Explosionen

NATO-Luftangriffe auf Tripolis und Sirte

14. April 2011, 17:20

Die Nato fordert auf ihrer Frühjahrstagung in Berlin: Um einen Waffenstillstand in Libyen zu vereinbaren, müsse Gaddafi zunächst seine Soldaten in die Kasernen zurückbeordern - Gerungen wird auch um eine politische Lösung

Das Militärbündnis unter Führung der NATO hat nach libyschen Angaben am Donnerstag Ziele in der Hauptstadt Tripolis und in Sirte bombardiert. Augenzeugen in Sirte, der Heimatstadt von Machthaber Muammar al-Gaddafi, sagten, der Angriffe hätten vermutlich einem militärischen Ziel gegolten. Die heftigen Explosionen hätten dazu geführt, dass in zahlreichen Wohnhäusern die Fensterscheiben geborsten seien. Das libysche Staatsfernsehen hatte zuvor von Angriffen auf mehrere Ziele in Tripolis berichtet.

***

Berlin - Der Chor der Nato in der Libyen-Frage ist vielstimmig, doch am Donnerstag, dem ersten Tag der Frühjahrskonferenz in Berlin, zeichnete sich ein gemeinsamer Nenner ab. Die Außenminister der 28 Nato-Staaten fordern den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi auf, seine Soldaten wieder in die Kasernen zurückzubeordern. Aus Diplomatenkreisen hieß es, dies sei unerlässlich, um einen wirklichen und kontrollierten Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Rebellen zu vereinbaren.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verteidigte das Vorgehen des Bündnisses - auch gegen Forderungen aus Großbritannien und Frankreich, die zuletzt erklärt hatten, es müsse mehr Druck geben. Die Nato, so Rasmussen, "behalte ein hohes Einsatztempo bei" und passe ihre Aktionen täglich den sich rasch ändernden Bedingungen vor Ort an: "Wir haben gehandelt, um die Bevölkerung zu schützen, um ihr Recht auf Freiheit zu wahren und um Libyen daran zu hindern, zu einem gescheiterten Staat zu werden." Die Nato werde den Druck so lange ausüben, bis Gaddafi die Angriffe auf Zivilisten einstelle und seine Soldaten in die Kasernen zurückbeordere.

Einig sind sich die Konferenzteilnehmer auch, dass man sich in Libyen auf einen langen Konflikt mit Gaddafi einstellen müsse und es auch einen "politischen Prozess" geben müsse. "Es gibt keine militärische Lösung, es kann nur eine politische Lösung in Libyen geben", betonte der französische Außenminister Alain Juppé. Wir können nicht unendlich so weitermachen."

Gastgeber Deutschland ist bei der Tagung eigentlich eher Zaungast. Denn die Deutschen beteiligen sich nicht an der Nato-Mission in Libyen, und der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) skizzierte die Differenzen mit den Nato-Partnern so: "Im Kern gibt es einen einzigen Unterschied, das ist die Frage eines Weges zu einem gemeinsamen Ziel."

Doch sowohl US-Außenministerin Hillary Clinton als auch Juppé bemühten sich, die Differenzen zu überspielen. "Das Vertrauen ist nicht zerstört. Wenn Guido Westerwelle der Meinung wäre, dass Muammar al-Gaddafi an der Macht bleiben sollte - nur dann hätten wir ein Problem", betonte Juppé.

Und Clinton lobte Deutschland nach einem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel als "essenziellen Partner der Nato". Beide betonten, Berlin und Washington arbeiteten auf das Ende der Regierung Gaddafi hin, sie forderten ihn zum Rücktritt auf. "Das ist das Ziel, was uns eint", sagte Merkel.

Appelle des Uno-Chefs

Zeitgleich zum Treffen in Berlin berieten auch UN-Funktionäre sowie Vertreter der Afrikanischen Union, der Arabischen Liga und der EU in Kairo über die Situation in Libyen. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte erneut einen sofortigen Waffenstillstand und rief dazu auf, einen "politischen Prozess" zu ermöglichen, "damit das libysche Volk seine Hoffnungen verwirklichen kann".

