Schon 10.000 Fundstücke der Schlacht bei Lützen freigelegt

15. April 2011, 12:40
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Deutsche Archäologen schließen aus Kugelverteilung auf Verlauf der Kämpfe

Lützen - Im November 1632 fand bei Lützen in Sachsen-Anhalt eine der wichtigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges statt. Rein formal könnte man von einem Sieg des protestantischen Heeres unter der Führung des schwedischen Königs Gustav II. Adolf sprechen - tatsächlich waren dessen Verluste jedoch so hoch, dass es de facto keinen Sieger gab. Zudem wurde Gustav Adolf im Verlauf der Schlacht getötet: Als direkter Gegenspieler des kaiserlich-katholischen Feldherrn Wallenstein ein nicht mehr auszugleichender Verlust.

Insgesamt wurden zwischen 3.000 und 6.000 Menschen in der Schlacht getötet, und immer noch lassen sich Zeugnisse der Schlacht finden. Auf dem ehemaligen Schlachtfeld hat ein internationales Archäologenteam seit 2006 bereits 10.000 Fundstücke aus dieser Zeit freigelegt: Von Gürtelschnallen über jede Menge Gewehrkugeln bis zu kleinen Soldatenfiguren. Die Archäologen konnten anhand der Kugel-Verteilung auch die verhängnisvolle Schwachstelle der schwedischen Truppen nachweisen: Im Zentrum der schwedischen Angreifer habe es eine Lücke gegeben, in die die gegnerische kaiserliche Armee stoßen konnte, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mitteilte.

Was bislang fehlt, sind menschliche Überreste. Die Forscher schließen nicht aus, dass sie in etwas tieferen Bodenschichten noch auf Gebeine stoßen werden - allerdings dürften die Gefallenen eher in Massengräbern verscharrt worden sein, deren genauer Ort nicht mehr bekannt ist. Die Armeen selbst hatten sich nicht um ihre Toten gekümmert: Damals war es Usus, dass die ohnehin kriegsgeplagte Ortsbevölkerung die Leichen vergraben musste, nachdem die Truppen nach geschlagener Schlacht weitergezogen waren. (APA/red)

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