Markus Schleinzer ist mit "Michael" im Wettbewerb

14. April 2011, 18:20
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39-jähriger österreichischer Schauspieler und Caster mit seinem Spielfilmdebüt "Michael" im Rennen um die Goldene Palme - Konkurrenz von Almodovar, Von Trier, Malick

Cannes/Wien - Damit hatte niemand gerechnet: Im Wettbewerb der 64. Internationalen Filmfestspiele von Cannes darf mit Markus Schleinzer ein österreichischer Regie-Debütant auf die Goldene Palme hoffen. Schleinzers Erstlingsfilm "Michael", für den der 39-Jährige auch das Drehbuch geschrieben hat, ist einer von 19 Filmen, die beim Filmfestival von 11. bis 22. Mai an der Croisette um die begehrte Trophäe rittern. Vor zwei Jahren hatte Michael Haneke das Rennen mit "Das weiße Band" für sich entschieden - ebenjener Film, für den der gelernte Schauspieler und erfahrene Castingdirektor Schleinzer die Kinder und Jugendlichen besetzt hatte.

Bei "Michael" soll es sich um ein Pädophilie-Drama handeln, das an den Fall Kampusch erinnert. Es gehe um den zehnjährigen Wolfgang, der vom 35-jährigen Michael, gespielt von Michael Fuith ("Rammbock"), entführt und eingesperrt wird. Der Film beleuchtet laut Geyrhalterfilm die "letzten fünf Monate unfreiwilligen Zusammenlebens" der beiden. In weiteren Rollen sind Ursula Strauss, Christine Kain und Viktor Tremmel zu sehen. Schleinzer ist seit 1999 Casting-Chef bei Michael Haneke und hat bei zahlreichen erfolgreichen österreichischen Filmen der vergangenen Jahre mitgewirkt. So war er u.a. für das Casting von Stefan Ruzowitzkys Oscar-prämiertem Streifen "Die Fälscher", Wolfgang Murnbergers "Der Knochenmann" und Benjamin Heisenbergs "Der Räuber" verantwortlich. In Letzterem war er auch als Schauspieler zu sehen.

Auch Almodovar, Von Trier, Malick im Wettbewerb

An der Croisette sieht sich Schleinzer mit Cannes-Stammgästen und großen Namen konfrontiert. So sind unter den 19 Filmemachern im Wettbewerb Meister wie der spanische Regisseur Pedro Almodovar, der finnische Filmemacher Aki Kaurismäki mit dem Flüchtlingsdrama "Le havre", der Italiener Nanni Moretti mit dem Papst-Film "Habemus papam" und der umstrittene Däne Lars von Trier mit seinem Katastrophenfilm "Melancholia". Erstmals sind unter den Wettbewerbsfilmen vier Regiearbeiten von Frauen, wie die Veranstalter am Donnerstag in Paris bekanntgaben - darunter "Hanezu no tsuki" der Japanerin Naomi Kawase.

14 der 19 Filme kommen aus Europa - und während es nur ein australischer, ein israelischer und ein US-Film in die Endauswahl schafften, ist das Gastgeberland Frankreich mit gleich drei Filmen vertreten, darunter "Polisse" der Regisseurin Maiwenn Le Besco. Auch die belgischen Regie-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die bisher all ihre Filme in Cannes vorgestellt haben, sind mit ihrem neuen Streifen "Le gamin au velo" wieder dabei. Die Jury leitet dieses Jahr der US-Schauspieler Robert de Niro, der italienische Filmemacher Bernardo Bertolucci wird für sein Lebenswerk geehrt.

Almodovar zeigte sich hocherfreut darüber, dass es sein neuer Film "La piel que habito" - mit Antonio Banderas in der Hauptrolle eines Schönheitschirurgen - in die Endauswahl schaffte. Nun sei er gespannt, wie das Publikum, die Presse und die Verleiher den Film aufnehmen - "davon abgesehen ist Cannes immer eine gute Gelegenheit, mal wieder eine Diät zu machen", witzelte der Regisseur.

Neben Antonio Banderas finden sich weitere bekannte Schauspielernamen im offiziellen Wettbewerb. Oscarpreisträger Sean Penn ist gleich zweimal vertreten: An der Seite von Brad Pitt spielt er im einzigen US-Beitrag, Terrence Malicks epochalem "The Tree of Life", und im englischsprachigen Debüt des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino, "This must be the place", mimt er einen gealterten Rockstar. Viel Aufmerksamkeit erregte bereits im Vorfeld die Besetzung von Woody Allens "Midnight in Paris", das außer Konkurrenz das Festival eröffnet. Die französische First Lady Carla Bruni-Sarkozy hat darin eine Nebenrolle. Ebenfalls außer Konkurrenz laufen der neue Film von Oscar-Preisträgerin Jodie Foster, "The Beaver", und die Fortsetzung des Piratenfilms "Fluch der Karibik" mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Im Nebenwettbewerb "Un Certain Regard" ("Ein gewisser Blick") hat es ein deutscher Film in die Auswahl geschafft - "Halt auf freier Strecke" von Andreas Dresen, der durch "Halbe Treppe" und "Sommer vorm Balkon" bekanntwurde. Als Eröffnungsfilm der Reihe wird Gus Van Sants "Restless" gezeigt. Insgesamt sichteten die Veranstalter für die verschiedenen Filmreihen des Festivals 1.715 Filme, von denen sie 49 auswählten. Vergangenes Jahr gewann der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul mit seinem Film "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben" die Goldene Palme.

Anfang kommender Woche geben auch die Reihen "Quinzaine des Realisateurs" und "Semaine de la Critique" ihr Programm bekannt. Hier besteht Hoffnung auf weitere österreichische Beiträge. Im Vorfeld wurden Ulrich Seidls neuem Film "Paradies" über drei (Urlaubs-)Geschichten von drei Frauen einer Familie Chancen auf eine Teilnahme eingeräumt. (APA)

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    Markus Schleinzers Spielfilmdebüt "Michael" wurde in den Wettbewerb der heurigen Filmfestspiele von Cannes eingeladen.

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