"Wollten Sturm für den Fußball erhalten"

15. April 2011, 11:41
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Ex-Sportlandesrat verteidigte Förderbeschlüsse - Bank wehrt sich gegen Nachrede

Graz - Keine Lacher diesmal, kein erregtes Aufspringen des Angeklagten Hannes Kartnig, keine Schreiduelle zwischen Staatsanwalt und Verteidiger. Es war ein ruhiger Donnerstag im Grazer Schwurgerichtssaal. Kein Wunder: Der steirische Landtagspräsident Manfred Wegscheider war am Wort, und zwar so sachlich trocken, als leite er eine Landtagssitzung über die neue Verordnung gegen Weinreben-Schädlinge.

Seine Aussagen hatten dennoch inhaltlich einige Brisanz. Immerhin ging es um den schweren Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Ex-Sturmpräsident Kartnig habe sich Landesförderungen erschleichen und sich "unrechtmäßig bereichern wollen", indem er für eine Landeshaftung eines 1,2-Millionen-Euro-Kredites die desolate Finanzlage des Vereines verschwiegen habe.

Wegscheider war damals, 2006, Sportlandesrat (SPÖ) und für diese Förderung zuständig. Wegscheider: "Wir wollten Sturm und den GAK unbedingt für den österreichischen Fußball erhalten." Richter Karl Buchgraber fragte nach: "Und, hätten Sie auch eine Ausfallhaftung übernommen, wenn Sie gewusst hätten, dass Sturm zahlungsunfähig war?" Wegscheider: "Dezidiert nein."

Der Politiker musste sich dennoch vorwurfsvolle Nachfragen anhören, ob die Politik nicht doch einigermaßen oberflächlich in die Sturmkasse geblickt habe. Immerhin seien zum Zeitpunkt der Förderbeschlüsse bereits Hausdurchsuchungen bei Sturm gelaufen. Wegscheider entgegnete, man habe den optimistischen Wirtschaftsprüfern vertraut. Die Haftungsübernahme fiel letzten Endes ohnehin flach, weil sich die Sturm-Bank geweigert hatte, den Kredit zu gewähren.

"Sind keine Häuslbank" 

Die kleine "Sturm"-Raika in Graz-St. Peter wehrt sich indessen per Anwaltsbrief gegen die launige Bemerkung von Kartnig, sein Geldinstitut sei eine "Häuslbank", die sich nichts traue. Die Raika sei "keine Häuslbank" sondern ein "selbstständiges Kreditinstitut", stellt die Bank schriftlich fest. Auch die bei Gericht zitierten "Durchlaufkonten", über die Kartnig Gelder hatte fließen lassen, seien "keine Konten für verborgene Geldgeschäfte oder das Parken von Schwarzgeld", sondern "legitimierte Konten". Man brauche kein Losungswort, jede Transaktion werde erfasst.

Es könne allerdings "von der Bank nicht geprüft werden, "ob eingezahlte Beträge auch entsprechend versteuert wurden". (Walter Müller; DER STANDARD Printausgabe 15. April 2011)

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