Doch ungeachtet dieser Appelle gingen die Kämpfe am Donnerstag weiter. Die Rebellen warnten, in der umkämpften Stadt Misrata drohe ein Massaker, wenn die Nato ihre Angriffe nicht ausweite. Am Donnerstag seien durch Raketen der Gaddafi-Soldaten mindestens 23 Zivilisten getötet worden, sagte ein Rebellensprecher.

Mehrere Flugzeuge griffen am Nachmittag die Hauptstadt Tripolis an. Darauf sei eine schwere Explosion im Bereich der Residenz von Machthaber Muammar al-Gaddafi in Bab al-Azizia zu hören gewesen, berichteten Journalisten vor Ort. (bau, Reuters, AP, STANDARD-Printausgabe, 15.04.2011)

Kommentar posten
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mrheli
00
16.4.2011, 21:45

Schlimm das Österreich auch so weich ist und die Battle Troops für Libyen zur Verfügung stellt wenn es soweit kommt.

aus benghazi
02
16.4.2011, 11:39
ganz, ganz toll dieses bild

ein kind mit einer waffe - super!
danke herr sarkozy, danke herr obama, danke herr cameron und nicht zu vergessen, auch frau clinton sei hier herzlichst gedankt.
wie weit wollt ihr denn den wahnsinn noch treiben?

yes2bertl
00
16.4.2011, 12:28
Hmm, wenn es nicht bald Friedensdemos

auf Europas Straßen gibt und das Verhalten von Menschen und Mächten etwas über das gegenwärtige und zukünftige Verhalten aussagt:
Invasion des Landes und Errichtung einer Schau - Demokratie - irgendwo zwischen Afghanistan und Irak angesiedelt, tägliche Meldungen über collateral damage und in Folge Selbstmord Attentaten, täglich frisch in den Nachrichten serviert (zweiteres) bis es dann fad wird und Berichte aus einem neuen, zu demokratisierenden Land die aktuelle "Bericht" erstattung dominiert.

Friedensprojekt Europa, ein trauernder Bürger.

Harry Meier
 
00
16.4.2011, 18:50
Meinen sie wirklich die Leute sind so blöd und machen

.. sich zu Gaddaffi Knechten, um für einen Frieden zu demonstrieren, der unter einem irren Diktator niemals möglich ist? Haben sie sich schon mal mit Gaddaffis Geschichte befasst und mit dem Leid, das er über Afrika und viele andere Staaten gebracht hat? Jeder Dodl der auf die Strasse geht, demonstriert in Wirklichkeit nur für Gaddaffis Entourage.

Stefan Mittenegger
03
15.4.2011, 22:06
Die Herren Rebellen

Was immer die Rebellen mit dem Foto des Kindersoldaten ausdrücken möchten - es kommt hier nicht an. Die Tatsache, dass dieser Junge (im besten Falle nur) seiner Jugend beraubt wird, ist Verbrechen genug. Wenn die NATO schützen will, sollte sie die Jugend davor schützen, in einen Krieg hineingezogen zu werden.

http://www.doppelklicker.de/Uran-Bomb... 863.0.html

Vielleicht sollte die NATO auch darauf verzichten, Uran-Bomben einzusetzen. Der radioaktive Abfall der Atomindustrie hat dort nichts verloren.

Für mich ist es beschämend, einem Land anzugehören, das sich in Nordafrika gebärdet wie ein Elefant im Porzellanladen.

mistvieh666
 
03
15.4.2011, 12:26
selbstdarstellung der rebellen

seh ich da einen kindersoldaten.
wie wir alle wissen kaempft ganz libyen gegen gaddafi, gut libyen ist duenn besiedelt, aber zu was brauchen die kindersoldaten, bei den 1.6mio einwohnern der cyrenaika sollten schon so 400_000 waffenfaehige maenner gefunden werden koennen.
noch mal: gspuerts ihr euch eigentlich noch, wenn ihr ueber diesen ganzen dreck berichtet?

Gerhard Gilnreiner
 
01
15.4.2011, 10:25
Warum tun sich die Geheimdienste so leicht.....

