Armut macht Kinder krank

14. April 2011, 11:20
  • Die schlechte Vitaminversorgung schwächt bereits im Kindesalter das Immunsystem und macht anfällig für Krankheit und Fehlzeiten in der Schule.
    foto: apa/martin meissner

    Die schlechte Vitaminversorgung schwächt bereits im Kindesalter das Immunsystem und macht anfällig für Krankheit und Fehlzeiten in der Schule.

Der Kochtopf entscheidet beim sozialen Aufstieg mit - Schlechte Vitaminversorgung macht anfällig für Krankheiten

Sie sind blass und übergewichtig, ihr Immunsystem ist geschwächt und ihre Entwicklungschancen sind schlechter: Jedem sechsten Kind in Deutschland erschwert der Hartz IV-Regelsatz eine adäquate Ernährung.

Oft fallen sie schon in der Schule aus und werden nach schlechtem Berufsstart doppelt so häufig an chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes leiden. „Der soziale Aufstieg wird so bereits am Küchentisch erstaunlich effektiv blockiert", beklagt Biesalski, Sprecher des Sachverständigenbeirates der Ernährungsinformation der Universität Hohenheim. Aus Sicht der Ernährungsmedizin habe der ARD-Tatort „Jagdzeit" vom Wochenende die Umstände und Wirkungsmechanismen im Leben armer Kinder in Beziehung zu ihrer Ernährungssituation erstaunlich realistisch wiedergegeben. Die Pressemitteilung ist ein Beitrag im Rahmen des Themenjahrs 2011 „Universität Hohenheim - stark durch Kommunikation".

Mangel an Nährstoffen

Auf den ersten Blick scheint alles im Lot in Deutschland - auch auf den Kindertellern. „Von den Verantwortlichen der Nationalen Verzehrsstudie (NVS II) hört man in Deutschland gäbe es ab dem 14. Lebensjahr keinen Vitaminmangel", zitiert Biesalski.

„Wenn damit schwere Mangelzustände mit klassischen Krankheitsbildern gemeint sind, ist das korrekt. Damit geht man jedoch ganz offensichtlich darüber hinweg, dass laut Ergebnissen derselben Studie ein Großteil der Bevölkerung die empfohlene Menge einiger wichtiger Nährstoffe - zum Beispiel Folsäure, Vitamin D, Calcium, Vitamin E und andere - nicht erreicht", so Biesalski weiter.

So helfe es wenig, wenn „von verschiedenen Seiten gebetsmühlenartig ertönt, jeder könne sich gesund ernähren", moniert der Ernährungsmediziner. „Jeder kann es - wenn er genügend finanzielle Mittel zur Verfügung hat und auch ausreichendes Wissen darüber, was gesunde Ernährung ist." In armen Familien zwinge der Kostendruck dagegen zu preiswertem, einseitigem Essen. „Das sind fast automatisch die billigeren Lebensmittel mit höherem Energiegehalt - vor allem fett, aber ansonsten ernährungsphysiologisch nicht ausreichend."

Realistische „Tatort"-Heldin

Die Realität von Armut habe der Tatort vom Wochenende fast lehrbuchartig illustriert, als er die Filmheldin Nessi übergewichtig beim Einkauf zwischen Einmachgläsern und Raviolibüchsen zeigte. „Selbst bei Lebensmitteldiscountern sind Ausgaben von mindestens 5 € pro Tag und Kind notwendig, um eine Ernährung zusammenzustellen, die ohne jeden Bioanspruch das Prädikat ‚Gesund' auch nur annähernd verdient", so Biesalski. Der Hartz-IV-Regelsatz sehe für Kinder zwischen 2. und 6. Lebensjahr dagegen nur 2.62 € und zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr 3.22 € pro Tag vor - gerade die Hälfte des Minimums.

Die Folge: „Wir bekommen eine soziale Auswahl, die den Armen von Kind an eine ausreichende Leistungsfähigkeit verweigert - und damit die Grundlage für gute Ausbildung und beruflichen Erfolg", kritisiert. Die schlechte Vitaminversorgung schwäche bereits im Kindesalter das Immunsystem und mache die Betroffenen anfällig für Krankheit und Fehlzeiten in der Schule.

„Kinder aus armen Familien sind doppelt so häufig krank und übergewichtig - auch das ist ein Ergebnis aus deutschen Erhebungen. Langfristig begünstigt das Fehlen der zitierten Mikronährstoffe die Entwicklung chronischer Erkrankungen: Arteriosklerose, Diabetes und andere. Aus 2,5 Millionen Kindern, die sich aufgrund Armut fehlernähren, werden Erwachsene mit einem doppelt so hohen Risiko für Bluthochdruck und Diabetes, wie schwedische und US-amerikanische Studien kürzlich eindrucksvoll gezeigt haben."

