36 Gratiskonzerte am Karlsplatz

14. April 2011, 16:04
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Viertägiges Festival präsentiert neue Pop-Generation und Aufeinandertreffen heimischer "Legenden", Hip-Hop-Abend und Diskussionen

Wien - Die zweite Auflage des Wiener Popfests am Karlsplatz lädt heuer mit 36 Konzerten an vier Tagen zu einem bunten Querschnitt heimischen Musikschaffens. Erneut setzt Kurator Robert Rotifer auf die Alternative-Schiene, ohne dabei rein das Nischensegment zu bedienen - wie bereits der Kick-off zeigt: Skero und Gustav eröffnen das Festival am 5. Mai auf der - vor der Karlskirche gelegenen - "Seebühne", die auch an den Folgetagen als zentraler Schauplatz dient. Der Eintritt ist frei.

"Es gibt kaum Überschneidungen mit dem Programm des Vorjahres", freute sich Musikjournalist Rotifer bei der Programmpräsentation am Donnerstag. Das von der Initiative "karlsplatz.org" veranstaltete Open-Air-Spektakel wird auch dieses Jahr teils von bereits etablierten Genregrößen bestritten. Im Line-up finden sich Ja Panik, Francis International Airport, Son Of The Velvet Rat - alle im Stromgitarreneck angesiedelt - ebenso wie reduziertes Songwritertum von Marilies Jagsch, Mika Vember oder Violetta Parisini, die bei einigen Stücken von Kollegin Coshiva supportet wird. Auftreten wird außerdem die legendäre 90er-Jahre-Combo "Mäuse" rund um Tex Rubinowitz, die im Vorjahr nach Jahren des Schweigens wieder eine Fünf-Song-EP vorgelegt hat. 

Hip-Hop-Abend

Statt der vorjährigen Showcases, die einzelne Labels in den Mittelpunkt rückten, gibt es in diesem Jahr einen Hip-Hop-Abend. Gestaltet wird dieser von Festeröffner Skero ("Kabinenparty"), der hauptberuflich beim Hip-Hop-Kolletiv Texta werkt. Kamp, Kayo und das MC-Trio MA 21 werden den Schwerpunktabend am Freitag bestreiten. Einzelne Labelpräsentationen gebe es deshalb nicht mehr, da immer mehr Musiker ihre Stücke im Eigenverlag herausbrächten und deshalb die Konzentration auf professionelle Tonträgerhersteller die Act-Auswahl zu sehr einschränken würde, begründete der Kurator die Entscheidung.

Die "Seebühne" ist diesmal für zehn Konzerte reserviert. Christoph Möderndorfer von "karlsplatz.org" versprach, dass es Verbesserungen bei der Bühnenhöhe und im Soundbereich geben werde. Außerdem wird die Gastro-Versorgung ausgebaut, wobei von "Fressmeilen" Abstand genommen werde. Neben der Stage vor der Karlskirche dienen erneut das Wien-Museum, die TU Wien und die Kunsthallen-Dependance "project space" als Spielorte. Als neue Location konnte das brut gewonnen werden. Dort stehen mit Cherry Sunkist, Crazy Bitch in a Cave und broken.heart.collector die Zeichen ganz auf Glamour.

Eine ungewöhnliche Mischung bietet am Sonntag die von Ernst Molden zusammengestellte Allstar-Band. Maria Bill, Willi Resetarits, Peter Henisch und Sigi Maron werden sich etwa mit Nino aus Wien und Kurator Rotifer, der auch als Musiker tätig ist, die Bühne teilen.

Neben den vielen Live-Gigs wird auch dem gesprochenen Wort wieder genügend Platz eingeräumt. In sogenannten Sessions wird am Freitag und Samstag unter anderem über die Themen "Gender und Popmusik", den Zustand des aktuellen Musikjournalismus oder die Ethik der grassierenden Gratis-Kultur debattiert.

Die Stadt schießt wie 2010 180.000 Euro für das viertägige Ereignis zu. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) wies darauf hin, dass es beim Popfest nicht nur um Konzerte gehe, sondern auch darum, die Vernetzung innerhalb der Szene zu fördern. Das sei bei der Premiere im Vorjahr bereits gut gelungen. (APA)

  •  Gustav tritt am 5. Mai beim Popfest auf.
    foto: thomas degen

     Gustav tritt am 5. Mai beim Popfest auf.

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