Unglaube in Ägypten

14. April 2011, 18:46
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In Ägypten zweifelt das Volk am Herzinfarkt des 83-jährigen Ex-Präsidenten

Ägypter und Ägypterinnen haben mit ihrem gestürzten Präsidenten und dessen Söhnen gemeinsam, dass sie nicht glauben können, was da vor sich geht: dass die Mubaraks im Begriff sind, vor Gericht gestellt zu werden. Dieser Unglaube bringt es mit sich, dass der Herzinfarkt des 83-Jährigen, der ihm erst einmal das Gefängnis erspart, hinterfragt wird. Das Attest sei von jenem Arzt ausgestellt worden, der im Autopsiebericht den "Drogentod" des in Wahrheit von der Polizei zu Tode gefolterten Bloggers Khaled Said - sein Tod gehört zu den Hintergründen der Revolution - bescheinigt hatte, berichten Medien.

Demnach hätte der Alte noch immer alles unter Kontrolle - und die Neuen machen die Farce mit. Auffällig ist, dass sich der Militärrat und die von ihm abhängige Justiz nur bewegen, wenn die Straße zu kippen droht. Und es klappt: Prompt wurde die Freitagsdemo am Tahrir-Platz abgesagt.

Wie immer dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Es ist wahrscheinlich, dass die Armee Mubarak den Abgang versüßte, indem sie ihm Immunität versprach. Dieser Deal beinhaltete jedoch völliges Stillhalten seinerseits. Mubarak hat ihn durch seine jüngste Rede - in der er die Staatsanwaltschaft direkt ansprach, in Präsidentenmanier - gebrochen. Viele meinen auch, seine Söhne stecken hinter den Versuchen, Chaos im Land zu säen, um eine Konterrevolution auf den Weg zu bringen. Das könnte den Militärrat davon überzeugt haben, die Justiz arbeiten zu lassen. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 15.04.2011)

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