Russlands Arktis-Deal steht auf der Kippe

14. April 2011, 17:56
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Strategisch wichtige Erschließung der Energiereserven im Nord­polarmeer droht an britisch-russi­schem Aktionärsstreit zu scheitern

Der Milliardendeal zwischen dem britischen Ölkonzern BP und dem russischen Staatsunternehmen Rosneft droht an einer Gruppe streitbarer russischer Oligarchen zu scheitern. Am Donnerstag ist die Frist zur Beilegung des Streites zwischen dem russischen Konsortium AAR der Milliardäre Michail Fridman, Viktor Wekselberg, German Chan und Leonard Blawatnik und BP ergebnislos verstrichen.

BP und Rosneft hatten Anfang Jänner bekanntgegeben, gemeinsam die Ölvorkommen in der russischen Arktis zu erschließen. Dazu ist ein Aktientausch im Wert von rund 12,5 Milliarden Euro vorgesehen. Die Erschließung der Energiereserven im Nordpolarmeer ist eine der strategischen Prioritäten der russischen Regierung. Da dies jedoch technisch sehr anspruchsvoll ist, ist Rosneft auf internationale Partner angewiesen.

Die russischen Oligarchen, die seit 2003 gemeinsam mit BP das Joint-Venture TNK-BP betreiben, fühlen sich von den Kooperationsplänen zwischen Rosneft und BP übergangen und blockieren den Deal bisher erfolgreich. AAR beruft sich auf eine Passage im Gesellschaftervertrag, wonach sie bei jeder anderen Öl-Aktivität von BP in Russland vorher gefragt werden hätten müssen. Ein Schiedsgericht gab den Oligarchen Recht und stoppte den Aktientausch. Auch eine Schadenersatzklage in Höhe von zehn Milliarden Dollar ist anhängig.

Rosneft hat BP nun eine Fristverlängerung bis 16. Mai zugestanden. "Wir hoffen, dass der Streit um die russischen Arktis-Projekte zwischen den russischen und den britischen Aktionären von TNK-BP bald von den internationalen Schiedsgerichten beigelegt werden kann", sagte Rosneft-Chef Eduard Chudajnatow. Rosneft will noch auf die endgültige Entscheidung des Stockholmer Schiedsgerichts warten.

Auch BP-Vorstandschef Bob Dudley bekräftigte die Russland-Pläne von BP. "Wir müssen dort dabei sein", sagte Dudley, der bis 2008 Chef von TNK-BP war und wegen eines Streits mit AAR aus Russland fliehen musste.

"Oberflächlich sieht es so aus, als ob BP und Rosneft noch immer bemüht sind, die Transaktion abzuschließen, aber die Chancen, dass der Deal scheitert, steigen", sagt Artjom Kontschin, Analyst von UniCredit Securities. Das Geschäft könnte noch gerettet werden, wenn BP die russischen Aktionäre aus TNK-BP freikauft oder seinen TNK-BP-Anteil an AAR verkauft oder die russischen Oligarchen in das Arktis-Projekt mit Rosneft einbindet.

Nach Angaben der russischen Agentur für Ölinformationen hat BP den Oligarchen 27 Milliarden US-Dollar für ihren TNK-BP-Anteil angeboten. Laut Gazeta.ru hat AAR jedoch 35 Milliarden US-Dollar gefordert. Erschwert wird die Einigung durch den Abgang von Vizepremier Igor Setschin als des Rosneft-Aufsichtsratschef. Er gilt als Mastermind der Rosneft-BP-Kooperation. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.4.2011)

 

  • In der Arktis werden ein Fünftel der noch nicht entdeckten Ölreserven weltweit vermutet. Internationale Energiekonzerne buhlen um die Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosneft.
    foto: epa

    In der Arktis werden ein Fünftel der noch nicht entdeckten Ölreserven weltweit vermutet. Internationale Energiekonzerne buhlen um die Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosneft.

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