Korrekturhilfen usw. festgelegt werden könnten. Man stieß auf taube Ohren. Und so gibt es längst im ganzen Land verpflichtende Fortbildungsveranstaltungen für Deutschlehrkräfte, sogenannte Roadshows, bei denen die Vortragenden notgedrungen kaum Konkretes zu vermitteln wissen.

Mittlerweile scheint klar, so das Ergebnis der letzten Beratungen zwischen AutorInnen und BildungsexpertInnen, dass schriftlich drei Wahlpakete zu je zwei Texten unterschiedlicher Sorten angeboten werden. Eine der Optionen wird nun ein literarisches Thema beinhalten. Auch könne man sich mittlerweile sogar Kreativtexte vorstellen, wenn neben den Klassenlehrkräften Zweitbegutachter für ein gewisses Maß an Objektivierung Sorge tragen würden. Und ein Punktesystem werde es in Deutsch auch nicht geben.

Bildungsstandards schön und gut. Ich frage mich nur, ob die Fixierung auf Rankings, auf Fetische wie Vergleichbarkeit, Objektivierung, Kompetenz und ähnliche Modebegriffe nicht den Blick dafür verstellt, dass die dünnen inhaltlichen Angebote kompetenzorientierter neuer Englischbücher viele OberstufenschülerInnen nachhaltig frustrieren, dass die Geringschätzung des kulturellen Hintergrunds einer Sprache das Verständnis, die Offenheit für das Fremde schmälert, dass endloses Wiederkäuen mechanischer Maturaversuchsanordnungen oft als ermüdender Drill wahrgenommen wird, dass die Förderung selbstständigen Denkens, des kreativen Potenzials der Jugend den Mut erfordert, sich einzugestehen, nicht alles über einen Korrekturleisten schlagen zu können.

Die Anforderungen der alten Matura waren je nach Lehrperson unvertretbar unterschiedlich, die vollständige schriftliche Zentralmatura ist, glaube ich, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. So ist sie wohl ein nützliches Instrument, in Fremdsprachen das Hörverständnis zu überprüfen. In vielen Bereichen aber schränkt sie ein. Dürfen künftig auch in Deutsch, wie offenbar für Englisch geplant, mündlich keine Textstellen mehr vorkommen, weil, so die kolportierte Begründung, die Sprech-, nicht die Lesekompetenz überprüft wird, ist es endgültig unmöglich, auf gemeinsam gelesene Texte einzugehen, ob sie von Shakespeare, Palahniuk, Goethe oder Röggla stammen.

Ja, über Bildung wird viel geredet im Moment. Aber es geht nicht nur ums Sitzenbleiben und um die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Grundfragen sind auch: Wie viel Zwangs-Mainstream verträgt die Schule? Welchen Platz sollen Kunst und Kultur im Unterricht haben? Schließlich: Warum geht Österreich ein nationaler Bildungsplan ab, wie er in vielen Ländern Europas längst existiert? (Ludwig Laher, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 16./17. April 2011)

Ludwig Laher, geb. 1955 in Linz, lebt als Schriftsteller in St. Pantaleon. Er schrieb u. a. die Romane "Herzfleischentartung" (2001), "Folgen" (2005), "Und nehmen was kommt" (2007) und "Einleben" (2009). Kürzlich erschien Lahers neuer Roman "Verfahren", der am Beispiel Asylrecht einen exakt recherchierten Einblick ins Reich der Verwaltung und der Justiz bietet.

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Ich freu mich nicht

Ich mach derzeit die Matura nach und zu meinem Glück wird meine Prüfung in Mathematik noch nach der alten Methode ablaufen. Für mich ist das deswegen ein Glück, da nach Beschreibung des Kursleiters bei der Zentralmatura nur einen Punkt pro richtig gelöster Aufgabe vergeben wird, während bei seinen Prüfungen immer miteinbezogen wird, wie man die Aufgaben löst. So kann man sich zB verrechnen und bekommt trotzdem noch zumindest einen Punkt.
Bei Englisch fürcht mich mich. Dadurch, dass ich mich privat mit Englisch viel auseinandersetze, kann ich kein eindeutiges Schulenglisch, also britisches Englisch mehr. Ich verwende auch amerikanische Wörter. /: Das wird schwierig.

