Michael Spindelegger

14. April 2011, 18:27
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Aus der Schule der Stahlhelme in die Spitzenpolitik

Wer in Österreich nach ganz oben kommen will, der sollte als Sekretär anfangen. Diesen Karrieretipp hat auch Michael Spindelegger beherzigt. Seine politische Schulung hat er bei einem Politiker erhalten, der inhaltliche und persönliche Konsequenz in unvergleichlicher Weise mit persönlicher Macht verbunden hat: Spindelegger war jahrelang Sekretär von Robert Lichal, der von der Personalvertretung im niederösterreichischen Landhaus über die Rolle als Sicherheitssprecher der ÖVP ("Revolverhofrat") zum Verteidigungsminister ("Stahlhelm") und Zweiten Nationalratspräsidenten aufgestiegen ist.

Obmann der ÖVP-Arbeitnehmerorganisation ÖAAB ist er auch geworden. Lichal 1987, sein früherer Sekretär Spindelegger 2009. Tatsächlich hat Spindelegger bisher fast alle Karrierestufen seines politischen Ziehvaters zeitversetzt durchlaufen, die Karriere seines leiblichen Vaters Erich Spindelegger hat der drei Tage vor dem Weihnachtsfest 1959 geborene Politiker aus der Hinterbrühl bei Mödling ohnehin längst getoppt.

Der Vater saß 1966 bis 1970, als die ÖVP die absolute Mehrheit hatte, im Nationalrat, der Sohn war also von Kindesbeinen an mit der Politik in Berührung. Das prägt. Das verleiht auch Verhandlungskompetenz. Und die haben gerade die Vertreter der Stahlhelmfraktion, die zum Synonym für den niederösterreichischen ÖAAB geworden ist, immer bewiesen: Unbeugsam in der Sache und doch verbindlich hinter gepolsterten Türen, aber gelegentlich heftig, wenn man davor steht und eine Kamera dabei ist.

Den Stahlhelm setzte Spindelegger erstmals 1977 auf, diente als Einjährig Freiwilliger und brachte es zum Oberleutnant der Miliz. Zehn Jahre später saß er in Lichals Büro im Verteidigungsministerium, 1992 im Bundesrat, 1993 im Nationalrat, 1995 im Europaparlament - nebenbei arbeitete er als Jurist auf Vermittlung der Industriellenvereinigung bei Alcatel, Siemens und dem Verbund. Und er pflegte seine Verbindungen - etwa zum damaligen Außenminister Alois Mock, wie er selbst ein Mitglied der katholischen Studentenverbindung Norica im Cartellverband.

Spindelegger ist mit einer Vorarlbergerin verheiratet, die im Rechnungshof arbeitet - mit ihr hat er zwei Söhne. Ein Familienleben, das etwas zu kurz kommt, seit er im Dezember 2008 Außenminister wurde. Auch in dieser Rolle ist Spindelegger den ÖAAB-Wurzeln treu: Seine Auslandskontakte dienen oft der Wirtschaft und den Arbeitsplätzen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2011)

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