Siedlerverein gegen Hochhäuser

Eiszeit im Franz-Josefs-Land

15. April 2011, 12:35
  • Artikelbild
    foto: regine hendrich

    Sigfrid Tritthart und Linda Grechenig-Fischer kämpfen gegen höhere Neubauten.

  • Artikelbild
    vergrößern 469x500
    grafik: der standard

    Das Areal, wo die Aufzonung geplant ist, aus der Vogelperspektive.

Siedlerverein kämpft gegen geplante Aufzonung, diesmal ohne grüne Unterstützung

Wien - Hohe Zäune, pastellig gestrichene Einfamilienhäuser, dazwischen reichlich Grün - das Wiener Franz-Josefs-Land schaut seinem Namensgeber im Nordpolarmeer nicht wirklich ähnlich. Die Halbinsel im 22. Bezirk wirkt eher wie ein schmuckes Dorf als ein paar Felsen zwischen Grönland und Russland. Dass das Wiener Franz-Josefs-Land trotzdem so heißt, ist auf ein Gasthaus zurückzuführen, das 1876 in Erinnerung an die Payer-Weyprecht-Nordpolexpedition aufsperrte.

Die Bewohner des 22 Hektar großen Areals halten nicht viel von Veränderungen. Vor zwölf Jahren verhinderten sie ein Hochhausprojekt an der Wagramerstraße. Nach diversen Protesten und gesammelten Unterschriften versprach der damalige schwarze Planungsstadtrat Bernhard Görg, es werde niemals zu einer Aufzonung des Gebiets kommen. Jetzt startet die grüne Planungsstadträtin Maria Vassilakou einen neuen Versuch, auf dem Franz-Josefs-Land höhere Gebäude als bisher zuzulassen. Zumindest in jenem Teil, der direkt an der Wagramerstraße liegt.

Dieser Bereich - in dem sich einige Betriebe befinden und ein paar Baulücken klaffen - soll von Bauklasse 2 auf Bauklasse 3 gestuft werden. Damit wäre künftig eine Bauhöhe von 24,5 Meter Bauhöhe möglich (statt bisher 20,5 Meter). Dies trage zum Schutz vor Belästigung durch Lärm und Staub für das Hinterland bei, heißt es im Entwurf zum neuen Flächenwidmungsplan.

Die Mitglieder des Siedlervereins Franz-Josefs-Land wollen allerdings gar nicht geschützt werden. "Wir hören weder die Straße noch gibt es eine Staubbelästigung", sagt Vereinsobmann Sigfrid Tritthart. Eine Aufzonung im vorderen Bereich habe sehr negative Auswirkungen auf das Wohngebiet dahinter. "Der gemischt genutzte Teil wächst so immer mehr ins Wohngebiet hinein", sagt er. Und während der vordere Bereich massiv aufgewertet werde, würden die Grundstücke dahinter weniger Wert, ergänzt Vereinskollegin Linda Grechenig-Fischer.

Zahlreiche Einsprüche

Auf grüne Unterstützung können die Anrainer diesmal nicht zählen: Während diese die Proteste gegen das geplante Hochhaus 1999 unterstützten, hat die inzwischen zum Regierungspartner aufgestiegenen Partei nun kein Problem mehr mit einer partiellen Umwidmung.

"Ich glaube, das ist durchaus vertretbar", sagt Planungssprecherin Sabine Gretner. Einzelne Härtefälle, bei denen die Gefahr bestehe, dass ein Neubau direkt vor einem Einfamilienhaus errichtet werde, müsse man sich natürlich anschauen. Der neue Flächenwimdungsplan - den einige Anrainer beeinsprucht haben - soll in den nächsten Monaten den Gemeinderat passieren. (Martina Stemmer, DER STANDARD; Printausgabe, 15.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
nbergmann
00
23.7.2011, 10:00
hochhaus mit 24m, naja hoch ist in wien22 etwas anders (eher 200m)

direkt an der wagramerstraße sollte hoch gebaut werden dürfen, dass schützt doch dahinterliegende ruhe-zonen mit einfam. häusern und wertet natürlich auf - grüne haben wieder einmal recht...

cannery row
10
schon zurückgezogen..

vassilakou hat heute beim resetarits eine umwidmung ausgeschlossen und die schaffung einer parklandschaft angekündigt.

