Linzer Schau zeigt Weg vom Ur-Mais zum "Monster im Gemüseregal"

14. April 2011, 16:03
1 Posting

Geschichte von Kulturpflanzen von 15. April bis 9. Oktober im Biologiezentrum

Linz - Die Domestizierung von Wildpflanzen durch jahrtausendelange Züchtung steht im Mittelpunkt der Ausstellung "Monster im Gemüseregal" im Linzer Biologiezentrum, die am Freitag eröffnet wird und bis zum 10. Oktober dauert. Der Titel erscheint reißerisch, wie selbst der Leiter der Oberösterreichischen Landesmuseen, Peter Assmann, in einer Pressekonferenz am Donnerstag einräumte. Aber wenn ein urzeitlicher Bauer in einen modernen Supermarkt kommen würde, bekäme er wohl genau diesen Eindruck.

Archäologische Funde zeigen, dass Menschen bereits vor 19.000 Jahren vereinzelt begannen, Pflanzen zu domestizieren. Ab der Sesshaftwerdung vor rund 12.000 Jahren beschäftigten sie sich intensiver damit. Man wusste zwar noch nichts von der Vererbungslehre, machte sich aber zufällig auftretende Mutationen zunutze. Wenn spontane Veränderungen eine Pflanze ertragreicher, schmackhafter, die Früchte haltbarerer oder leichter zu ernten machten, versuchte man, diese Merkmale zu erhalten. Über Jahrtausende entwickelten sich so aus unscheinbaren Wildformen vergleichsweise monströs anmutende Getreide-, Obst- und Gemüsesorten.

Die Teosinte, die Großmutter des Mais, führt dem Besucher besonders anschaulich vor Augen, wie viel Züchtungsarbeit in modernen Kulturpflanzen steckt: Sie lieferte nur fünf oder sechs harte Körner, die Fruchtstände waren brüchig, die Ernte extrem mühsam. Die wilden Vorfahren der Gurken wiederum waren sehr bitter. Dennoch erkannte der Mensch das Potenzial und entwickelte daraus die heutige Salatfrucht.

Wende in der Ernährungsgeschichte

Eine markante Wende in der Ernährungsgeschichte Europas war die Entdeckung Amerikas. Von dort kamen vorher unbekannte Gemüsearten - Kartoffeln, Bohnen, Tomaten - zu uns. Ein Essen vor Kolumbus bestand aus viel Fleisch, einem Sterz aus Getreide oder Gräsersamen, Linsen, Rüben und wildem Kohl.

Nachdem jahrtausendelang vieles nach dem Prinzip Versuch und Irrtum funktioniert hatte, entdeckte Gregor Mendel im 19. Jahrhundert die Regeln der Vererbungslehre. Allmählich entwickelte sich ein neuer Forschungszweig bis hin zur heutigen Gentechnik, die es - bei allen ethischen Problemen - erlaubt, spezielle Merkmale in eine Pflanze einzubauen.

Das Biologiezentrum bietet Führungen und Workshops sowie eine Naturwerkstatt für Kinder. Im Garten kann man im Sommer auch Lebend-Exponate besichtigen. Allerdings dürfte es noch einige Wochen dauern, bis sie alle blühen und fruchten. (APA)

  • Obst und Gemüse, das uns heute völlig normal erscheint ist in Wirklichkeit das Ergebnis jahrtausendelanger Zucht-Bemühungen. Im direkten Vergleich mit den Wildformen hat man  dabei oft den Eindrucks, dass unter dem Einfluss des Menschen "Monster" entstanden sind.
    foto: oberösterreichische landesmuseen, ernst grilnberger

    Obst und Gemüse, das uns heute völlig normal erscheint ist in Wirklichkeit das Ergebnis jahrtausendelanger Zucht-Bemühungen. Im direkten Vergleich mit den Wildformen hat man dabei oft den Eindrucks, dass unter dem Einfluss des Menschen "Monster" entstanden sind.

Share if you care.