Laher hat nichts verstanden: nicht die Ziele der schriftlichen neuen Matura und nicht den Kompetenzbegriff. Er wiederholt alle (unbegründeten) Vorurteile, die man aus dem Mund von uninformierten LehrerInnen und Laien hört.
Solche Beiträge fallen unter die Kategorie "Zündeln" und sind - aufgrund der offensichtlich fehlenden Informationsgrundlage - höchst fragwürdig.

Im Übrigen: lauter inhaltlich falsche Aussagen: Denken, Individualität, Selbstständigkeit sollen keinen Platz mehr haben. Gewünscht sind nur mehr normierte Leistungsautomaten. Damit man sie "vergleichen" kann." Wer sowas schreibt, hat keine ahnung von den Konzepten, die auf dem Tisch liegen.

Im Übrigen

wenn dem wirklich so ist, wie sie schreiben: wo bleiben dann ihre gegenargumente?

Die Gegenargumente finden sich u.a. auf der Homepage des BIFIE (bifie.at).
Wenn man das alles liest, kann man Laher in den meisten Punkten widerlegen, aber das ist alles ein bisschen zu umfangreich für ein Posting, und Kettenpostings schätze ich nicht sehr.
Aber ich kenne die Diskussion gut und kann nur wiederholen: Alles, was Laher sagt, sind Meinungen, die gleichen, die man von uninformierten Leuten hört, die aber Ihrerseits keine guten Argumente für die Beibehaltung des jetzigen Systems vorbringen können.
Laher spricht sich etwa für kreative Textformen aus, sagt aber nicht, wie man die überhaupt bewerten kann.

Das passt ja alles perfekt zusammen: Schule als Unternehmen, Lehrer als Moderatoren, Schüler als Kunden, Bildung als Ware, Objektivierung, Optimierung, Evaluierung, Zentral-Matura, europaweite Vergleichbarkeit des und der Gleichgemachten. Da passt der ganze Literaturschnickschnack und das kult. Hintergrundgefasel einfach nicht herein. Auf die Frage: Wos woa mei Leistung? soll der zukünftige europäische Einheitsmaturant Zahlen und Fakten auf den Tisch knallen können....und nicht Gedichte von Durs Grünbein oder S.T.Coleridge!!!

Die Vorgaben: Schlicht und einfach erschreckend.
Denken, Individualität, Selbstständigkeit sollen keinen Platz mehr haben.
Gewünscht sind nur mehr normierte Leistungsautomaten. Damit man sie "vergleichen" kann.

Erinnerungen an den Kommunismus werden wach. Der Mensch als Nummer. "Schüler 376 erbringt in der dritten Leistungsstufe 32 Punkte."

Derartige Bewertungssysteme gehen an der Realität der Menschen vorbei!

warum das rad neu erfinden?

hat schon jemand daran gedacht, nach frankreich zu schauen? dort gibt es seit jahrzehnten die zentralmatura - alle schriftlichen aufgaben (kein multiple choice!) in sämtlichen fächern werden einheitlich von der akademie für alle ihr zugeordneten schulen im in- und ausland vorgegeben und korrigiert (einschl. mehrseitiger aufsätze)! funktioniert tadellos und die fragensammlung wird danach veröffentlicht ("les annales du bac"), damit man ein gefühl dafür bekommt und üben kann...

alles gut und schön,

trotz dieses fantastischen bacs können französische schüler mit etwa 8 jahren deutsch in der schule kaum sprechen ...
unsere können wenigstens halbwegs englisch, heißt es zumindest immer wieder, ob des französischen bin ich mir nicht so ganz sicher, wahrscheinlich haben sie aber trotz unseres grauslichen schulsystems mmn mehr ahnung als die französischen jugendlichen.

Sie Spielverderber!

