Mega-IPO rückt Glencore ins Rampenlicht

14. April 2011, 15:45
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Der weltweit führende Rohstoff­händler nutzt den Boom der Branche und füllt mit einem der größten Börsegänge Europas seine Kriegskasse

Hongkong/London - Eine Notierung in London und Hongkong soll dem bis dato weitgehend unbekannten Schweizer Konzern Glencore bis zu 12,1 Milliarden Dollar (8,40 Mrd. Euro) einbringen und wird viele der öffentlichkeitsscheuen Manager über Nacht auf dem Papier zu Millionären machen.

Der bis dato verschwiegene Konzern mit Sitz im steuerbegünstigten Kanton Zug kündigte an, im Mai 15 bis 20 Prozent seiner Anteile an die Börse bringen zu wollen. Die seit langem mit Spannung erwarteten IPO-Pläne sorgen am Finanzmarkt für ähnlich viel Aufregung wie der Börsengang der US-Bank Goldman Sachs 1999. Einige Finanzprofis meldeten jedoch Zweifel an, ob Glencore das verlangte Geld wirklich wert ist.

Gemessen an seinem Umsatz von 145 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist das enorm einflussreiche Unternehmen der größte Konzern der Schweiz - noch vor dem Lebensmittelriesen Nestle, dem Pharmakonzern Novartis und der Großbank UBS. Dank der Preisexplosion bei Metallen und Lebensmitteln verdiente Glencore im vergangenen Jahr netto 3,8 Milliarden Dollar. Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen es Glencore ermöglichen, noch stärker vom Rohstoff-Boom zu profitieren - hierzu muss der Konzern jedoch nach vier Jahrzehnten seine fast schon legendäre Verschwiegenheit brechen und viele Firmengeheimnisse lüften.

Rekord

Der Börsengang in London soll bis zu 8,8 Milliarden Dollar erbringen und könnte damit in der britischen Hauptstadt alle Rekorde brechen. In Hongkong könnte Glencore bis zu 2,2 Milliarden Dollar einsammeln. Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption würden insgesamt sogar 12,1 Milliarden Dollar zusammenkommen.

Glencore wurde 1974 von dem Rohstoffhändler Marc Rich gegründet und wird bisher von 500 Partnern kontrolliert, die nach dem Börsengang bis zu fünf Jahre lang keine Aktien verkaufen dürfen. "Alle Partner sind langfristig investiert. Niemand wird Geld vom Tisch nehmen", sagte Konzernchef Ivan Glasenberg - der selbst 15 Prozent des Unternehmens besitzen soll - in einem Reuters-Interview. Rich war vor Jahren im Streit mit seinem Management ausgeschieden.

Das Unternehmen hat sich vor allem im Rohstoff-Handel einen Namen gemacht, besitzt aber auch auf der ganzen Welt Bergwerke, Raffinerien, Eisenhütten und Weizensilos. Glencore ist außerdem noch an mehreren börsennotierten Konzernen beteiligt. Allein sein 34-prozentiger Anteil an dem britisch-schweizerischen Bergbaukonzern Xstrata ist rund 25 Milliarden Dollar wert.

Wichtige Entscheidung steht bevor

Die Preisspanne soll am 4. Mai bekanntgegeben und der Handel am 19. Mai aufgenommen werden. Voraussetzung für den Börsengang ist aber noch die Ernennung eines Aufsichtsratsvorsitzenden, die Glencore am Donnerstag schuldig blieb. "Wir sind kurz vor Abschluss dieser wichtigen Entscheidung", sagte Glasenberg. "Wir haben jemanden ausgewählt und werden ihn in Kürze vorstellen." Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Reuters, der ehemalige BP-Chef John Browne befinde sich in der engeren Auswahl der Kandidaten.

Einige Branchenexperten zeigten sich irritiert darüber, dass Glencore bei der Vorstellung der Börsenpläne keinen Chairman präsentierte. Zudem wurden Sorgen laut, Glencore verlange zu viel Geld für seine Anteile. Wegen des ungewöhnlichen Geschäftsmodells sind sich Analysten völlig uneins über den Wert des Unternehmens.

Einig sind sich die Experten zwar darin, dass die starke Nachfrage aus China, Indien und anderen Schwellenländern den Boom der Rohstoff-Branche und damit die Geschäfte von Glencore noch lange befeuern wird. Damien Hackett von Canaccord Genuity erinnert aber auch daran, dass Konzernchef Glasenberg ein gewiefter Geschäftsmann ist, bei dem Anleger kein Schnäppchen erwarten dürfen: "Es gibt nicht viele Leute, die bei einem Deal mit Glasenberg Geld verdient haben. Nun wird der gesamte Markt einen Deal mit ihm abschließen." (APA/Reuters)

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    Glencore wurde 1974 von dem Rohstoffhändler Marc Rich gegründet und wird bisher von 500 Partnern kontrolliert, die nach dem Börsengang bis zu fünf Jahre lang keine Aktien verkaufen dürfen.

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