Med-Uni: Sezieren mit dem Whiteboard

14. April 2011, 16:24
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Seziersäle mit neuer Computertechnologie

Wien - Seziersäle haben sich in den vergangenen Jahrhunderten wohl kaum verändert. Nun hält an der Medizin-Uni Wien moderne Computertechnologie Einzug in die Lehrsäle. Mit dem am Donnerstag präsentierten Projekt "iMorphiology" können Lehrinhalte verschiedener Fächer wie Anatomie, Radiologie, Chirurgie und Notfallmedizin in den Unterricht im Seziersaal integriert werden. Nicht nur die Leichenpräparate stehen den Studenten zur Verfügung, sondern über Computer an den Seziertischen auch zahlreiche zusätzliche Informationen und Lehrinhalte.

"Wir wollen die Ärzte von morgen nicht mit den Methoden von gestern ausbilden", betonte Johannes Streicher, der für das Projekt verantwortlich war. Angesichts der Fülle von Lehrinhalten und der rasanten Entwicklung im klinischen Bereich bleibe "immer weniger Zeit, sich das vorklinische Grundlagenwissen anzueignen". Aus diesem Grund versuche man den Studienplan so zu organisieren, dass die Studierenden den Lernprozess selbst gestalten können und nicht ausschließlich auf die Präsenzphasen angewiesen sind, so der Vizerektor der Med-Uni, Rudolf Mallinger.

Ein interaktives Whiteboard und die über den Seziertischen angebrachten Computer ermöglichen den 720 Studenten eines Jahrgangs, ergänzend zum gerade sezierten Körperteil Einblick in Lehrbücher und Atlanten zu nehmen bzw. 3D-Visualisierungen, Schnittbilder, Röntgenaufnahmen, OP-Videos, etc. zu betrachten. Damit lasse sich der Bogen von der Grundlagenwissenschaft bis zur Klinik schlagen. Zusätzlich können die Studierenden zum selben Organsystem, das gerade im Seziersaal behandelt wird, gemeinsam mit Radiologen an Bildern von konkreten klinischen Fällen arbeiten. Diese Fälle sind für die Studenten auch über das Internet verfügbar, begleitet von Diskussionsforen zu jedem Fall, die von einem Radiologen moderiert werden.

Derzeit ist ein Seziersaal mit einem Whiteboard und fünf Computern ausgestattet. Nach der geplanten Renovierung der Seziersäle soll laut Mallinger in jeden der sechs Säle das Computerzeitalter Einzug halten. (APA)

  • "Ärzte von morgen nicht mit den Methoden von gestern ausbilden."
    foto: ots

    "Ärzte von morgen nicht mit den Methoden von gestern ausbilden."

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