Über die Leichtigkeit eines Seiltänzers

18. April 2011, 17:48
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Michael Ende hat den Artisten mit der Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil so etwas wie ein Denkmal gesetzt

Eltern bekommen einen Blick dafür: Die Augen scheinen, ohne dass man es merkt, immer wieder diese kleinen Ankündigungsplakate zu suchen, die den nahenden Zirkus bewerben.

Gemeint sind diese kleinen Familienbetriebe, die irgendwo am Rande der Stadt ihre Zelte aufschlagen. Die im Rahmen ihrer Möglichkeiten - und manchmal etwas amateurhaft - versuchen, Spektakuläres zu bieten. Die, die einfach sympathisch sind. Es braucht eben keine Mega-Supershow, um Kinder zu begeistern.

Zu den festen Größen in der Zirkusvorstellung gehört (und gehörte) der Seiltanz. Michael Ende, der Autor von Klassikern wie Jim Knopf oder Momo, hat diesen Artisten mit der Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil so etwas wie ein Denkmal gesetzt. "Ihm lag nicht viel an Gut und Geld, nichts an der Menge Gunst, ihm ging's nicht um den Ruhm der Welt, ihm ging es um die Kunst", erklärt Ende.

Fliegenbeil, das Wunderkind, probiert immer dünnere Seile, einen Draht zwischen zwei Häusern und schließlich: "Denn eines Tags um acht Uhr früh, da spannt er nichts mehr zwischen sie: Er tanzt auf der Leere, als ob dort etwas wäre!" Erschienen ist diese Ballade 1986 in einem Gedichtband. Illustratorin Henrike Robert hat sie mit ihren so leicht wirkenden Bildern für Kinder bildlich aufbereitet. Einem Kunstwerk gleich. (Peter Mayr/Der Standard/16/04/2011)

Die Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil
Michael Ende, Henrike Robert
32 Seiten, € 16,-
Kindermann Verlag, Berlin 2011

  • Artikelbild
    foto: kindermann verlag
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