Vorbeugung gegen chronische Erkrankungen im Kindesalter

Diesen Krankheiten im Kindesalter vorzubeugen ist nach Meinung des Mediziners eine gesellschaftliche Aufgabe: „Im Erwachsenenalter kann es dafür zu spät sein." Eine Lösung sei die Einführung einer gesunden Ernährung in Ganztagsschulen und Kindertagesstätten, wie sie im Rahmen des Bioethikforums des Deutschen Ethikrates 2007 gefordert wurde.

„Diese sollte eigentlich für alle Kinder - wie zum Beispiel in Skandinavien - zumindest aber für Kinder von Geringverdienern unentgeltlich sein", meint Biesalski. Denn: „Es nutzt wenig, auf die Möglichkeiten einer gesunden Ernährung hinzuweisen, wenn denen, die eine solche gesunde Ernährung ganz besonders brauchen, diese aus ökonomischen Gründen nicht zugänglich ist." (red)

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Jeder, auch HartzlV-Bezieher könen sich gesund ernähren,

es ist einfach eine Lüge, dass das Geld für gesunde Nahrungsmittel fehlt. Das wurde längst bewiesen, und ich weiß es auch aus eigener Erfahrung.
Es ist nur einfacher und bequemer dauernd zu wiederholen, dass sich diese Leute aus pekuniären Gründen nicht gesund ernähren können. Es ist wie immer und überall, man muss es halt wollen und sein Leben ändern. Schwer, zugegeben, aber keine Frage des Geldes. Das beweis ich jedem und jeder und jederzeit.

Kinder bekommen?

Dann sollten die netten Hartz IV Empfänger vielleicht nicht alle 11 Monate ein neues Kind bekommen!!!

Ach ja, ich vergaß... Für jedes weitere Kind gibts noch mehr Kindergeld...

>>> Idiocracy lässt zweifelsfrei grüßen <<<

Wenn ich mir im Supermarkt so den Inhalt der Einkaufswaggerl anschaue, fällt mir immer auf, dass viele Nudeln, Billigpizzas, Sugo etc praktisch immer mit vielen Riesenflaschen von diversen Limonaden (=aromatisiertes Zuckerwasser) und Cola zusammenfallen.

Traurig ist alleine die Tatsache, dass ein Glas billig-Sugo und ein halber Kilo Weißmehlnudeln oft als Mittagessen herhalten müssen, weils billig ist. Das Sugo hat außer viel Zusatzstoffen keine Nährstoffe, die Nudeln sind leere Kolehydrate.
Gemüse ist leider viel zu teuer im Vergleich mit magenfüllenden Billigsattmachern, bei denen ich mich weigere, das Wort Lebensmittel in den Mund zu nehmen. eigentlich müsste dieser krankmachende Schrott viel teurer werden und mit der Differenz Gemüse und Obst subventioniert werden.
Na ja, und die Tatsache, dass viele sich leider nur sehr ungern mit dem Thema Kochen beschäftigen und das Sugo-Aufwärmen als solches bezeichnen, tut ihr übriges.

Warum gehen hier die "Konsumenten" aufeinander los? Egal ob gebildet-ungebildet, Oberschicht-Unterschicht,...? Anstatt GEMEINSAM gegen die Wirtschaft bzw. Großkonzerne etwas zu unternehmen?
Nahrungsmittel sind EXTREM teuer geworden!
Und trotzdem liest man, daß Aktien steigen Gewinnzuwächse verbucht werden, usw.
Wieviele Kinder bekommen frische Kirschen im Sommer als Snack - der Kilo um 6 -10 Eur?? Heimische Erdbeeren? Frisch gekochte Kürbiscremesuppe?
Ich muß bei Kleidung usw. sehr sparen, damit ich diese Lebensmittel regelmäßig kaufen kann, gehöre aber zum Durchschnitt (mittleres Einkommen)!

Ich komme als Angestellte kaum mit 1200.- netto aus, ich habe keine Ahnung wie man mit so wenig überleben kann,... Vermutlich gibt es für Minderbezieher nur noch Kartoffel, Nudel und Reis mit Sauce zu essen, und das über Jahre. Das macht seelisch und körperlich krank.

