TV-Börse-Berater muss nicht ins Gefängnis

14. April 2011, 14:14
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Frick war angeklagt, in seinen Börsenbriefen eigene wirtschaftliche Interessen verschwiegen zu haben

Berlin - Der frühere deutsche TV-Börsen-Experte Markus Frick ist wegen Manipulation am Aktienmarkt vom Berliner Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte auf drei Jahre Haft plädiert. Doch den Vorwurf, Frick habe in seinen Anlagetipps vorsätzlich Informationen verschwiegen und davon profitiert, mussten die Ankläger mangels Beweisen fallen lassen.

Im Juni 2007 wurden erste Vorwürfe laut, Makus Frick habe Aktien von Rohstofffirmen mit zweifelhafter Geschäftsgrundlage und ohne Unternehmenswert empfohlen und dafür auch Geld von den betroffenen Unternehmen erhalten. Auch soll er selbst diese Papiere in größerem Umfang verkauft haben. Frick wies die Vorwürfe damals zurück. Er habe die Aktien empfohlen, weil er aufgrund öffentlich zugänglicher Quellen diese für attraktive Werte gehalten habe, erklärte Frick 2007. Und, er bedauere es sehr, wenn Anleger mit seinen Tipps Verluste gemacht hätten.

Seine zweifelhaften Empfehlungen machte er vor allem via E-Mail-Hotline und Newslettern publik. Seien Anhänger folgten ihm in Scharen. Rund 20.000 Kleinanleger hatten Aktien im Volumen von 760 Millionen Euro erworben. Aber statt der erwarteten Rendite gab es saftige Abschläge. Die Kurse gingen in den Keller. Nach Anlegerprotesten und einer Prüfung durch die Finanzdienstleistungsaufsicht war der Ofen für Frick erst einmal aus.

Frick ist gelernter Bäckermeister, hatte sich aber auch mit seiner Sendung "Make Money - die Markus Frick Show" auf dem Nachrichtensender N24 einen Namen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe nahm N24 den Aktien-Tippgeber vom Programm, auch wenn er in der Sendung nie für die unglücklichen Werte geworben hatte. Was er aber durchaus immer wieder in seine TV-Show einfließen ließ, waren Hinweise auf seine Website und auf die E-Mail-Hotline. Die gab es nicht gratis, 898 Euro wurden fällig, um auf die Insidertipps zugreifen zu können.

Im heute zum Abschluss gekommenen Verfahren, das im März dieses Jahres startete, hatte Frick Fehler eingeräumt. Eine kriminelle Energie hat er aber immer abgestritten. Zum Prozessauftakt meinte er, er sehe sich selber als Opfer. "Dass die Anleger durch mich Nachteile erlitten haben können, belastet mich sehr", so Frick vor Gericht. Der gelernte Bäcker betonte, er habe von der Minderwertigkeit der vorgestellten Aktien nichts gewusst. Zwei Herren aus den USA, die er als seriöse Geschäftspartner gekannt habe, hätten ihn mit positiven Nachrichten über die Unternehmen "instrumentalisiert", sagte der Selfmademan in Sachen Börse. Damit bestritt er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die in ihm einen Hochstapler sieht, der sich skrupellos am Verlust zahlreicher Kleinanleger bereichert haben soll. Frick entrüstete sich: "Ich habe zu keiner Zeit bewusst wertlose Aktien empfohlen." Er verwies zu seiner Entlastung auch auf eine Zahlung von 4,6 Millionen Euro an 870 Anleger, mit der er bereits Verantwortung übernommen habe. Die Summe resultiert aus einem Vergleich bei einem früheren Zivilprozess.  (red/APA)

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    Markus Frick vor Gericht.

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