Finanzminister-Marathon

15. April 2011, 12:46
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Der neue oberste Säckelwart der Republik sollte im sportlichen Wettstreit ermittelt werden - Eine Glosse

Michael Spindelegger will einen "großen und umfangreichen" Umbau in der ÖVP vornehmen, um dann mit den "besten Köpfen" in die Zukunft aufzubrechen. Was das über die Vergangenheit aussagt, darüber wollen wir hier nicht spekulieren; sondern lieber das volksfestliche Potenzial dieser Idee ausschöpfen. Ausnahmsweise gilt hier nämlich nicht die etwas frei interpretierte, sozusagen invertierte Leitl'sche Maxime ("Geht's der Wirtschaft gut ..."); denn was für die Partei schlecht ist, muss für das Volk nicht zwingend noch schlechter sein.

Fieberhaft gesucht wird ja unter anderem ein neuer Finanzminister, eine neue Finanzministerin - und was läge also näher, mit dem besten gleich auch den schnellsten Kopf zu ermitteln? Schließlich muss wohl auch künftig auf diverse Bankenkrisen rasch reagiert werden. Wie es der Zufall will, findet nun just am Sonntag der Wien-Marathon statt. Und wie wir aus der Vergangenheit der Volkspartei (unter anderem) wissen, herrscht dort nicht erst seit den Jahren, als noch einer wie Wolfgang Schüssel das Partei-Szepter aus der eisernen Faust gar nicht mehr hergeben wollte und so nebenbei die FPÖ regelrecht zertrümmert (ja, man könnte es heute auch "atomisiert" nennen) hat, eine hohe Affinität zum Laufsport. Martin Bartenstein! Schon vergessen?

Was wir uns nun also wünschen: Dass der neue oberste Säckelwart der Republik im sportlichen Wettstreit ermittelt wird. Der Steirer Lopatka, der schon 50 Marathons gelaufen ist - unter anderem am Himalaya (nur der Andreasgraben-Ultralauf scheint ihm noch zu fehlen) -, hätte natürlich einen kleinen Vorteil. Aber die drei Oberösterreicher Leitl - wenn er die Zähne zusammenbeißt -, Mitterlehner - wenn er sich von der Verschlafenheit seines Patenjungen Fu Hu nicht anstecken lässt - und "Schottermitzi" Fekter (was für ein Spitzname das erst für eine Finanzministerin wäre!) hätten mit Sicherheit ebenfalls gute Chancen. Wenn Letztere durch die Tatsache, hinter einer Dutzendschaft an Schwarzafrikanern hinterherlaufen zu müssen, die von den Wienerinnen und Wienern noch dazu begeistert beklatscht werden, nicht allzu sehr ins Grübeln kommt. (Martin Putschögl, derStandard.at, 15.4.2011)

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