Briefmarkenkleber
00
12.5.2011, 12:48

So ein Weichei!

baumfreund1
02
hoffentlich stimmt das auch!

habe das unlängst in natura gesehen, in der stadtplanung haben überall nur mehr die investoren das sagen!

Briefmarkenkleber
01
20.4.2011, 11:08

Der Blimlinger ist der grüne Holzfäller von Neubau und jetzt wirft die Maria die Mischmaschine an. Naja. In Zeiten wie diesen, Asphalt auf die Wiesen - das ist jetzt wohl der neue Grüne Kurs.

Johannes Kopp
 
00
18.4.2011, 16:23
Jöö

ist ja fein , jetzt helfen auch die Grünen mit den 22igsten zu zubetonieren. Und das sicherlich auf architekonisch höchst anspruchsvollem Niveau (also mindestens so schön wie die Bundesländerbauten in der Nähe).

living reef
55
16.4.2011, 08:18
wieder ein aufstand privilegierter gartenzwerge die angst um das sonnenlicht haben

baumfreund1
00
sie sind wohl ein hochhausriese

aus dem ersten stock der wienerberg city!

cannery row
02
26.4.2011, 12:30
aber,..

lassen sie mich raten, wenn sie selbst auch dort wohnhaft wären, wäre feuer am dach, was?

verleih nix
02
16.4.2011, 11:58

wenns wenigstens so wäre. die unglaublich hochhaushaften 4 extrameter stehen noch dazu an der nordseite.

verleih nix
00
16.4.2011, 11:56

wenns wenigstens so wäre. die unglaublich hochhaushaften 4 extrameter stehen noch dazu an der nordseite.

Wicked Vienna
00
16.4.2011, 10:40

Ich kanns nachvollziehen.
Vorher Hochhaus
Noch vorher typische Wiener Bauten
Jetzt reihenhausartige Wohnung

Kein Vergleich ! Lebensqualität um 2500% gestiegen.

Ich mag die Maria, aber die angekündigte Verdichtung muss behutsam vonstatten gehen.

Ausserdem: Was ist der Plan ? Die Speckgürtler wieder heim zur UBahn zu bringen ?

Wird nicht gelingen. Mit mehr ländlich angehauchten Projekten eher. Aber dann wird nix verdichtet.

Muss was verdichtet werden ? Wenn die UBahn massiv billiger (in der Errichtung) wird, dann können viel weiter raus und engmaschiger die jetzigen Sorgenkinder erschlossen werden.

Und der Autowahn reduziert werden. Darum gehts eigentlich. Den Bequemlichkeitserhalt.

cannery row
01
26.4.2011, 12:35
es muss nichts verdichtet werden..

sonst sinkt nämlich irgendwann die lebensqualität gegen null. wien kommt einem doch eh schon bisweilen vor wie in irrenhaus - mit all dem baulärm, den abgasen, betonburgen etc. wenn schon grösser, dann konzentrische expansion. aber ehrlich, ich selbst bin auch schon ins grüne gezogen. mehr als die hälfte meiner freunde auch. es ist einfach gesünder, angenehmer und besser - und auch billiger. insoferne kann ich die hausbesitzer dort gut verstehen, die ihren bereich schützen wollen.

jumpingjack flash
01
26.4.2011, 12:46

sie meinen sie haben dort wo es einmal grün war einen mehr oder weniger grossen/hässlichen ziegel/betonbau hingestellt und sich einen kleinen claim mit "kunstrasen" abgesteckt.
ist auch ok. - ich kann nur in der stadt leben - und je nach entfernung werden sie es über kurz oder lang wahrscheinlich auch wieder.
wie und wo überall wäre wien ebenerdig in form von hietzinger oder döblinger villen bzw. donaustädter schrebergärten?

politisch verfolgt
06
16.4.2011, 00:37
überraschung

"Während diese die Proteste gegen das geplante Hochhaus 1999 unterstützten, hat die inzwischen zum Regierungspartner aufgestiegenen Partei nun kein Problem mehr mit einer partiellen Umwidmung."

bin wirklich überrascht. wie schnell die grünen sich ändern. ich dachte, sie würden sich, um das gesicht zu wahren, etwas mehr zeit lassen.

baumfreund1
00
schade!

geht wirklich sehr rasch...

