Ökostrom-Erzeugung mit Körpereinsatz

13. April 2011, 19:26
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Österreichs erstes Science-Center hat eröffnet: Das "Welios" in Wels macht erneuerbare Energie mit allen Sinnen fassbar

 Kerstin Scheller Wels - Das Logo des Welios ist eine grüne Hand. Jeder ausgestreckte Finger steht für eine Form der erneuerbaren Energie: Geothermie, Wasserkraft, Solarenergie, Windkraft und Biomasse. "Nach dem Reaktorunglück in Fukushima hat die Frage nach alternativen Energien eine neue Brisanz erhalten", erklärt Michael Vielhaber, Pressesprecher des Welios. Im Welser Science Center, das an diesem Samstag aufgesperrt wird, kann man sich auf die Suche nach der Antwort begeben. Diese muss man sich jedoch selber erkurbeln oder erspielen; Körpereinsatz ist gefordert. Auf "erlebnisorientierte Weise werden einem Grundlagen zukünftiger Energiegewinnung und -versorgung vermittelt", sagt Vielhaber. "Edutainment" - Education (Erziehung) und Entertainment (Unterhaltung) heißt die Philosophie. 

"Erstes richtiges Science-Center"

Weltweit entstehen seit mehr als 40 Jahren derartige Einrichtungen, die sich "auf interaktive Exponate zu wissenschaftlichen Themen spezialisiert haben", erläutert das "ScienceCenter-Netzwerk" Österreich, das 2005 gegründet wurde. Seitdem werden in Museen solche Interaktiven-Bereiche wie etwa im "inatura Naturschau Dornbrin" oder im "Haus der Natur" in Salzburg geschaffen. Das Welios im oberösterreichischen Wels ist hingegen das "erste richtige Science Center in Österreich" (Vielhaber). Zudem befasse es sich als weltweit erstes Wissenszentrum mit dem Thema erneuerbare Energien. Auf 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gibt es 150 Mitmach-Exponate. Windräder, die beim Radfahren in Bewegung gesetzt werden, oder Modellflugzeuge, die immer schnellere Runden drehen, je exakter man mit einem Lichtstrahl auf Solarzellen leuchtet. 40 sogenannte Scouts stehen dem Besucher an den Stationen mit Rat und Tat zur Seite.

Energie-Genie Jouli

Klassische Führungen wird es hingegen nicht geben. Dafür begleiten einen Jouli und seine Familie durch das Haus. Mithilfe einer Geschichte sollen einem Funktions- und Wirkungsweise von Wind-, Wasserkraft, Solarenergie, Geothermie und Biomasse vorgestellt werden, erklärt Silke Petzold. Sie war maßgeblich an der inhaltlichen Gestaltung des Welios beteiligt. "Das Energie-Genie Jouli lebt mit seiner Familie in einem Wohnhaus voller Energie. Tochter Lucie fungiert als Erzählerin. Joulies Frau ist als Ingenieurin weltweit unterwegs, um Neues und Seltsames im Kontext Energie zu erkunden. Die Großmutter als guter Geist wird den Besuchern an verschiedenen Hörstationen begegnen." Wie zum Beispiel aus dem Brausekopf in der Badewanne. "Die Figuren sind jedoch niemals zu sehen", ergänzt Petzold, "sie hinterlassen nur ihre Spuren im Welios."

Gleich zu Beginn kommt man etwa in die Wohnung der Familie, kann dort in einem Reaktionsspiel die Energiefresser, wie PC oder Fernseher, ausschalten. In der Küche mit überdimensionalen Stühlen und einem Tisch (der Sichtweise eines Kleinkindes nachempfunden) wird Muskelkraft benötigt, um den Strom für den elektrischen Mixer anzukurbeln. Mit 250.000 Besuchern rechnet das Welios pro Jahr. So viele Gäste benötigt es, damit es "schwarze Zahlen schreibt", meint Vielhaber. 22 Millionen Euro (20 Millionen Euro stammen von der Stadt Wels und dem Land Oberösterreich) hat das neue Haus gekostet. Errichtet wurde der dreistöckige Betonkörper natürlich in Niedrigstenergiebauweise. Außerdem verfügt das Welios über ein ausgeklügeltes Energiekonzept mit Solar- und Fotovoltaikanlage, Brunnenwasserkühlung sowie solarer Fernwärme. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 14.4.2011)

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WELIOS

  • Erneuerbare Energien erfassen: Im Welios Science Center ist das möglich
    foto: welios

    Erneuerbare Energien erfassen: Im Welios Science Center ist das möglich

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