Peking will auf die "Goldenen Steine" bauen

14. April 2011, 17:47
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Große Schwellenländer trafen in Hainan aufeinander

Eine Karikatur versinnbildlichte Pekings ehrgeizige Hoffnungen. Eine neue Welt der Brics fügt sich wie ein Puzzle zusammen mit China als zentralem Baustein. Auf der Zeichnung haben sich Brasilien (B), Russland (R) und Indien (I) an China (C) angedockt. Südafrika (S) schiebt sich als Fünfter im Bunde ein. China Daily illustrierte so die unter Chinas Regie einberufene Gipfelkonferenz der aufstrebenden Wirtschaftsmächte. Auf der Insel Hainan trafen sich die Staatschefs der fünf Staaten, die sich nach Südafrikas Beitritt statt Bric nun Brics nennen.

Chinas Hu Jintao und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff, Russlands Dmitri Medwedew, Indiens Manmohan Singh und Südafrikas Jacob Zuma verhandelten in Klausur, wie sie ihren lose organisierten Wirtschaftsbund fester verschweißen könnten. Die Aufgabe ist vertrackt. Die fünf Partner verbindet außer ihren bilateralen Geschäften untereinander vor allem das gemeinsame Verlangen nach stärkerer Mitsprache bei weltwirtschaftlichen und Weltfinanz-Entscheidungen. Der Handel, den sie untereinander abwickeln, wuchs zwischen 2001 und 2010 um durchschnittliche 28 Prozent pro Jahr auf 230 Mrd. US-Dollar.

"Goldene Steine", so heißen die Brics in Chinesisch, weil ihre Abkürzung an Ziegelsteine und Gold erinnert. Russland und Brasilien sind rohstoffreich, China und Indien wachstums- und devisenstark. Während des Gipfels gab Peking seinen Besitzstand an Devisen bekannt. Erstmals steigen sie auf mehr als 3000 Mrd. US-Dollar. Auch Spätankömmling Südafrika hat viel vorzuweisen. Es bringt den Zugang zum schwarzen Kontinent in die Runde ein.

Zehn Jahre nachdem Goldman Sachs-Ökonom Jim O'Neill, 2001 erstmals den Begriff Bric erfand, haben die fünf Aufsteiger das geflügelte Wort zu ihrem Programm gemacht. Sie können ihre gigantisch gewachsene Wirtschaftsmacht auf die Waage legen.

Mit 42 Prozent der Weltbevölkerung, einem Anteil von 18 Prozent an der globalen Weltwirtschaftsleistung und 15 Prozent am Welthandel, steuerten die Brics in der jüngsten Weltfinanzkrise mit ihrem Wachstum 60 Prozent des globalen Zuwachses bei. Sie wurden Konjunkturmotor der Weltwirtschaft. Das werden sie auch künftig bleiben, wenn auch langsamer.

Chinas Partei möchte mehr. Im Parteiorgan Volkszeitung veröffentlichte sie Donnerstag ein Strategiemanifest, um aus den Brics künftig große Gebäude zu bauen. Die Welt werde Zeuge über "den Gruppenaufstieg völlig neuartiger Marktmächte." Chinas habe mit seinem Modell des "friedlichen Wirtschaftsaufstiegs" dafür die größten Vorleistungen erbracht. Die Brics vertreten nicht nur neue dynamische Wachstumskräfte, sondern auch die Interessen aller Entwicklungsländer.

Auf dem Gipfel war von solch hehren Erklärungen nichts zu hören. Die fünf Staaten, die bei ihrer schnellen nachholenden Industrialisierung und Urbanisierung mit Inflation, Umweltproblemen, ungerechter Verteilung und Korruption zu kämpfen haben, einigten sich auf allgemeine Forderungen. Wie schon auf den beiden ersten Bric-Gipfeln 2009 und 2010 verlangte Hu eine Reform des Währungs- und Finanzsystem und mehr Mitspracherechte für Entwicklungsländer. "Wir sollten faire, gerechte, integrative und gut gemanagte Währungs- und Finanzsysteme errichten." Hu rief auch nicht das Zeitalter der Brics aus. "Die Uno sollte immer die zentrale Rolle in internationalen Angelegenheiten spielen, die G-20 auch weiterhin als erste Plattform zur weltwirtschaftlichen Steuerung und Regelung dienen." (Johnny Erling aus Peking, STANDARD-Printausgabe, 15.04.2011)

Wissen: Das Tor zu Afrika

Südafrika soll für die Partner das Tor zu Afrika, dem kommenden "Wachstums-Superstar", sein. Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O'Neill hat aber Zweifel. Größere Volkswirtschaften wie Türkei, Indonesien oder Mexiko wären viel geeigneter für den informellen Staatenclub gewesen, sagte er zu CNN. Als Wirtschaftsmacht steht Südafrika in der Welt-Rangliste nur auf Platz 27, China ist Nummer zwei. Bei den Einwohnern steht es 50 Mio. zu 1,3 Mrd. Für Pretoria spricht, dass es der Industriestandort in Afrika ist, ein effizientes Bank- und Finanzwesen sowie solide Infrastruktur hat. (red)

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    RIC und ein S: Beim Präsidententreffen in Hainan war neben Brasilien, Russland, Indien und China auch Südafrika das erste Mal mit von der Partie.

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