Noch attraktiver angatschen und angasen

14. April 2011, 16:56
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Kaum sind Land Rover und Jaguar weg von Ford, verdienen sie ordentlich Geld. Unter Ägide des neuen Eigners Tata drehen die Briten jetzt richtig auf

Selber fahren? Kommt noch früh genug. Jetzt noch nicht. Jetzt ist die Stunde der Werksfahrer. Auf Land Rovers Firmen-Testparcours in Gaydon. Gnadenlos, mit fester Steuerhand und schwerem Gasfuß, prügelt der Pilot, nennen wir ihn Mike, den Evoque über den Kurs, volles Rohr über die Schupfen, wer bremst, verliert oder so, und gleich, gleich landen wir in der Kompression, gleich wird der Wagen alle Viere strecken, wird's ihn zerlegen, krachkabumm, danke, Mike, das sieht übel aus.

Denkste, grinst Mike, das war der Zweck der Übung: Souverän steckt der Wagen die Provokation weg, und das dankt sich einer Fahrwerkstechnologie, die man eigentlich von Audi kennt, deren jüngste, dritte Evolutionsstufe, aber erstmals im neuen Range Rover, dem Evoque, zum Einsatz kommt: MagneRide III.

Steht für Magnetic Ride und besagt: In den Stoßdämpferkolben der Federbeine zirkuliert eine Flüssigkeit mit mikroskopisch kleinen magnetischen Eisenpartikeln. Durch Anlegen unterschiedlicher Spannung passt sich so die Dämpfung im Millisekunden-Rhythmus Fahrbahn und -stil an. Per Knopfdruck stramm oder komfortabel einstellbar. In Generation III werden die Impulse 1000-mal pro Sekunde überwacht und die Dämpfereinstellung korrigiert - das ist doppelt so schnell wie bisher und sorgte oben, Stichwort Mike und Kompression, dafür, dass es nicht zu "krachkabumm" kam.

Wir schildern dies so ausführlich, weil es die beeindruckendste Impression beim Vorabkontakt mit dem Evoque war. Zu dem auch noch zu ergänzen wäre, dass enormer Aufwand in virtueller 3-D-Realität und im wirklichen Leben beim Leichtbau betrieben wurde. Was wiederum dazu führte, dass der Wagen mit rund 1600 kg Leergewicht fast eine Tonne leichter (und damit zwangsläufig leichtfüßiger, sparsamer) daherkommt als der nächstgelegene Range Rover, der mit dem Zusatz "Sport".

Weiters wird manche interessieren, dass Range Rover, quasi Land Rovers Premium-Tochter, mit dem Evoque in völlig neue Welten vorstößt, kompakte nämlich: Mit 4,35 m Länge (Range Rover Sport: 4,79 m) ist er sogar noch zehn Zentimeter kürzer als der derzeit einzige Gegner, BMWs X1; im September, zeitgleich mit dem Evoque-Start, kommt noch Audis Q3 hinzu, 2013 Porsches Cajun.

Was die alle miteinander nicht haben: zwei Karosserievarianten. Den Evoque gibt's als 5-Türer und Coupé, einer fescher als der andere. Wenig überraschen wird, dass der Wagen auch im Gelände souverän wirken soll (was wir erst bei der Fahrpräsentation im Sommer überprüfen können), eher ungewöhnlich hingegen scheint der Umstand, dass es ihn auch als Fronttriebler geben wird, Markenpuristen werden rufen: Shocking!

Wer übrigens vermuten würde, Einserschmäh, der Evoque kostet Land Rover eh nix, weil aufgebaut auf Basis Freelander II: falsch. Ein Teil nur, behaupten die Gentlemen steif und fest, habe der Evoque mit dem proletarischen Freelander gemein - welches, wollten sie nicht verraten. Motoren? Ein 2,2-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen (150 und 190 PS) sowie ein 2,0-Liter-Benziner mit 240 PS. Und die Preise? Bei den Fronttrieblern (ab Jahresende) kommt der 5-Türer auf 35.000 €, das Coupé auf 36.100. Die Allradler kosten 37.400 bis 45.800 € (5-Türer) bzw. 38.500 bis 46.900 € (Coupé).

Exklusivitätsskala

In Summe, verrät Land-Rover-Markenchef John Edwards, "wollen wir zum Goldstandard im SUV-Segment werden", als Spezialist Benchmark für den Rest der Welt. JLR, wie sich die Jaguar-Land-Rover-Partie neuerdings abkürzelt, will aber nicht nur attraktiver angatschen (Evoque), sondern auch attraktiver angasen. Bei Jaguar (setzte im Vorjahr 51.403 Autos ab; Land Rover: 181.301) nämlich jetzt gleich einmal mit dem XKR-S. Mit 550 PS stärkster Serien-Jag aller Zeiten, ausgelegt auf 300 km/h Vmax - und in der Exklusivitätsskala gaaanz weit oben angesiedelt, man sieht das auch am Preis: 161.600 €. "A boys toy", charakterisiert der neue Jaguar-Chef Adrian Hallmark XKR-S.

Noch interessanter ist indes, was der Chef bei der Präsentation der Markenstrategie nicht erzählte: Im Herbst auf der IAA in Frankfurt feiert die Kombiversion des XF Weltpremiere, ein potenzieller Stückzahlbringer, 2013 folgt dann ein kleinerer Sportwagen unterm XK. Gute Zeiten also für die Katze. Und ihre Fans. "Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde!" Würde Shakespeare sagen. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/15.04.2011)

  • Letzte Fahrwerktests, bevor es im September ernst wird. Viele bunte Evoques: Vielfältig wie noch nie lässt sich der kleinste 
Rangie aller Zeiten individualisieren.
    foto: werk

    Letzte Fahrwerktests, bevor es im September ernst wird. Viele bunte Evoques: Vielfältig wie noch nie lässt sich der kleinste Rangie aller Zeiten individualisieren.

  • Vorher wurde umfangreich in der 
virtuellen Realität getestet
    foto: werk

    Vorher wurde umfangreich in der virtuellen Realität getestet

  •  Aber auch in der realen, im Gatsch, ist 
ja schließlich ein Land Rover.
    foto: werk

    Aber auch in der realen, im Gatsch, ist ja schließlich ein Land Rover.

  • Und Jaguar? XKR-S. Stärkster Serienwagen 
der Firmengeschichte.
    foto: werk

    Und Jaguar? XKR-S. Stärkster Serienwagen der Firmengeschichte.

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