Faymann allein zu Haus

13. April 2011, 18:50
76 Postings

Mit Josef Prölls Rückzug kommt Werner Faymann der Koalitionspartner, fast ein Freund, aber auch ewiger Konkurrent, abhanden

Die Koalition bleibt bestehen: Das war am Mittwoch die wichtigste Botschaft, die Kanzler Werner Faymann (SPÖ) angesichts des Verlusts seines langjährigen Regierungspartners Josef Pröll gleich zu Mittag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Ballhausplatz setzen wollte.

Angesichts stetig steigender Umfragewerte der FPÖ und der internen Krisen der ÖVP hielt Faymann ausdrücklich fest: Die Koalition sei "so stabil" , die Zusammenarbeit "so stark" - dass sie die jüngsten Ereignisse ohne gröbere Probleme überstehen werde. Er, Faymann, erwarte sich, dass die Regierungsarbeit bald ungestört fortgesetzt werden könne.

Und: Als fairer Partner werde er sich bei den Entscheidungen, die die ÖVP "in den nächsten Stunden und in den nächsten Tagen zu treffen" habe, nicht einmischen. Dazu stellte Werner Faymann noch klar: "Mein Regierungsteam bleibt gleich."

Nicht wirklich eingehen wollte der Kanzler auf die Kritik von Josef Pröll in dessen Abschiedsrede, dass seit geraumer Zeit ein Reformstillstand herrsche.

Werner Faymann selbst war am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr von Josef Pröll über dessen bevorstehenden Abgang aus der Politik informiert worden. Es war das erste persönliche Gespräch zwischen den beiden nach der Lungenembolie des Vizekanzlers vor nahezu vier Wochen.

Persönlich verbunden

Werner Faymann verliert damit nicht nur seinen Vizekanzler. Die beiden konnten über weite Strecke auch persönlich sehr gut miteinander und hatten ein enges, ja fast freundschaftliches Verhältnis, zueinander.

Politisch zusammengeschweißt wurden Werner Faymann und Josef Pröll bereits unter der Kanzlerschaft von Alfred Gusenbauer, als sie als Regierungskoordinatoren zusammenarbeiten und oft genug die schlechte Stimmung an der Regierungsspitze ausbaden mussten. Was die beiden damals schon auszeichnete und zueinander führte, war der konstruktive, sach- und lösungsorientierte Zugang zu Problemstellungen.

Als die beiden dann jeweils zum Parteichef aufstiegen und an die Spitze der neuen großen Koalition aufrückten, kühlte sich das Verhältnis aber etwas ab.

Das politische Konkurrenzverhältnis und das Bestreben der Volkspartei unter Josef Pröll, Erste zu werden, stellte die Freundschaft und die gedeihliche Zusammenarbeit immer wieder auf harte Proben. Vor allem die Attacken aus der zweiten Reihe der ÖVP, von denen Josef Pröll stets vorgab, nichts zu wissen, sorgten bei Werner Faymann oft für Verärgerung. Und selbst wenn der schwarze General Fritz Kaltenegger aus vollen Rohren schoss, hatten Laura Rudas und Günther Kräuter in der SPÖ-Zentrale immer noch die Vorgabe vom Kanzler, sich in Zurückhaltung zu üben und den Koalitionspartner nicht anzugreifen.

Es brauchte viel Kritik aus den Ländern und Druck von der Basis, ehe Faymann einen schärferen Kurs gegen Pröll und die ÖVP einschlug.

Die rote Gerechtigkeitskampagne erwischte den Koalitionspartner dann auf dem ganz falschen Fuß. Und Faymann konnte mit einem sehr klaren Auftreten, mit dezidierten Botschaften und scharfen Worten Terrain gutmachen.

War Josef Pröll vor einem Jahr noch unbestrittener Star auf der politischen Bühne, hat sich das Blatt 2011 gewendet: Werner Faymanns Image ist besser geworden. Auch wenn die Umfragewerte nach wie vor eine Katastrophe sind, so waren doch Josef Prölls Ansehen und seine Werte stark ramponiert worden.

Konträrer Lebensstil

Der Gesundheitszustand von Josef Pröll gibt jedenfalls auch Werner Faymann zu denken. Als Spitzenpolitiker mit einem vollen Kalender achtet der Kanzler besonders auch auf seine Gesundheit, heißt: kontrolliertes Essen, wenig Alkohol, möglichst regelmäßige Bettruhe und Sport, wann immer es geht. Im Sommer Wandertouren, im Winter Skitouren.

Gerade auch in diesen Dingen nahm Werner Faymann eine Gegenposition zu Josef Pröll ein, der stets zu seinen kleinen Schwächen stand und zugab, ein ausgeprägter Genussmensch zu sein. (DER STANDARD, Print-Ausgab, 14.4.2011)

  • Die Koalition bleibt: Das beeilte sich der Kanzler angesichts Prölls Abgang zu versichern.
    foto: standard/cremer

    Die Koalition bleibt: Das beeilte sich der Kanzler angesichts Prölls Abgang zu versichern.

Share if you care.