Wussten Sie denn nicht, dass es in Österreich volle super ist, an allem etwas auszusetzen zu haben?

Sudern als Volkssport, quasi.

Foto: The lonely crowd.

ich bin dafür, dass wir dagegen sind..

... irgendwie hab ich das gefühl, dass es vielen hier nur ums kritisieren geht.

diejenigen, die an der (noch) aktuellen matura die subjektivität und unvergleichbarkeit kritisiert haben scheinen nun an der zentralmatura die seichtheit und das fehlende niveau zu bemängeln...

fast wie beim fußball: tausende von teamchefs - tausende von unterrichtsministern...

Sehr gut,

die schriftliche Zentralmatura in Deutsch.

Diese existiert in Oberösterreich bereits für die Externisten-Reifeprüfung und funktioniert bestens.

Eine mündliche Zentralmatura in Deutsch wäre jedoch tatsächlich ein riesiger Schwachsinn.

der artikelverfasser

schreibt mir aus der seele.
die fadesse wird sowohl für schüler als auch lehrer unendlich zunehmen, alles damit "einheitliche" arbeitnehmer produziert werden, die in ganz europa gleich agieren und die ob der kaum mehr vorhandenen kritischen denkfähigkeit locker manipuliert werden können.
warum wir auf biegen und brechen konzepte übernehmen müssen, die sich in anderen ländern schon als fehler erwiesen haben, wird mir ewig ein rätsel bleiben.
schönes neues europa.

Zentralmatura - Wahnsinn

Nicht nur in Deutsch ist Wahsinn hier Programm, auch in Mathematik! Es gibt fast keine Beispiele, wir wissen nicht wie die Endgültige Matura ausschauen wird, sollen aber die Schüler bereits darauf vorbereiten.
Der Taschenrechnereinsatz ist noch nicht endgültig geklärt. Bis jetzt reicht ein TI 30 um 20 Euro, an HTL´s aber auch an BKIP (KindergärtnerInnen) brauchen sie einen grafikfähigen Rechner um ca. 160 Euro. Wie kann man überhaupt KindergärtnerInnen und HTL´s miteinader verbinden?!?
Ein schlechter oder oft kranker Lehrer ist der Untergang für viele SchülerInnen!
Stoppt diesen Wahnsinn, die Matura wird nicht fairer sondern nur gleicher.

Die Abendschulen,

die sich in den letzten Jahren von Weiterbildungsanstalten für Berufstätige zu Auffangbecken für gescheiterte Schulkarrieren gewandelt haben, werden letztendlich das Niveau für die Zentralmaturen vorgeben.
Die drohende Ausbildungspflicht bis zur Volljährigkeit wird viele Gestalten in höheren Schulen schwemmen, die ein Lehrherr niemals in seinen Betrieb aufnehmen würde.
Ehrlicherweise sollten wir die Reifeprüfung abschaffen, Besuchsbestätigungen einführen und die tertiären Ausbildungsstätten nur noch nach Aufnahmeprüfungen besuchen lassen.

Die Zentralmatura im Fach Deutsch ist die größte kulturelle Niederlage

in der Geschichte der Zweiten Republik.

Kann mich dem Vorposter nur anschließen - Bitte unter Bildung / Schule platzieren!!

Lieber Standard, dieser Beitrag ist falsch platziert.

Ich hätte ihn unter "Bildung/Schule" erwartet, denn es geht um die Bildungsstandards bei der neuen Matura.

Bin mir nicht sicher, in welche Richtung die Kritik wirklich geht, aber ein klares "gegen Zentralmatura" kann so wohl kaum begründet werden.

Wirklich schlechte, altmodische, zwanghaft neumodische, skurrile, vorurteilsbeladene Textbeispiele sind im alten System Standard in der Schule, und man konnte dagegen genau NICHTS machen.

Erst durch eine Zentralmatura kann man überhaupt erst wieder einen breiten Diskurs über derartige Themen beginnen.

