Mit Gernot Rumpold am Strand

15. April 2011, 17:10
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Das süße Leben des blauen Finanzgenies

Aus dieser Kolumne spricht der blanke Neid. Die Sache mit den Rumpolds und ihren 96.000-Euro-Pressekonferenzen (immerhin preislich günstiger als eine 100.000-Euro-Intervention vom Strasser-Ernstl) arbeitet in mir.

Die Staatsanwälte und Richter, die den blauen Werbegenies jetzt die rechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für ihre Deals ausgestellt haben, verdienen per anno etwa so viel wie die Rumpolds mit einer einzigen PK. Da fragt man sich, wie naiv man eigentlich sein muss, um jahrelang Jus zu studieren und den Doktor zu machen, wo man doch mit ein paar warmen politischen Freundschaften problemlos das Zigfache abcasht. Es reicht ein Naheverhältnis zur FPÖ, und schon verkaufen sich die 96.000-Euro-Pressekonferenzen wie geschnitten Brot.

Kluge Staatsbürger werden ihre Schlüsse ziehen: Auf der Stelle den Blauen beitreten und dann 2013 voll dabei sein, wenn die nächste Runde im großen Abkassieren beginnt. Wieso sind der Wienerwald, der Großglockner und die Donau nicht schon längst privatisiert? Für Werber, Lobbyisten und sonstige Spezialisten mit einem soliden Hauptschulabschluss gibt's da noch viel zu tun.

Was ich mich manchmal frage: Geht Rumpold beim Geldausgeben genauso geschickt vor wie beim Geldeinnehmen? Wahrscheinlich sitzt er jetzt am Strand. Rumpold sieht auf das Meer. Das Meer sieht auf Rumpold. Die Wellen brechen. Rumpold isst den Branzino. Rumpold trinkt den Barolo. Rumpold geht in die Disco. Alles sehr super, aber halt auch ein bisschen fad.

Aber ein Mann des Geistes wie Rumpold weiß sich zu helfen. Wenn man die Schäfchen finanziell im Trockenen hat, kann man sich ungehindert den Freuden des Intellekts hingeben. Rumpold ist ein Freund des guten Buchs. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit und Zettels Traum hat er schon gelesen, jetzt überlegt er, ob er sich lieber den Mann ohne Eigenschaften oder den Ulysses vorknöpfen soll. Es wird wohl der Ulysses, weil sich Rumpold in vierzehn Tagen mit Meischberger und Grasser zum gemeinsamen Arbeitskreis "Von Joyce zu David Foster Wallace - Paradigmenwechsel in der Gegenwartsliteratur" trifft.

Nein, Rumpold langweilt sich nicht. Zudem sind bald Ostern, da kann er wieder ein paar Eier pecken oder zwicken. Ja, bei Rumpold ist alles in Butter. Zerspringen könnte man vor Neid. (Christoph Winder, DER STANADRD/ALBUM - Printausgabe, 16./17. April 2011)

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