Großbanken unter Verdacht

14. April 2011, 15:12
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Bank of America, Citigroup und UBS sollen sich laut Zeitungsbericht in der Finanzkrise beim Libor abgesprochen haben

New York - Haben US-amerikanische und europäische Großbanken gemeinsame Sache gemacht, um Kreditzinsen zu manipulieren? Nach Informationen des "Wall Street Journal" gehen US-Ermittler dem Verdacht nach, dass die Banken einen viel beachteten Zinssatz künstlich niedrig gehalten haben. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen demnach die Bank of America, die Citigroup und die Schweizer UBS.

Es geht um den Libor. Dieser wird in London ermittelt und dient als Referenzzins im sogenannten Interbankenhandel. An ihm orientieren sich etwa Zinssätze für Autokredite oder Firmenanleihen. Wird der Libor manipuliert, hat das weltweite Auswirkungen.

Um den Libor zu berechnen, melden die Banken jeden Tag in der Früh jene Zinssätze nach London, die sie selbst berappen müssen, um sich Geld zu leihen. Daraus wird dann ein Schnitt gebildet. Und genau hier sollen die Banken manipuliert haben: Die Ermittler hegen nach Angaben der Zeitung den Verdacht, dass einige Institute sich abgesprochen und ihre eigenen Zinssätze kollektiv zu niedrig angegeben haben. Das alles soll in den Jahren 2006 bis 2008 passiert sein.

Dräuende Krise

Hintergrund der Aktion war die aufziehende Finanzkrise. Damals beäugten die Marktteilnehmer sehr genau, zu welchen Konditionen sich die Banken refinanzierten. Wenn eine Bank sich Geld zu deutlich höheren Zinsen leihen musste als die Konkurrenz, war das ein schlechtes Zeichen. Beobachter konnten annehmen, dass Schwierigkeiten drohten.

Nach Angaben des "Wall Street Journal" lagen die von der Bank of America, der Citigroup und der UBS gemeldeten Zinssätze auffallend nah beieinander. Die UBS hat in ihrem Geschäftsbericht 2010 bereits eingeräumt, dass sie von Behörden wegen des Verdachts der Libor-Manipulation kontaktiert wurde. Alle drei Großbanken waren während der Finanzkrise in existenzielle Schwierigkeiten geraten.

Die "Financial Times" hatte schon im März über die Ermittlungen berichtet. In dem fraglichen Zeitraum waren demnach insgesamt 16 Banken an der Ermittlung des Dollar-Libors beteiligt, darunter auch die Deutsche Bank und die WestLB. Neben der US-Börsenaufsicht SEC und dem US-Justizministerium gehen nach Informationen der "Financial Times" auch die Behörden in Großbritannien und Japan dem Verdacht der Zinsmanipulation nach. (APA)

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