Firma: Hologramme waren demontierbar

14. April 2011, 18:23

Präsentation in Glaserei anhand vergleichbarer Konstruktion

Wien - Und sie hätten sich doch bewegt - sagt jedenfalls jene Firma, die Mitte der 1990er Jahre die Glasplatten mit den Hologrammen im Jüdischen Museum in Wien montiert hat. Das in der Leopoldstadt ansässige Unternehmen "Fritsch Stiassny Glastechnik" hat am Donnerstagnachmittag demonstriert, wie die Platten abmontiert hätten werden können - anhand einer vergleichbaren Konstruktion. Die Firma war vor der Zerstörung der Objekte in Kontakt mit dem Museum und hat auch ein Angebot gelegt.

"Wir sehen das Vertrauen in unsere Firma erschüttert", zeigte sich Geschäftsführer Heinz Haring erzürnt. Die Behauptung des Museums, dass die Anlage nicht demontierbar gewesen sei, sei falsch. Das Gutachten, das auf Auftrag des Museum nach der Demolierung angefertigt worden sei, weise Fehler auf, wurde heute versichert. Die Konstruktion hätte laut Haring problemlos zerlegt werden können.

Dazu hätte es genügt, so beteuert das Unternehmen, die Schrauben der Befestigungswinkel zu lösen. Denn die Platten, so wurde heute erneut bekräftigt, seien nie verklebt worden. Wie der Abbau einer solchen Konstruktion funktioniert, wurde Medienvertretern demonstriert. Die Glaserei hatte dazu eigens jenen Mitarbeiter kurzfristig aus der Pension zurückgeholt, der damals für das Projekt verantwortlich war.

Mit dem Museum gab es im Vorfeld der dann doch nicht erfolgten Demontage auch Gespräche sowie ein Angebot: Rund 12.000 Euro hätte das Abmontieren und der Transport in ein Lager gekostet. Die Arbeitsdauer sei mit rund einer Woche veranschlagt worden. Die Verhandlungen verliefen aber offenbar im Sand. Besichtigungen seien an "Terminkollisionen" gescheitert, wie das Unternehmen erklärte.

Ein Sprecher des Jüdischen Museums bestätigte am Donnerstag, dass es keine weiteren Kontakte bzw. Besichtigungen gab. Das sei jedoch an der Firma gelegen: "Die ist nicht gekommen, wir haben mehrmals urgiert." Der Termin sei immer wieder aufgeschoben worden und die Zeit habe gedrängt.

Die Frage, ob Teile der Konstruktion aneinandergeklebt sind, war ebenfalls Thema der heutigen Präsentation. Zwischen den Platten waren Schichten des Materials Klingersil eingebracht worden. Dieses klebt nicht, hieß es heute. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass die Einlagen nach 15 Jahren eine kleberähnliche Eigenschaft entwickelt haben.

Laut Jüdischem Museum sind die Platten aber sehr wohl an dem Material geklebt. Dafür, so wird vermutet, dürfte unter anderem die intensive Lichteinstrahlung in den Schauräumen verantwortlich sein. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
Bijan1
23
15.4.2011, 16:45
Jetzt ist also bewiesen was jeden vernünftig denkenden Menschen klar sein musste.

Man kann alles demontieren. In diesem Fall hätte offenbar ein Schraubenschlüssel genügt.
Die nächste offene Frage ist jedenfalls der museologische Wert der Hologramme. Auch hier sind sich die Fachleute einig, dass er als herausragend zu bezeichnen ist. Aber diese Diskussion soll nicht geführt werden. Lieber verunglimpft man die Fachleute und reduziert diese Installation auf "Schautafeln" um damit ganz bewusst jedwede Diskussion schon im Vorfeld zu unterbinden. Es wird aber genau so enden wie jetzt die Polemiken über die Frage der Abbaubarkeit.

Martin Teufel2
56
15.4.2011, 13:49
Spera ist rücktrittsreif.

Sonst gibt es dazu nichts zu sagen. Zuerst alles kaputt machen und dann... lügen, lügen, lügen!

Ann Ecker
00
spera ist nicht demontierbar.

ergo: zertrümmern!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
52
15.4.2011, 15:16

alles kaputt?

bei Dir vielleicht...

killertomate
01
15.4.2011, 10:14

Grundsätzlich lässt sich alles wieder fachgerecht demontieren. Auch aneinanderklebende Glasplatten. Mit Aceton oder Hitze (>150 Grad) gibt jeder Kleber auf. Muss man halt extrem vorsichtig machen, damit das Glas dabei nicht springt. Möglich ist es aber sicher. Kommt nur auf den Willen an. Hier sollte wohl schnell & billig entsorgt werden, dann sollte man es aber auch zugeben, dass es dem Museum das Geld nicht wert war. Wäre auch irgendwie verständlich.