Und da von solchen Löhnen die Pensionen berechnet werden, die ebenfalls gekürzt sind, droht uns allen im Alter die Armut. Wer will unter solchen Bedingungen heute noch Kinder oder später alt werden, da hilft doch nur früh und rechtzeitig sterben...

Eigentlich müsste die Überschrift heißen: Dumme Eltern machen Kinder krank.
Mir ist schon klar, dass auf Dummheit dann meistens Armut folgt, aber die Ursache für diese Armut liegt vermutlich in der Bildung der Eltern.

Sie haben wie immer recht!!!

Es ist immer die gleiche Leier! No nie waren die Lebensmittel mehr Lebensmittel als heute. Gesund, frei von Krankheitserregern und frei von Pestiziden und Insektiziden etc. Niemand kann mir einen Arzt nennen, der eine derartige Vergiftung sauber belegt und diagnostiziert hat. Aber jeden Tag sitzen Tausende in Ordinationen herum, die schlicht und einfach nicht maßhalten können und zu viel Fett, Zucker und Eiweiß fressen. Die glauben dann, wahrscheinlich durch Trinken von stillem Wasser um ihr Geld zu kommen.
Wen das so weitergeht mit derartigen Trottelanalysen wird noch auf Kassa ein gesundes Cola verordnet werden!

Sie persönlich sollten sich gesünder ernähren und den Alkohol weglassen. Das hilft, besser zu denken statt so einen Stuss.

Ich frage mich, auf welcher Grundlage die Behauptungen in dem Artikel basieren

Ungesundes Essen ist billiger? So ein Quatsch. Das stimmt höchstens, wenn man die reinen Kosten pro Gramm vergleicht, aber nicht mehr wenn man auch einrechnet, wieviel man braucht um satt zu werden, bzw. wie schnell man wieder Hunger kriegt. Dass ärmere Menschen oft Schrott kaufen liegt wohl eher daran, dass diese oft auch eine schlechtere Bildung haben. Ich lebe auch unter bzw. knapp an der Armutsgrenze und ernähre mein Kind trotzdem relativ gesund.
Und wie sie auf "5 Euro/Tag reichen niemals" kommen frage ich mich auch. Ich verbrauche sicher nicht mehr als 5 Euro/Tag für Essen für mein Kind, und das obwohl ich sehr viel Gemüse laufe, Vollkorn, usw. und das Meiste bio. Zusätzlich gibts (leider) auch noch oft genug Süßigkeiten.

Das sehe ich ähnlich. Gutes Essen ist nicht teuer. Vermutlich kaufen Eltern mit weniger Geld eher schlechte Nahrungsmittel.

Um 5 Euro bekomme ich fast schon ein Kilo Fleisch, ein Kilo Käse oder ewas 20 Eier. Alles hochwertige Nahrungsmittel.

Mich würde wirklich interessieren, was diese Leute, denen 5 Euro pro Kind und Tag nicht reichen, wirklich kaufen.

Au ja, "Fleisch" von hormonell getunten, mit chemischem Kraftfutter hochgemästeten Leidewesen aus Massentierhaltung, sehr lecker. Ich kauf lieber selten Fleisch, dafür qualitativ hochwertiges Bio-Fleisch vom Bauern meines Vertrauens. Und da kostet dann der Kilo Hendl schnell einmal knappe 10 Eur (beim ganzen Hendl).
Rind und Schwein entsprechend höher.

Hormone in Fleisch sind verboten.
Was ist chemisches Kraftfutter? Das würde mich jetzt interessieren. Oder wissen Sie es gar nicht und gehen nur irgendwelcher Propaganda auf den Leim?

Ihr Beispiel, vom 10-Euro-Hendl zeigt ja, dass die Bauern genaus das machen, was wir Konsumenten wollen. Also brauchen wir nicht über die Industrie oder sonstwem schimpfen, wir sind es, die diese Produkte in Auftrag geben.

Vermutlich muss man von den %.- auch Seife, Zahnpasta, Wäsche, Schulmaterial, Kleidung, Medikamente, Schuhe, Friseur etc. für das Kind bezahlen!!!! Oder laufen die Kinder nackt herum?!

Dann kaufe mal mehr Gemüse und Obst, du Clown!

Ich bin zwar kein Clown, weiß aber trotzdem, dass Gemüse recht teuer ist. Eigentlich ist es teuer verkauftes Wasser.

Bezogen auf die Nährwerte ist Gemüse sogar extrem teuer. Mir sind Fleisch, Käse, Wurst, Eier viel lieber und auch noch relativ günstig.

es war aber die rede von gesundem essen,

nicht von persönlichem geschmack;

wie siehts bei ihnen mit fleisch aus?