Mir ist schon klar, dass die ganzen supertollen Lehrer, die ihre Schüler optimal auf deren zukünftigen Nobelpreis vorbereiten, aufheulen, wenn ihnen die Allmacht genommen wird, aber letztlich muss es in Richtung Lehrer=Trainer <> Prüfer gehen, Zentralmatura ist ein wichtiger Schritt dazu.

um macht geht es

wohl nicht. aber permanent gesagt zu bekommen, dass man keine prüfungen (höraufgaben) zusammenstellen kann und dann gibt's dermaßen hirnrissige texte, dass sie guten schülern die note verhauen, kann's wohl auch nicht sein. da sollten wohl die prüfungsersteller erst ein bisschen dazulernen und einsehen, dass etwa ein text über picassos farbenmischungen in einem speziellen bild halt nicht unbedingt der erfahrungshorizont eines schülers - oder überhaupt eines durchschnittsmenschen - ist.

Wie man doch mit ein paar lustigen Allgemeinplätzchen das Thema um Lichtjahre verfehlen kann - erstaunlich.

Eine Kernaussauge des Artikels

ist die schauderhafte Konzeptlosigkeit, das abenteuerliche Wirrwarr der Kompetenzen und die totale Desorganisation.

Quer durch alle Bundesländer gibt es verschiedene Auslegungen der neuen Bestimmungen, die bei der nächsten Arbeitsgemeinschaft zwei, drei Monate später bereits wieder obsolet sind. Alles ein einziger Affenzirkus!

Äpfel und Birnen

Es geht nicht um supertolle Lehrer, sondern um die Richtungswahl der Schüler. Aus dem breiten Spektrum der Oberstufenschulen mit Matura wählen Jugendliche ihre Schwerpunkte aus - seien es Fremdsprachen, Wirtschaft, Technik, Sport usw. und erhalten ihre spezifische Ausbildung. Sie dann alle über einen Kamm zu scheren. ist unfair.

Zitat: Dem musischen Gymnasium mit Literaturschwerpunkt und der Elektrotechnikabteilung einer HTL sollen in Zukunft, so der Gesetzgeber, dieselben Aufgabenstellungen blühen, auch wenn Letztere weniger Deutschunterricht hat und keine Kenntnisse in Philosophie, Psychologie, Biologie, Musik oder Bildnerischer Erziehung vorausgesetzt werden dürfen, weil diese Fächer dort nicht unterrichtet werden.

Aber haben wir nicht jetzt das Problem, dass man im Realgymnasium teilweise ein schauderhaftes Mathematik-Niveau hat, während womöglich im musischen Gymnasium nebenan ein toller Lehrer gute Schüler produziert?

Durch die fehlenden verbindlichen Standards ist es ein einfaches Roulettespiel, als Eltern hat man keine Ahnung, wie gut eine Schule ist, wie gut die Lehrer dort sind etc.

Im Prozess einer Homogenisierung und Vergleichbarkeit wird man natürlich ein paar Nachteile in Kauf nehmen müssen, aber die Vorteile werden eindeutig überwiegen.

LehrerInnen wissen heute nicht einmal, ob sie gut sind oder nicht, weil es einfach keinerlei Möglichkeit gibt, das anders als gefühlsmäßig zu beurteilen.

noch etwas:

Von einem offiziellen Rating der Schulen ist meines Wissens vorerst nicht die Rede. (Aber es wird schon etwas durchsickern wie sonst auch.)

Die Qualität des Unterrichts lässt sich NICHT ALLEIN auf den Lehrer reduzieren, SONDERN hängt AUCH vom Klima in des Klasse und anderen Umständen ab.

Beispiel: ein Lehrer unterrichtet in 2 Parallelklassen und dennoch weist der Notendurchschnitt im Vergleich eine beachtliche Differenz auf. Klasse I: frühe Stunden, weniger Stunden entfallen durch schulfreie u/o Feiertage; gutes Klassenklima.
Klasse II: späte Stunden, mehrere Stunden entfallen z.B. wegen Exkursionen in anderen Gegenständen; Konflikte unter den Schülern, wobei gar nicht alles zutreffen muss, um das Niveau zu senken.

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