Gruppenbild mit Dame
34
15.4.2011, 11:42
Nein, wäre nicht verständlich.

Die Hologramme waren in der Fachwelt berühmt und beachtet. Bereits in den Neunzigern galt die Holographie als ein Verfahren, das nicht neu war, sondern eher auf Kitsch und Klischee verwies. Das Geniale war, hiermit die folkloristischen Klischees widerzuspiegeln.
Nun hebt ein Museum alte Zeitungen auf, Bücher, Ausstellungsplakate, Schautafeln. Da ist es einfach unerträglich, wenn so einzigartige Hologramme einfach mit dem Hammer zertrümmert werden. Das ist inakzeptabel; falls ein Abbau fachgerecht möglich gewesen wäre, dann ist es fahrlässig, einen Wert des Museums zu zerstören. Zumal dieser Wert zur Erkennungsmarke des Museums gehörte.

word8
64
15.4.2011, 12:51
daran ist nichts unerträglich

der besitzer - also das museum - wollte die läppischen hologramme nicht mehr und hat sie entsorgt. fertig. aus.

noch vor 100, 150 jahren wäre niemand auf die idee gekommen einem gemälde caravaggios irgendeine relevanz zuzugestehen. heute gilt er als einer der bedeutendsten maler ever. und im vergleich zu seinen werken waren diese hologramme nicht mal kinderlulu...

Prof. Alois
 
00
16.4.2011, 20:36
Da muss man sich eine Ebene höher begeben

Caravaggios Leute haben vermutlich k einen Völkermord begangen.
In unseren Breiten gab es sowas schon:Völker mord. Soetwas darf und muss weh tun. Es muss die Gesellschaften danach unruhig halten (Dass aber grad die Linken versuchen, moralisch besser zu sein, ist geradezu lächerlich) Tausendfacher Tod macht böse Emotionen für lange. Ich, der ich "nur" meinen Großvater verloren habe in den 1940ern, kann erahnen, was in Juden vorgeht, die ihre ganze Verwandschaft vermissen.
Ich kann verstehen, dass die Nachkommen der Ermordeten "eigenartig" sind im engsten Sinne des Wortes.

ichsagjanur
04
15.4.2011, 07:59
Welche Bedeutung sollen "obsolete" Medienformen für ein Museum haben?

Man muß sie nicht ausstellen wenn sie einem nicht mehr gefallen, aber sie zerstören zu lassen muß für ein Museum UN DENK BAR sein. Tatsächlich.

Deshalb beunruhigt es, regt auf und sucht Erklärung.

Im Übrigen gibt es in Museen und Ausstellungen in der Regel wenig langweiligeres und ärgerlicheres als die vorherrschenden Implementierungen "Neuer Medien". Aber die zer stören einen wenigstens nur einen Nachmittag ...

Mirabeau
43
15.4.2011, 00:27

Keine Ahnung, warum hier ständig die auszustellenden Gegenstände - die es natürlich zu bewahren gilt - mit der Ausstellungsdidaktik - die man jederzeit ändern und wegwerfen kann - verwechselt wird.
Irgendwem nutzt das offenbar.

ai1
45
14.4.2011, 18:59
wo ist eigentlich das problem?

15 jahre alte schautafeln werden weggeworfen weil die ausstellung umstrukturiert wird. na und?

aundm20
43
15.4.2011, 08:46
künstlich generierte aufregung …

… gekränkter eitelkeiten in einem netzwerk unter sich bleiben wollender.

Gruppenbild mit Dame
10
15.4.2011, 11:44
Von welchem Netzwerk reden sie eigentlich?

Sind ihre Ressentiments nur antiintellektuell oder richten sie sich gegen die sogenannten gewissen Kreise?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
52
15.4.2011, 15:27
Wenn Du mit gewissen Kreisen die meinst, die die Mitbewerber von D. Spera waren, dann haben die sich eh hinlänglich laut und hinlänglich plump geoutet - als beleidigte Neidhammeln, wie es sie in allen Gruppierungen der Menschheit gibt.

Ansonsten wird es nicht weiter überraschen, wenn für die Leitung eines (allgemeinen kulturhistorischen) jüdischen Museums fast ausschließlich Juden in Frage kommen - man sollte ganz einfach annehmen, daß jemand, der mit einem siebenarmigen Leuchter zu Hause aufgewachsen ist, für jüdische Traditionen mehr Gspür und Sinn hat als einer, der das erst im Erwachsenenalter Stück für Stück lenen muß. Und genau um diese Traditionen gehts halt in einem Museum, das den verlorenen und ausgerotteten Teil unserer Geschichte, den man als "jüdisch" bezeichnet, im Allgemeinen und ggf. (Sonderausstellungen) im Besonderen thematisiert.

