SPÖ-Matznetter: "Keine verlorene Generation"

14. April 2011, 15:14
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Für Aufwertung der Lehre - Baumeister Safferthal: Betriebe mit Lehrlingen könnten Bonus bei Auftragsvergaben erhalten

Wien - Die von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) vorgeschlagene Ausbildungspflicht für alle Jugendlichen bis 18 Jahre wird von SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter unterstützt. Natürlich könne man eine Ausbildungspflicht für alle Jugendlichen verordnen, denn schließlich gebe es auch Schulpflicht und ein verpflichtendes Kindergartenjahr, meinte Matznetter heute Donnerstag bei der Besichtigung einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte in Wien-Hetzendorf. "Durch die Ausbildungspflicht soll niemand zurückbleiben", so der Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands (SWV).

Gerade bei Jugendlichen aus Familien mit migrantischem Hintergrund, insbesondere bei Mädchen, komme es vor, dass sie nach der Schulpflicht keine weitere Ausbildung mehr hätten und dann wieder mit 35 Jahren am Arbeitsmarkt ohne Qualifikationen einen Job suchten. Durch eine Ausbildung könnten sie auch vorbildhaft gleich auf die nächste Generation wirken. Hundstorfers Vorstoß sei wichtig, weil es "keine verlorene Generation" geben dürfe, während gleichzeitig über Facharbeitermangel gejammert werde, so Matznetter.

10.000 ohne weitere Ausbildung

Derzeit würden pro Jahrgang 10.000 junge Menschen nach Abschluss der Pflichtschule keine weitere Ausbildung mehr machen. Durch die Ausbildungsgarantie sei nun auch die Ausbildungspflicht möglich. Dabei tritt der SPÖ-Abgeordnete auch für eine Aufwertung der Lehre ein: Mit der Lehrlingsausbildung sollten alle weiteren Ausbildungsmöglichkeiten bis zum tertiären Bereich, also der Universität, offen stehen: "Die Durchlässigkeit im Bildungssystem muss gegeben sein."

Der Jugendsekretär der GPA-djp Wien, Christoph Peschek, will auch die Unternehmen stärker in die "Ausbildungspflicht" nehmen. Rund die Hälfte der österreichischen Arbeitslosen habe nur einen Pflichtschulabschluss, durch eine Ausbildung könnten die Chancen am Arbeitsmarkt deutlich vergrößert werden. In Wien bilden nur 11 Prozent aller Betriebe, die ausbilden dürften, tatsächlich einen oder mehrere Lehrlinge aus. Betriebe, die nicht ausbilden sollten Beiträge in einen Ausbildungsfonds zahlen, fordert der Wiener SP-Landtagsabgeordnete.

"Kleine sollen für Große ausbilden"

Für die Betriebe mit Lehrlingen wäre eine Anerkennung ihrer Ausbildungsleistung wünschenswert, so könnten sie etwa bei Auftragsvergaben einen Bonus bekommen, wünscht sich Baumeister Alexander Safferthal. Das Gewerbe bilde im Verhältnis mehr Lehrlinge aus als die Industrie. Durch einen derartigen Bonus könnte vielleicht verhindert werden, dass "Kleine für Große ausbilden", weil die Großunternehmen die ausgebildeten Fachkräfte von den Gewerbebetrieben abwerben. Da nicht jeder gleiche Begabungen mitbringe, spricht sich der Baumeister für Lehrausbildung in Modulen aus. Jugendlich könnten so zumindest eine Teilausbildung vorweisen, und später, "wenn ihnen der Knopf aufgeht", darauf aufbauen.

In einer gemeinsamen Initiative des SWV mit dem Berufsförderungsinstitut Wien (bfi) sollen Lehrlinge aus der überbetrieblichen Lehrausbildung in Betriebe vermittelt werden. Österreichweit sind derzeit 10.876 junge Menschen in einer überbetrieblichen Ausbildung. In Wien sind mit Beginn 2011 rund 700 Jugendliche im bfi Wien in der überbetrieblichen Lehrausbildung in den Bereichen Bau-/Baunebengewerbe, Metall und Dienstleistung (Hotel und Gastronomie, Büro, Einzel- und Großhandel). Ziel ist es, die Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln und Lehrstellen für sie zu finden. Wenn dies nicht gelingt, werden sie in der überbetrieblichen Lehrausbildung zum Lehrabschluss geführt. (APA)

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