Lukrativer Diebstahl auf dem Friedhof

14. April 2011, 18:35
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Die Polizei will sich verstärkt auf Kupferdiebe konzentrieren – Über die Strukturen der Gruppen ist noch wenig bekannt

Wien – Um Kupfer zu Kohle zu machen, muss man dieser Tage kein Alchemist sein. Es reicht kriminelle Energie. Denn der Kupferpreis ist dank steigender Nachfrage und Spekulation an den Rohstoffbörsen in den vergangenen zehn Jahren um 45 Prozent gestiegen - und macht es so wie andere Metalle auch für Diebe lukrativ. Selbst Friedhöfe sind vor Metalldieben nicht sicher: Seit Anfang des Jahres verschwinden am Friedhof Döbling immer wieder Kupfervasen, der Schaden macht mittlerweile 19.000 Euro aus.

Noch schlimmer trifft es die ÖBB: Am Mittwoch wurden auf der Franz-Josefs-Bahn in Niederösterreich zwei Kilometer Kabel gestohlen, am Dienstag waren es vier Kilometer in der Steiermark, im Burgenland traf es immer wieder die Strecke Wien-Budapest. Beim Bundeskriminalamt (BK) will man sich mit dem Phänomen nun näher beschäftigen, auch mit Hilfe der europäischen Polizeibehörde Europol.

Registrierungspflicht für Kupfer

"Es ist europaweit ein Problem", schildert Europol-Kommunikationschef Gerald Hesztera. In manchen Ländern seien bereits Gegenmaßnahmen wie eine Registrierungspflicht für Kupfer eingeführt worden, ob solche Maßnahmen einfach übertragen werden können, müsse man erst prüfen.

Für Ernst Geiger vom BK ist es schwierig, die Täter zu fassen. "Es handelt sich vorwiegend um mobile Kleingruppen, die das Kupfer nach Ungarn bringen. Laut unseren Kollegen dort sind die Verdächtigen überwiegend Roma und Sinti. Das Diebesgut wird an Altmetallhändler verkauft und in Tschechien und der Slowakei dann eingeschmolzen und auf den Markt gebracht. Wir hoffen, über die Hehler Erfolg zu haben."

Generell ist man im BK mit der Entwicklung der Kriminalitätslage aber zufrieden. Die Zahl von 133.682 angezeigten Delikten im ersten Quartal bedeutet zwar einen Anstieg von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, das liege aber an einer Statistikumstellung, beteuert BK-Direktor Franz Lang.

Verschiebung nach Westen

Zu beobachten sei allerdings eine Verschiebung: Während in Ostösterreich Diebstahlsdelikte zurückgehen, steigen sie im Westen teilweise deutlich an. Lang verweist lieber auf Erfolge in Wien: Dort gab es einen Gesamtrückgang von fast drei Prozent, die Aufklärungsquote stieg um sieben Prozent auf 36 Prozent.

Was aber nicht automatisch bedeutet, dass auch mehr Täter gefangen werden. "Wir haben durch bessere Tatortarbeit etwa bei Einbrüchen Erfolge, Serientäter mehrere Delikte nachzuweisen" , erläutert Christof Hetzmannseder, Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung der Bundeshauptstadt. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sei daher um zwei Prozent gesunken. Anders die Lage bei Einfamilienhäusern: Dort gab es einen Zuwachs um zwei Prozent. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2011)

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    Kupfer als Draht, Kabel oder Vase: Das Edelmetall ist bei Dieben in ganz Europa beliebt. Der Grund ist der hohe Preis auf dem Weltmarkt, in zehn Jahren legte er um 45 Prozent zu.

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