Prof. Alois
 
00
16.4.2011, 20:02
Keine Ahnung wo die roten Stricherl herkommen

Sie sind ungerechtfertigt.
Weil ja rot bedeutet, dass unnötiges geäußert worden wäre.

killertomate
10
15.4.2011, 20:02

Nun ja, die jetzige Leiterin ist nicht mit einem siebenarmigen Leuchter zu Hause aufgewachsen, und genau das sorgt "in gewissen Kreisen", wie sie es nennen mögen, für Irritationen.

karina becker
11
15.4.2011, 19:24

Frau Spera ist zum Judentum konvertiert, d.h. sie ist nicht mit dem "siebenarmigen Leuchter" aufgewachsen. Das reicht nach Ihrer Definition also, um zu beurteilen, dass jemand ein Museum NICHT leiten kann? Vielleicht gibts da noch einige andere Kriterien, zb. ein Studium der Judaistik? Oder der Kunstgeschichte?

Prof. Alois
 
00
16.4.2011, 20:10
Das irritiert mich schon

Weil der Name Spera ja als typisch jüdisch anzusehen ist. Das ist derselbe Wortstamm wie Spira bzw. Shapiro (Die wikipedia ist da recht gut). Kann natürlich durch Heirat entstanden sein.

Wie auch immer. Seit ich weiß, dass einer meiner Großväter unter Mithilfe der Nazis sein Leben ließ, habe ich eine Ahnung von der emotionalen Anspannung, der alle diese Themen bei uns unterliegen. Das ist grundsätzlich ganz gut so. Das ist der Schmerz einer nicht verheilten Wunde.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
15.4.2011, 20:37
Das reicht nicht, aber es ist eine gute Voraussetzung.

Und ich gehe davon aus, daß die Ausschreibung die entsprechenden Bedingungen enthielt und Frau Spera diese erfüllte, sonst könnten die Unterlegenen ja gegen die Entscheidung klagen.
Da sie keifen und mit Unterstellungen um sich werfen statt zu klagen, dürfte juridisch aber nix zu machen,also formal alles in Ordnung sein.

killertomate
11
15.4.2011, 21:59
Der war gut!

Welche Ausschreibung???

Prof. Alois
 
00
16.4.2011, 20:19
Meines Wissen waren da einige Kandidaten im Gespräch

Und das öffentlich. Mehr darf man nicht erwarten.
Offenbar war die Möglichkeit, Öffentlichkeit zu generieren entscheidend. Das ist gut gelungen. Das jüdische Museum kennt man. Das ist allein der Person von Frau Spera zu verdanken.

Ich erinnere mich mit großem Vergnügen an die eine Veranstaltung, wo der jüdische Witz präsentiert wurde in diesem Museum. Da saßen Leute nebeneinander, die man so nie nebeneinander sah. Und nach einigem Zuhören blieb einem das Lachen im Halse stecken. Weil ja das Österreichertum humoristisch ganz so gestrickt ist. Das ist gut so.

karina becker
00
17.4.2011, 11:34
Offenbar war die Möglichkeit, Öffentlichkeit zu generieren entscheidend. Das ist gut gelungen.

Ja, das stimmt. Aber muss man/frau wirklich "Öffentlichkeit generieren" um jeden Preis?

Prof. Alois
 
00
17.4.2011, 12:20
Für ein Museum schon

Das ist nämlich für die Öffentlichkeit gedacht. Je mehr Leute dort hingehen, desto eher hat es seinen Sinn erfüllt.
Gerade in unserem Land herrscht dringender Bedarf nach Vorurteilsabbau. Zugegeben: Hätte ich selbst nicht geschäftlich einst damit zu tun gehabt, ich wäre von Vorurteilen über das Judentum nur so strotzend. Denn auch wohlwollende Vorurteile sind Vorurteile.

Deshalb ist eine gewisse Vehemenz in Richtung Öffentlichkeit mehr als nur angebracht.

karina becker
00
17.4.2011, 14:32
Zugegeben: Hätte ich selbst nicht geschäftlich einst damit zu tun gehabt, ich wäre von Vorurteilen über das Judentum nur so strotzend.

Sie glauben ernsthaft, das entwürdigende Hickhack (von allen Parteien), das sich bezüglich des Jüdischen Museums in Wien momentan abspielt, ist geeignet, "Vorurteile abzubauen"?
Und was Ihren Satz betrifft, dass ein Museum für die Öffentlichkeit gedacht ist: Ganz Ihrer Meinung! Schade nur, dass das Museum seit längeren GESCHLOSSEN ist.

Prof. Alois
 
00
18.4.2011, 18:51
Das entwürdigende Hickhack unterscheidet sich in nichts

von dem Hickhack, dass bei uns öfter veranstaltet wird, wenn wer wem was neidig ist. Das funktioniert ganz ohne Zuordnung der Abstammung. Und es funktioniert allein deshalb, weil sich unbedarfte Journalisten finden, die die Sensibilität des Themas für ihre Zwecke nützen. Da liegt eigentlich der Hund begraben.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.