Zukunftsoptimist1
110
15.4.2011, 20:26
Vor Tische las mans anders.

"Einzelne Härtefälle, bei denen die Gefahr bestehe, dass ein Neubau direkt vor einem Einfamilienhaus errichtet werde, müsse man sich natürlich anschauen." Natürlich. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Wunder sind bekanntlich blau. Anschauen - werden sich die Anwohner.
Und glaubt wirklich jemand, die regen sich nur deshalb auf, weil ihnen grenzenlos fad ist und sie endlich ein Betätigungsfeld haben? Ich täte über sie erst dann urteilen, wenn ich mir ihre Sorgen aus ihrer Perspektive genau angesehen habe. Wer Wien kennt (und Seiß' ausgezeichnetes Buch "Wer baut Wien?" weiß , dass es, einmal aufgezont, bei der Wagramer Straße nicht bleiben wird. Das frisst so lange, bis das ganze Viertel aufgezont sein wird. Dann ists mit Lebensqualität vorbei.

baumfreund1
02
und dann ist die ganze gegend um die alte donau hin,

eine einmalig vertane chance, ein zentrumsnahes erholungsgebiet, das die lebensqualität Wiens ausmacht, zu erhalten!!

baumfreund1
01
und dann ist die ganze gegend um die alte donau hin,

eine einmalig vertane chance, ein zentrumsnahes erholungsgebiet, das die lebensqualität Wiens ausmacht, zu erhalten!!

lanebbia
02
15.4.2011, 21:19

Ja das Buch von Seiß war recht aufschlussreich....

ausbruch
65
15.4.2011, 15:40

wo ist das problem eine derzeit mit eher verlotterten gewerbebaute besetzte zeile entlang einer vielbefahrenen straße aufzuwerten und die bauhöhe um ganze 4m anzuheben?
das die anrainer von baustellen in der umgebung nicht begeistert sind ist klar. mmn ist es aber egoistisch sich gegen verdichtungen von stadtnahen gebieten zu sein, nur weil das eigenen einfamilienhaus hinter dem betroffenen gebiet liegt.
die relativ große grundstücke in dem areal (http://tinyurl.com/6yc4jdr reinzoomen + vogelperspektive) sind die wahre verschwendung von knappen städtischen raum. die verhüttelung und bebauung mit niedriger dichte im raum nördlich der donau trägt massiv zu den wiener verkehrsproblemen bei.

Wicked Vienna
02
16.4.2011, 10:49

FAIL !

Ich mag die Maria wirklich, aber scheinbar haben Ludl, Zechner, Haselsteiner & Co die "gewichtigeren" Argumente.

Ist ein Bauvorhaben mit 20m Höhe wirklich nicht wirtschaftlich ? Erst ein, zwei Ebenen höher ?

Oder ist nur der Gewinn dann geringer.

Die Formel ist traurig, aber wahr: Je höher der Gewinn des Errichters, desto geringer die Lebensqualität des Bewohners.

Nur: Was ist nachhaltig gesehen wichtiger ?

lanebbia
00
15.4.2011, 21:21

Mir dem Argument könnte man jede wiener Siedlung zerstören und der Stadtexpansion opfern...

baumfreund1
00
besserwisser??

arg!!

Lange Nacht der Kirschen
14
15.4.2011, 18:26
Egoistisch??

Aus nichtigen Gründen werden sich die Anrainer wohl kaum aufregen. Ich bin selbst nicht von diesen Plänen betroffen und kann das Für und Wider nicht gut abschätzen.

Aber die Anrainer, die sich gegen eine dauerhafte Beeinträchtigung ihrer Wohn- und Lebensqualität sowie den Wertverlust ihrer Grundstücke zur Wehr setzen, als egoistisch zu bezeichnen, finde ich ziemlich vermessen. Wer würde, wäre er in der gleichen Situation, nicht so handeln? Sie etwa?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.