Alternativenergie nur in Sonntagsreden

13. April 2011, 19:45
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Neue Salzburger Messehalle wird von Stadt und Land ohne Fotovoltaikanlage gebaut



Salzburg - Am Messegelände im Salzburger Stadtteil Liefering wird seit Tagen emsig gearbeitet: Alte Hallen werden abgerissen, in nur sieben Monaten wird ein neuer Großkomplex errichtet. Die 34 Millionen Euro Investition soll vor allem große Kongresse mit bis zu 5000 Teilnehmern ermöglichen. Geplante Übergabe für die 15.000 Quadratmeter große Mehrzweckhalle ist am 28. Oktober.

Das ambitionierte Vorhaben der drei Messeeigentümer Stadt, Land und Wirtschaftskammer wird jedoch seit der Präsentation der Detailpläne gleich von mehreren Seiten heftig kritisiert. Zwar würden die Vertreter der Mehrheitseigentümer Stadt und Land immer wieder von der "Energiewende" sprechen, meinen etwa die Grünen, im eigenen Wirkungsbereich unternehmen die öffentlichen Hände freilich nichts.

Konkret: Obschon sich die 15.000 Quadratmeter große Dachfläche auch nach Ansicht von Energielandesrat Sepp Eisl (ÖVP) hervorragend für eine Fotovoltaikanlage eigne, ist die Erzeugung von Ökostrom am Messedach nicht vorgesehen. Eisl: "Es gibt wenige Standorte in der Stadt, die sich so gut für die Erzeugung von Strom aus der Sonne eignen." Eisl meint, dass Land solle Vorbild sein und eine Fotovoltaikanlage am Messedach betreiben.

Entscheiden kann der schwarze Landesrat freilich nichts. Denn Eigentümervertreter des Landes ist Finanzressortchef David Brenner (SPÖ). Dieser sagt, eine Alternativenergieerzeugung rechne sich nicht. Das auch, weil die entsprechende Förderung des Bundes auf Jahre ausgeschöpft sei.

Grünen wollen "Bürger-Beteiligungsanlage"

Eine kleine Chance hat die Solarenergie vom Messedach aber doch. Man habe Leerverrohrungen eingezogen und die Traglast des Daches soweit erhöht, dass interessierte Unternehmen dieses für die Energieerzeugung nutzen könnten, berichtet Eisl. Die Grünen wollen die Chance ergreifen und fordern eine geförderte "Bürger-Beteiligungsanlage".

Möglicher Geschäftspartner wäre die Salzburger Ökostrombörse. "Landes- und Bundesregierung fördern mit Steuergeldern Straßentunnels, Schneekanonen und ähnlich klimaschädigende Investitionen. Warum nicht eine Bürger-Fotovoltaikanlage auf dem Messegelände?", fragt die Grüne Landtagsabgeordnete Astrid Rössler. Immerhin seien Stadt und Land ja auch Mehrheitseigentümer bei der Salzburg AG. "Da sollte es mit etwas Kreativität wohl möglich sein, über Einspeisetarife oder ein Gegenverrechnungsmodell ein attraktives Beteiligungsmodell zu schaffen."

Hallenbad mit Solarwärme 

Wäre es nach den ursprünglichen Plänen gegangen, dann wäre auch dem an der Alpenstraße geplanten Salzburger Ersatzhallenbad einen sonnenlose Zukunft beschieden gewesen. Erst massiver politischer Druck von Bürgerliste und FPÖ konnte der SPÖ- und der ÖVP-Fraktion die "Nutzung von Solarwärme für Wasser-Vorwärmung und Heizung der Schwimmhalle" abringen.

Beim aktuellen Neubau der städtischen Schule für schwerstbehinderte Kinder, der Anna-Bertha-Königsegg Schule, ist wie bei der Messe keine Fotovoltaiknutzung vorgesehen. Aber immerhin soll auch hier die Beheizung des Schwimmbades mit einer Solaranlage unterstützt werden. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 14.4.2011)

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