Konsumware zu verschenken

14. April 2011, 18:02
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Politische Performance beim Freischwimmer-Festival

Wien - Am Ende wird das ganze Stück versteigert. Das ist der Clou des Cmmn Sns Prjct von Laura Kalauz und Martin Schick, das beim bis zum Samstag laufenden Festival Freischwimmer im Brut-Theater zu sehen war. Die Freischwimmer-Teilnehmer sind junge Theater- und Performance-Macher aus Deutschland, der Schweiz - und Österreich: Magdalena Chowaniec und Alex Deutinger & Marta Navaridas gestalteten den Festivalbeginn mit, und Barbara Ungepflegt unterhält ihren Notstand bis zum Festivalschluss.

Das Cmmn Sns Prjct (Vokale bitte selbst einfügen) ist eine eidgenössische Produktion von Laura Kalauz und Martin Schick. Anfangs wird von den in Unterwäsche agierenden Künstlern allerlei Konsumware an das Publikum verschenkt. Dann aber wollen Kalauz und Schick auch etwas von den Zuschauern: Hosen, Schuhe, Shirts. Es ist ein Geben und Nehmen, untermalt von Aufzugsmusik im Endlos-Loop, unterbrochen von nachgespielten Literatur-, Theater- und Filmszenen, deren Herkunft die Besucher erraten müssen.

In der Versteigerung hat ein junger Zuschauer das Recht erhalten, dieses Stück selbst originalgetreu aufzuführen, inklusive des Akts der Auktion. Fünfzig Euro hat es gekostet. Nicht um Kosten, sondern um das Küssen ging es bei einer anderen Freischwimmer-Arbeit, Romantic Afternoon von Verena Billinger und Sebastian Schulz aus Deutschland. Sechs Leute, drei Frauen, drei Männer, schmusen in unterschiedlichen Kombinationen. Und richtig: Es kommt auf die Mischung an. Und darauf, was es in den Zuschauern auslöst, wenn drei einander küssen oder Frau die Frau respektive Mann den Mann, oder wenn die Partner ganz selbstverständlich gewechselt werden.

Fazit: zwei ausgezeichnete Arbeiten, die zeigen, dass die politische Performance heute ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. (Helmut Ploebst, DER STANDARD - Printausgabe, 15. April 2011)

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