Eisbärin schwamm durchgehend neun Tage und 687 Kilometer

15. April 2011, 12:02
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Polarbären müssen auf der Suche nach Eisschollen teilweise riesige Distanzen überwinden

Gewaltige neun Tage ist ein Polarbär im Norden Alaskas auf der Suche nach einer Eisscholle im Meer unterwegs gewesen, wie US-amerikanische Wissenschafter 2008 beobachtet haben; das weibliche Tier legte dabei schwimmend eine Strecke von insgesamt 687 Kilometer zurück. Doch damit nicht genug: An ihrem Ziel angekommen wanderte und schwamm die Bärin mit Unterbrechungen weitere 1.800 Kilometer auf bzw. zwischen den Schollen umher. Die Forscher, die Eisbären in der Beaufortsee studieren, gehen davon aus, dass diese ungeheuere Leistung eine Folge des Klimawandels ist.

Schon seit längerem ist bekannt, dass Eisbären (Ursus maritimus) auf der Suche nach Robben zwischen dem Festland und im Meer treibenden Eisschollen hin- und herschwimmen. Durch die Eisschmelze sind die Bären gezwungen, von Jahr zu Jahr immer größere Distanzen zu überwinden um zu ihren Beutetieren zu gelangen. In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Polar Biology veröffentlicht wurde, konnten die Forscher vom US Geological Survey nun erstmals nachweisen, dass die Tiere bei ihrer Nahrungssuche inzwischen auch erhebliche Strecken im offenen Meer zurücklegen müssen.

"Dieser Bär schwamm durchgehend 232 Stunden lang eine Strecke von 687 Kilometer durch nur zwei bis sechs Grad Celsius kaltes Wasser", berichtet der an der Untersuchung beteiligte Zoologe George M. Durner. "Wir sind erstaunt, dass ein Tier, das normalerweise die meiste Zeit auf Eisflächen verbringt, derart lange durch so kaltes Wasser schwimmen kann. Das war wirklich eine verblüffende Leistung."

Kostenintensive Nahrungssuche

Die Wissenschafter hatten der Meisterschwimmerin ein Halsband mit einem GPS-Empfänger umgelegt und einen Temperatursensor implantiert, um dann die Wanderbewegungen der Bärin in den folgenden zwei Monaten exakt aufzuzeichnen. Eine abschließende Untersuchung habe gezeigt, dass die Bärin nach dem Beobachtungszeitraum 22 Prozent ihres Körperfetts verloren hatte - und ihr etwa ein Jahr altes Jungtier, berichtet Durner.

Die Lebensumstände in der Beaufortsee, einem Teil des Nordpolarmeeres vor den Küsten Alaskas und Kanadas, haben sich für Eisbären zunehmend verschlechtert. Während in den Jahrzehnten vor 1995 auch im Sommer noch genug Eisschollen vorhanden waren, um die Schwimmdistanzen für die Eisbären kurz zu halten, kostet die Jagd auf Beute den Tieren aufgrund der Eisschmelze heute wesentlich mehr Energie. "Die Abhängigkeit vom Eis macht die Polarbären zu den potentiell am meisten vom Klimawandel gefährdeten Großsäugetieren," schließt Durner aus seinen Beobachtungen. (red)

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    Das Leben im Polarmeer wird für die Eisbären zunehmend schwieriger: Im Sommer müssen die Raubtiere zum Teil gewaltige Distanzen bewältigen, um an ihre Beutetiere zu gelangen.

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