....mit der Verbreitung von Desinformation?

Weil die Medien jeden Mist gierig aufgreifen, der deren Verkaufszahlen und Quoten auch nur ein bisserl verbessern könnte. Daher ist Desinformation de facto ein Selbstläufer.

Erstaunlich wie viele selbsternannte Kriegstreiber es in der sogenannten zivilisierten Welt gibt.

Die einzige Erklärung - es besteht mehrheitlich ein Bedürfnis auf der Seite der stärkeren zu stehen.
Grausliche Dikatoren und heute sogenannte westliche Alliierte arbeiten offensichtlich mit den gleichen Primitivmechanismen.

Westerwelle ist für mich ein einsamer Leuchturm, der die Erkenntnisse aus dem 2. Weltkrieg begriffen hat.

Charles Duchemin
04
15.4.2011, 10:04
Schönes Foto... man hat irgendwie den Eindruck, dass hier das Schicksal von

Kindersoldaten romantisch verklärt wird.

Ridcully
02
15.4.2011, 10:27

Hängt ganz davon ab auf welcher Seite der Kindersoldat steht. Würde er von der Gaddafi Seite kommen, sähe die ganze Sache bedeutend böser aus!
Die Bildunterschrift würde dann lauten: "Sogar Kinder werden als menschliche Schutzschilde benutzt."

salzstreuerIn
02
15.4.2011, 10:26
wenns auf seiten der sogenannten rebellen

der fall ist, dann isses doch ok, wie alles was diese sonst noch so verbrechen

Umsatzsteigerung
01
15.4.2011, 09:58
Westerwelle gestern Abend in der ARD

In einem Interview sagte Bundesaussenminister Westerwelle das bereits jetzt zivile Hilfslieferungen in Bengasi und andernorts in Libyen angekommen seien. So wie ich ihn verstanden habe, ohne Zwischenfälle.

Also braucht man keine Soldaten für weitere Hilfslieferungen. Es sei denn, man hat etwas ganz anderes vor???

Mme Curie
10
15.4.2011, 09:50

Warum kann Gaddafi nicht endlich seine Soldaten zurückbeordern damit endlich ein Waffenstillstand möglich wird? Die Rebellen würden sich dann eher verhandlungsbereit zeigen. Was hat er denn jetzt noch zu verlieren?

Dagmar Rehak Wien
 
00
16.4.2011, 02:41

Was für Soldaten? Wo siehst du Soldaten?

Hier könnte Ihr Name stehen.
02
15.4.2011, 19:05
Gute Idee.

Bei der nächsten Hooligan-Ausschreitung in Wien sollten wir unsere Polizei vielleicht auch einfach "zurückbeordern".

Möglicherweise würden sich die b´soffenen Schlägerhorden dann ja auch "eher" Verhandlungsbereit zeigen.

Und wenn nicht? - Pech gehabt.
Wozu gibt es Sicherheitstüren?

TriNitty
00
15.4.2011, 22:28

Nicht dass ich gut heiße wie die Rebellen vorgehen, aber das was da gerade in Libyen passiert mit einer Hooligan-Ausschreitung zu vergleichen, ist ja wohl sehr an den Haaren herbeigezogen. Schließlich leben wir ja nicht mehr in einer Diktatur und haben demokratische Wahlen, können uns also unsere 'Machthaber' aussuchen (wenn die Auswahl an kompetenten fähigen Leuten auch nicht allzu groß ist). Hätten wir damals unter Hitler bloß Rebellen gehabt, die sich was zugetraut hätten.

yes2bertl
01
15.4.2011, 11:28
Habe ich mir auch überlegt.

Denke, dass wo immer die, immer noch Regierung Libyens, keine Präsenz zeigt, sofort ein paar pick ups auftauchen und dann die Revolution, Befreiung, was immer proklamieren.

Denke die einzige (friedliche) Lösung ist sofortiger allseitiger Waffenstillstand unter Beibehaltung und Abgrenzung der jetzigen Linien, Versorgung der Bevölkerung und die Abhaltung von Wahlen.

Die Initiative der AU hätte das möglich gemacht.