5€ sind eigentlich nicht so viel. gut, mit 150€ pro monat werden viele erwachsene auskommen müssen.

aber wenn man frühstück, mittagessen, kleines abendessen und eine obstportion zwischendurch zusammennimmt, ist das nicht wenig beim einkauf. ein fruchtsaft wird sich zb eher nicht ausgehen. nur wasser und milch ist eh gesünder.

einheitspreise sind sowieso unpraktisch, da die preisdifferenz je nach gebiet oder jahreszeit oder spekulationszeit *g* variieren kann.

hat man nur 1-2 supermärkte und keinen bauernmarkt oder greisler in der nähe, hat man nicht viel auswahl.

jetzt aber die

ich finde 5 eur wirklich ok, bin definitiv nicht arm schaue aber auf preise und hochwertige lebensmittel-und um 5 eur kann man viel kaufen (fleisch um 5 eur gibt es zwar aber das wuerde ich nicht empfehlen) man muss sich bemuehen, willen und zeit investieren dann kann man um 35 eur ordentlich lebensmittel fuer die woche fuer eine familie kaufen!!

Fleisch gibt es bei uns selten, aber nicht aus finanziellen Gründen, sondern 1. aus ethischen und 2. find ichs auch nicht gesund zu viel Fleisch zu essen.
Zu Trinken gibt es Leitungswasser, da es das Gesündeste und umweltfreundlichste ist. Saft gibt es hin und wieder mal als Extra, genauso wie McDonalds usw.
5 Euro hören sich in der Tat nicht viel an, aber schauen Sie mal im Supermarkt wieviel Sie davon an gesundem Essen bekommen - das reicht locker für einen Tag!

Mein Kind bekam in den KiGa meist eine Scheibe Vollkornbrot mit Gemüseaufstrich, Käse und rohem Gemüse mit. Das kam mir sicher billiger als die Nutellasemmeln und Milchschnitten, die viele andere Kinder aus "unteren Einkommensschichten" mithatten.

ich stimme ihrem beitrag komplett zu, meine trinken auch meist leitungswasser und das nicht aus kostengruenden!

Nicht nur materielle Armut macht Kinder krank.

Auch Armut an Liebe und Zuneigung durch die Eltern. Vor allem Armut an Zeit.

Von der Wiege in die Krabbelstube, von dieser so rasch wie möglich in den Kindergarten. Nach der Schule wartet daheim auch nicht die Mama, sondern der Hort. Statt dass ihnen vorgelesen wird, bekommen sie Computer-Spiele und TV-Betäubung.

Babies und Kleinkinder müssen heute schon in den Time-Schedule der Eltern reinpassen; sie müssen "funktionieren". Sie fühlen sich oft nur noch als Tasks der Eltern, aber nicht mehr geliebt und verstanden.

Die Fortsetzung dieser Entwicklung kann man dann in einschlägigen "Dokumentationen" über Jugendliche in ATV bestaunen.

meine kinder haben mit 18 monaten in einer krabbelstube angefangen, jetzt gehen sie in den kindgergarten und ich bin überzeugt davon, dass es ihnen dort gut geht. realistisch, und ehrlich betrachtet, kann man sich nicht länger als 1 bis 2 stunden am tag mit den kindern aktiv beschäftigen (d.h. vorlesen, basteln, gemeinsam gewählte dvds schauen, etc.) - vor allem im winter ist es nicht einfacht weil man nicht rausgehen kann -!
m.e. sind die kinder in einer guten krabbelstube, einem guten kindergarten, hort etc. viel besser aufgehoben als jene, die den ganzen tag mit eltern verbringen müssen weil man annimmt die mama oder der papa sind ja 24h am tag gut drauf und haben sonst nichts zu tun als mit den kindern zu spielen...

Gerade im Winter

haben die Kinder draußen den meisten Spaß.Zumindest genausoviel wie im Sommer.Wieso können Sie im Winter nicht rausgehen?.Probieren Sie es einfach.

"haben die Kinder draußen den meisten Spaß.Zumindest genausoviel wie im Sommer."

Das ist bei Kindern - genau wie bei Erwachsenen auch - sehr subjektiv. Mein Kind hat im Winter definitiv nicht genauso viel Spaß wie im Sommer, weil sie ungern friert, sich gleichzeitig aber am Liebsten nur sehr wenig anzieht. Im Frühling/Sommer geht beides, im (mitteleuropäischen) Winter nicht ;)

Aber prinzipiell stimme ich Ihnen zu - Ich stehe auf die abgedroschene Phrase "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung"

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