"Kein Politiker war so beliebt wie Lech Kaczyński"

Konservative Abgeordnete empört über "Zensur"

Am Dienstag eröffnete EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek in Brüssel die Ausstellung "Truth and Remembrance - The Smolensk Disaster". Die Fotosammlung wurde anlässlich des ersten Jahrestages des Flugzeugabsturzes, bei dem Polens damaliger Präsident Lech Kaczyński und 95 weitere Menschen ums Leben kamen, zusammengestellt.

Doch dass die Texte zu einigen Bildern mit Klebeband verdeckt wurden, empört einige Europaabgeordnete der polnischen Oppositionspartei PiS: die Bildunterschriften seien "zu kontroversiell", schreibt die "Warsaw Voice".

Einige der Bildunterschriften, die im Ausstellungskatalog zu lesen sind, aber im Europaparlament überklebt wurden:

  • "Kein Politiker war so beliebt wie Professor Lech Kaczyński."
  • "Nach Ansicht vieler Polen war Professor Lech Kaczyński der herausragendste polnische Politiker seit dem 2. Weltkrieg"
  • "Das Flugzeug zerbrach in tausend Stücke. Experten können nicht erklären, wie ein Sturz aus einer Höhe von 20-30 Metern solche Schäden anrichten kann."
  • "Die Russen zerstörten das Flugzeugwrack, so dass die Arbeit der polnischen Ermittler behindert wurde."
  • "Die Katastrophe von Smolensk wird von vielen Polen "das zweite Katyn" genannt. Bei beiden Ereignissen kamen Angehörige der polnischen Elite ums Leben, alle starben in Russland"

Europaabgeordnete Lidia Geringer de Oedenberg, die als Quästorin für die Genehmigung der Ausstellung verantwortlich war, erklärte im Interview mit der Gazeta Wyborcza, dass sie persönlich gegen die Abdeckung der Bildunterschriften gewesen sei, weil dies zu Zensurvorwürfen führen könne.

Eben dies ist nun eingetreten: Professor Ryszard Legutko, der die Ausstellung organisierte, spricht von einem Skandal, und Ko-Organisator Ryszard Czarnecki (beide PiS) fordert überhaupt internationale Unterstützung. Schließlich kamen bei dem Unfall Militärs ums Leben, und Polen ist NATO-Mitglied. (bed)

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