Mme Curie
11
15.4.2011, 14:46

42 Jahre Präsenz sollten doch wohl genug sein. Wie lange soll den dieses G.Affentheater noch weiter gehen?

Dagmar Rehak Wien
 
01
16.4.2011, 02:18

Ich krieg langsam Angst...
Ich bin nämlich auch schon 42 Jahre an der Macht.

yes2bertl
00
15.4.2011, 14:57
Über Gaddafis Präsenz als "Revolutionsführer"

kann man wohl reden. Dass das Land platt gemacht wird, darüber kann man nur reden wenn einem wurshct is was den Menschen da angetan wird, von allen Seiten.

TriNitty
00
15.4.2011, 16:36

Der Plan der Afrikanischen Union war eben nicht ausgefeilt genug. Einmal schnell etwas aus dem Boden gestampft ohne zu überlegen, ob es auch durchführbar ist. War doch klar, dass die Rebellen nicht nachgeben, solange Gaddafi sich nicht zurückzieht und weiter seine demütigenden Machtspielchen fortsetzt. Friedenswille sieht eben anders aus.

TriNitty
00
15.4.2011, 16:29

Der Plan der Afrikanischen Union war eben nicht ausgefeilt genug. Einmal schnell etwas aus dem Boden gestampft ohne zu überlegen, ob es auch durchführbar ist. War doch klar, dass die Rebellen nicht nachgeben, solange Gaddafi sich nicht zurückzieht und weiter seine demütigenden Machtspielchen fortsetzt. Friedenswille sieht eben anders aus.

yes2bertl
00
15.4.2011, 16:46
Gaddafi und die Regierung Libyens

können wohl nichts anderes mehr tun um Friedenswillen zu beweisen, als sich eine Kugel in Kopf zu jagen.

Dann würde das als Schuldeingeständnis gewertet.

Zur AU, habe den link schon oft genug gepostet.
Nehme an es interessiert Sie eh nicht.

Schlüpfrige Argumente - war eben nicht ausgefeilt, jetzt ist es zu spät, zu früh, je nachdem.

Die Verlogenheit der Sache wird immer durchsichtiger, die meisten wollen von Lösungsmöglichkeiten gar nichts wissen, warum:
Weil wir alle davon profitieren, der Libyen Krieg unzählige Probleme des Westens und der Welt zudeckt. Gekaufte (erbombte) Zeit.

TriNitty
00
15.4.2011, 22:09

Habe den Link zur AU noch nicht gesehen, leider. Außerdem interessiert es mich sehr wohl, sonst würde ich hier ja nicht zu diesem Thema posten. Aber wenn Sie finden, dass die Dinge so einfach sind, warum gehen Sie nicht selbst zum Gaddafi und bringen ihn zur Vernunft, dass er nach 42 Jahren an der Macht doch endlich einmal mit demokratischen Wahlen versuchen sollte. Wenn er so beliebt ist bei seinem Volk hat er doch nichts zu befürchten. Sein Volk liebt ihn doch so sehr also würden sie ihn ohnehin wiederwählen, nicht wahr?

yes2bertl
00
15.4.2011, 22:21
Genau das hat der AU Plan festgehalten.

Waffenstillstand, Reformen bis zu Wahlen.
Bitte sehr, ist zwar schon ein paar Tage alt,aber... http://www.au.int/en/sites/... 2010.4.pdf

Den "freundlichen" Empfang der Delegation durch die "Rebellen" bitte auch nachlesen.

http://derstandard.at/130251591... ensplan-ab

Das was Libyen droht, mancher Meinung auch schon geschieht können Sie hier sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=WDrBh-qMOGY

http://video.google.com/googlepla... 7254&hl=de

Verbrechen die ALLE zukünftigen Generationen betreffen.

Der Krieg muss gestoppt werden.

TriNitty
00
15.4.2011, 22:53

Danke für die Links. Aber die sehe ich mir lieber erst morgen an. Ich fürchte das sind nicht gerade Videos, die man vor dem Schlafengehen anschauen sollte, jedenfalls nicht wenn man schwache Nerven hat.

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