82-Jährige verlor durch "Nichtentrick" 31.700 Euro

14. April 2011, 12:01
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"Großnichte Barbara" bat um Geld für Hausbau - Betrugswelle in Salzburg abgeflaut

Salzburg - Trotz wiederholter Warnungen der Polizei fallen gerade Pensionisten älteren Jahrgangs auf "Nichten- und Neffenbetrüger" herein. Dabei geben sich die Anrufer als Verwandte aus, die angeblich dringend Geld benötigten. Eine 82-jährige Salzburgerin wurde gestern, Mittwoch, Opfer einer "Großnichte Barbara". Diese bat am Telefon um 31.700 Euro für einen Hausbau. Die Pensionistin hob die Summe bei ihrer Bank ab und übergab das Geld einer unbekannten Frau, die sich als Botin der Nichte ausgegeben hatte.

Dass die Salzburgerin ihre 31.700 Euro je wieder bekommt, ist nicht sehr wahrscheinlich. "Die Anrufer sitzen meist im Ausland und bleiben oft im Dunklen", erklärte der Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Albert Struber. Die Personen, die zu den Geldübergabeterminen erscheinen, bezeichnete der Oberst als "ferngesteuerte Geldboten". Sie würden die Hintermänner oft nicht kennen. "Meistens erfahren wir über die Tat erst, wenn der Schaden schon eingetreten ist. Die Ermittlungen sind dann schwierig."

Telefonate abbrechen

Immerhin wurden gestern weitere fünf Salzburger, die ähnliche Anrufe erhielten, misstrauisch und verständigten die Polizei. Die Exekutive rät potenziellen Opfern, die Telefonate sofort abzubrechen. Sie sollten den vermeintlichen Verwandten anrufen und mit Fangfragen testen, ob der Gesprächspartner auch tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt. Keinesfalls sollte man sich bei einem Treffen mit der Vertretung des Verwandten zufriedengeben.

Vor zwei, drei Jahren seien Neffen- und Nichtenbetrüger in Österreich massiv aufgetreten, sagte Oberst Struber. Die Kriminalbeamten hätten einiges an Erkenntnissen gewonnen, Kontakt mit Ermittlern aus Deutschland aufgenommen und auch vereinzelt Boten erwischt. "Die intensive Phase war von 2007 bis Sommer 2010", erklärte Gerhard Hager, leitender Sachbearbeiter im Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos Salzburg. "Wir hatten in der Stadt Salzburg oft 20 Anrufer an einem Tag."

2011: 20 bedenkliche Anrufe

Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist in Salzburg nur ein Geldabholer festgenommen worden, und zwar im April 2010. Diese Person wurde bereits gerichtlich verurteilt. Danach flaute die Betrugswelle ab. Von Oktober bis Ende Dezember 2010 wurde in der Stadt Salzburg kein Fall einer Geldübergabe bekannt. Seit Jahresbeginn verzeichnete das Kriminalreferat rund 20 Anzeigen von bedenklichen Anrufen. Die Betrüger versuchen ihr Glück auch in Oberösterreich: Erst am 31. März wollte ein vermeintlicher Neffe einem 83-jährigen Pensionisten in Linz 45.000 Euro abknüpfen. Die Geldübergabe scheiterte, weil die Bank des Mannes zu einer Anzeige riet. Am 17. März lockten Neffenbetrüger zwei Seniorinnen in Linz insgesamt 13.000 Euro heraus. (APA)

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